Das Montafon als Sehnsuchtsort

Kultur / 30.11.2019 • 13:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sabine Grohs hat mit dem Schreiben ihres Romans „Außer Haus“ ihr Heimweh nach dem Montafon kompensiert. MONIKA BISCHOF

Die Vorarlberger Autorin Sabine Grohs wechselt in ihrem Buch „Außer Haus“ zwischen Realität und Fiktion.

BLUDENZ Das Montafon als Sehnsuchtsort und Heimat steht zentral in dem vor Kurzem erschienen Roman von Sabine Grohs. Aufgewachsen in Bludenz, verbrachte die Autorin in ihrer Kindheit viel Zeit in Tschagguns bei den Großeltern. Nach ihrem Studium der Publizistik in Wien verlagerte sie auch ihren Lebensmittelpunkt in die Großstadt. Bei einem Spaziergang im Wienerwald entdeckte sie ein altes Haus, das sie an die typischen Montafoner Bürgervillen erinnerte. „Über den Bau dieses Hauses bekam ich eine faszinierende Geschichte zu hören: Ein reicher Bahnbeamter aus Wien habe sich Anfang des letzten Jahrhunderts bei einem Urlaub im Montafon für genau dieses Haus begeistert, es abtragen, nach Wien transportieren und eben im Wienerwald wieder aufbauen lassen. Diese Version der Geschichte wurde allerdings später widerlegt. Das Haus wurde von einem Münchner Architekten geplant und mithilfe von Montafoner Baumeistern gebaut“, erinnert sie sich.

Dennoch war diese Geschichte der Anlass, mit dem Schreiben eines Buchs zu beginnen. „Ich habe mit dem Schreiben mein Heimweh nach dem Montafon kompensiert“, erläutert die Autorin. Es entstand eine fiktive Familiengeschichte, die sich über sechs Generationen erstreckt und in einem Zeitraum von zweihundert Jahren spielt. Haupterzählort ist das Montafon, es finden sich aber auch Nebenschauplätze in Wien, Paris und im Ort Zogenweiler im Allgäu. Erzählt wird immer aus der Sicht und der jeweiligen Zeit eines der Protagonisten der Familie Widerin, dessen Lebensumstände recht plastisch geschildert werden, während sich das Haus als Leitmotiv durch alle Geschichten zieht. Eigentlich sind es Kurzgeschichten, die jeweils für sich stehen könnten. Die Chronologie ist linear, verläuft aber immer im Wechselspiel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. So ist das erste Kapitel der Ahna Marianna im Jahr 1898 gewidmet, sie ist zu Fuß auf dem Heimweg von einem Markt in Bludenz nach Hause ins Montafon und zieht einen Holzkarren. Der Weg ist beschwerlich, so hält sie immer wieder inne und denkt nach, etwa über den Neubau des Friedhofs in Bludenz oder  den Bau der Montafonerbahn.

Historische Ereignisse

Der Erzählstrang, der in der Gegenwart spielt, ist eine vielleicht ein wenig zu vorhersehbare Liebesgeschichte. Die Erzählerin Victoria Widerin, geboren 1975 in Wien, lernt Laurent Dijan kennen, der sich aber ebenfalls als ein Nachkömmling aus der weitläufigen Verwandtschaft der Widerins entpuppt. Aber auch in diesen Erzählungen kommt dem Montafon ein entscheidender Faktor zu, indem beispielsweise ein Handlungsstrang auf einem Maisäß stattfindet. „Recht ausführlich werden historische Ereignisse von mir wiedergegeben, die Leser können somit viel über den Bau des ersten Kraftwerks im Montafon, den Eisenbahnbau, die Erschließung des ersten Skigebiets, das Aufkommen des Tourismus, aber auch über Naturkatastrophen und deren verheerende Folgen für die Bewohner erfahren. Ich habe sehr ausführlich die historischen Quellen hierzu studiert“, betont Sabine Grohs. Sehr berührend sind auch die Schilderungen des Otto Burger, der als Kind schon im Schwabenland arbeiten musste.

Viele Eckdaten sind ihrer Familiengeschichte entlehnt, die Erzählungen dazu allerdings fiktiv. Wie die Geschichte des Hauses im Wienerwald; wenn diese nicht der Wirklichkeit entspricht, dann gestalte sie sich eben ihre eigene, wie Sabine Grohs betont, denn Literatur sei immer eine Form von Suggestion und realisierter Fantasie. BI