Harald Gfaders ironischer Umgang mit abschlägigen Antwortschreiben

Kultur / 25.11.2019 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Charakteristisch für den Künstler in Bestform ist auch das Vexierspiel von Bild und Wort. AG

Amtslastig und bürokratisch, aber poetisch ist die neue Ausstellung in der Galerie.Z in Hard.

HARD Wie geht man mit Absagen um? Konkret mit den abschlägigen Antwortschreiben diverser Ämter und Institutionen auf eingereichte Kunstprojekte zu Ausschreibungen, Wettbewerben oder Veranstaltungen. Die Faust im Sack machen? Den frustrierten, wehleidig Beleidigten geben? Der Göfner Maler und (Sound)Konzeptkünstler Harald Gfader (59) hat seinen eigenen Weg gefunden und probt in einem künstlerischen Projekt lustvoll, noch dazu figurativ, den ironisch-poetischen Umgang mit den über die Jahre gesammelten Abfuhren. Harald Gfader plaudert aus seinem ganz persönlichen Nähkästchen – ganz frei nach dem Motto „Heiter-Skurriles aus dem künstlerischen Arbeitsalltag – was sie schon immer wissen wollten, aber nie zu fragen wagten“.

Frustrationsbefreit

So ist auf der Basis der amtlichen Retourschreiben die Werkreihe „Anleitungen zum frustrationsbefreiten Antrag für Stipendien/Kunstförderung und Unterstützungen anwendbar im Kulturland Österreich Tu Felix“ entstanden. Erstmals präsentiert vor ziemlich genau einem Jahr im handlichen Bändchen Nr. 23, „Ein neuer Antrag wird neu gereiht und verlängert daher die Wartezeit!“, der vom Label unartproduktion und Ulrich Gabriel herausgegebenen Schundhefte. Eine Auswahl der DIN-A4-großen Originale ist nun in der Galerie.Z in Hard zu sehen. Die Ausstellung schließt an die Präsentation „Offene Zusammenhänge“ an, gleichenorts 2016, mit der Gfader im Miteinander von Text und Bild auf Papier auf seine künstlerischen Wurzeln verwiesen hat. Die Technik der jüngsten Blätter ist auf gute alte Gfader‘sche Art von einem alchemistischen Element geprägt, wenn in der Kombination von Enkaustik und Aquarell die sich eigentlich abstoßenden Komponenten Wachs, Öl und Wasser aufeinandertreffen und Farbe in feinsten, intensiv leuchtenden Pigmenten nicht nur aufgemalt, sondern auch aufgebügelt wird.

Charakteristisch für den Künstler in Bestform ist auch das Vexierspiel von Bild und Wort. Mit den ratlos dreinschauenden, sich nachdenklich am Kopf kratzenden Herren und den gut frisierten, eleganten Damen in ihren heiter-farbigen Kleidern ist Gfader nach langer Zeit gar wieder zur Figuration zurückgekehrt. Unterlegt sind die Darstellungen mit Zitaten und Wortspenden „aus relativ selten zurückkommenden Antwortschreiben“ (Gfader). „Hier geht es um Kultur, nicht um Kunst“, „Natürlich darf eine Einreichung nicht anonym sein, wir möchten doch wissen, mit wem wir es zu tun haben.“: Man traut kaum seinen Augen, was da aufs Tapet kommt an häufig standardisierten Sätzen, an hohlen Floskeln und Formulierungen und an absurden Begründungen, die einer gewissen, hoffentlich unfreiwilligen Komik nicht entbehren.

„Der beste Wettbewerb ist der, an dem man nicht teilnimmt“, konstatiert Harald Gfader für sich und stempelt stattdessen unverdrossen wie ein braver Beamte seine Kommentare wie „Arts Rats“, „Eat the Rich“ oder „Kunst ist Freiheit statt Freizeit“ weiter in die in der Ausstellung aufliegenden Schundheftchen ein, die damit zu veritablen Multiples werden. Ariane Grabher

Die Ausstellung ist in der Galerie.Z in Hard bis 21. Dezember geöffnet, Di. und Do. 18 bis 20 Uhr, Sa. 10 bis 12 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung 0650/6482020.