Faszinierendes von Gironcoli

Kultur / 03.11.2019 • 21:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Ausstellung in Feldkirch erlaubt einen Blick in den hermetischen Kunstkosmos von Bruno Gironcoli. AG

In der Galerie Sechzig stehen Arbeiten auf Papier des österreichischen Bildhauers Bruno Gironcoli im Vordergrund.

Feldkirch Den Werken des großen österreichischen Bildhauers Bruno Gironcoli (1936-2010) kann man in Vorarlberg derzeit gleich zwei Mal begegnen. Neben der den mächtigen Skulpturen gewidmeten Schau im Kunstraum Dornbirn, über die bereits berichtet wurde, zeigt die Galerie Sechzig einige kleinere Güsse in Bronze und Aluminium, vor allem aber Zeichnungen und Mischtechniken auf Papier. Bruno Gironcoli war zu Lebzeiten, 1991 und 1993, bereits zwei Mal im Hause Hirn zu Gast. Mit „Perspective of an Outsider“ kehrt sein Werk zum dreißigjährigen Bestehen der Galerie nach Feldkirch zurück. Die in Kooperation mit der in Innsbruck und Wien beheimateten Galerie Elisabeth und Klaus Thoman realisierte Ausstellung erlaubt mit einer schönen Auswahl von Papierarbeiten so etwas wie einen Blick in den hermetischen Kunstkosmos Gironcolis und über die Schulter des Bildhauers, der mit seinen enigmatischen Skulpturen spätestens seit der Biennale in Venedig 2003 ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist, sich zeitlebens aber als Außenseiter empfunden hat. Als „Riesenspielzeuge“ hat Werner Hofmann Gironcolis assoziative Bilderzählungen bezeichnet, die Ausdruck seiner ureigensten Privatmythologie waren und auf wiederkehrenden Elementen aufbauen. Organische Formen und Gegenstände aus dem Alltag wie Blätter, Schöpfkellen, Teller, Enziane, Weintrauben, Embryonen, Trichter, Möbel dominieren auch die kleineren Skulpturen, wie „Brennendes Kind“ oder „Baby auf drei Beinen“, die in der Galerie Sechzig zu sehen sind. Monumental angelegt und von großer Wirkung vermitteln sie nicht nur eine berührende Nähe, sondern erzwingen diese geradezu, besonders in der Zusammenschau mit den im Verlauf des Schaffens immer malerischer werdenden Arbeiten auf Papier.

Auf kariertem Grund

Diese reichen von Bleistiftskizzen und mit Buntstift und Pastellkreide ausgearbeiteten Entwürfen bis hin zu den variantenreichen Mischtechniken auf kariertem Papier in den charakteristischen Künstlerrahmen, die fast schon eine eigene Gattung im Oeuvre bilden. Sowohl was die Motive als auch die metallische Farbigkeit anbelangt, stehen die Arbeiten auf montierten Din A4 Linienspiegelblättern in enger Wechselwirkung mit den Plastiken. Mutter-Kind, Mann-Frau, Eros und Sexualität, Grausamkeit und Gewalt: Auch hier bleibt, aller Apparaturen und maschinenhaft anmutenden Gebilde zum Trotz, der Mensch in den elementaren Konstellationen des Lebens, die die dunklen Seiten der Existenz nicht ausklammern, das beherrschende, ungebrochen aktuelle Thema von Gironcoli, das immer wieder und immer noch fasziniert und irritiert. Ariane Grabher

Geöffnet in der Galerie Sechzig in Feldkirch, Ardetzenbergstraße 60, bis 30. November, Mi, Do, Fr, 16 bis 19 Uhr; Sa, 12 bis 16 Uhr.