Feldkircher Lyrikpreis an Lars-Arvid Brischke verliehen

Kultur / 01.12.2019 • 22:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stadtrat Benedikt König überreicht den Scheck an Preisträger Lars-Arvid Brischke. CRO

Laufender Rollmops machte preisverdächtig satt.

Feldkirch Lars-Arvid Brischke heißt der diesjährige Lyrikpreisträger. Er ist in der Poeten-Szene kein Unbekannter. Seine Texte erscheinen in zahlreichen Literaturzeitschriften und Anthologien, er ist Mitbegründer der Lyrikgruppe „Die Freuden des jungen Konverters“ und legte mit „eine leichte acht“ bereits einen Debütband vor. „Als nach der Jurysitzung die Namen zu den Anonyma bekannt gegeben wurden, erinnerte ich mich sofort, dass ich unseren Gewinner schon 2003 bemerkenswert fand“, begründet Juror Andreas Schumann in seiner Laudatio und benennt Brischkes Beitrag in der damaligen Anthologie ,Lyrik von Jetzt‘. Dass der 47-jährige Deutsche erst jetzt – er sandte bereits mehrfach Beiträge nach Feldkirch – zum Preisträger gekürt wurde, liegt vermutlich daran, dass ihm das diesjährige Motto „früher oder später tritt der Tod ein“ besonders gut zusprach. Der in Prenzlauer Berg wohnhafte Berliner hat sich den literarischen Totentänzen verschrieben und nennt ein Zitat von Oskar Pastior zum Titel Totentanz O.P. Düster? Nein, so kann man seine Lyrik nicht beschreiben. Vielmehr lautmalerisch, wortbildungsverdreht, süffisant und absolut vergnüglich. „Energiesysteme“, wie Schumann sie noch benennt. Dass Brischke als promovierter Spezialist am Institut für Energie- und Umweltforschung tätig ist, ist aus diesem Blickwinkel absolut naheliegend. Und er verpasst dem Feldkircher Lyrikpreis im Sinne der Nachhaltigkeit ein Motto, das in seiner 18. Auflage neue sprachliche Möglichkeiten ausloten lässt.

Literarische Fußabdrücke

Die Jury, zu der neben Schumann auch Marie-Rose Rodewald-Cerha, Patricia Brooks und der Vorjahrespreisträger David Fuchs zählen, gratulierte, während Wirtschaftsstadtrat Benedikt König den Scheck über das Preisgeld von 3000 Euro überreichte. Der zweite Preis ging 2019 an Joseph Felix Ernst, der dritte an Norbert Kröll. Beide haben bereits literarische Fußabdrücke in der Lyrikwelt hinterlassen. Ernst ist unter anderem Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Seitenstechen, Kröll wird neben Gedichten mit einem weiteren Roman „Wer wir wären“ im Frühjahr 2020 von sich reden machen.

Alle Gedichte der Preisträger sowie eine weitere, von der Jury festgelegte Auswahl erscheinen in der Anthologie zum Feldkircher Lyrikpreis, herausgegeben von Erika Kronabitter. Dass das bei der Edition Art Science publizierte Buch nicht wie üblich bei der Verleihung präsentiert werden konnte, lag, wie es Moderator Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen Autoren formulierte, am Versagen der Post. Gefeiert wurde im Anschluss dafür umso ausgiebiger bei Brötchen-Buffet, Kuchen, Rotem Veltliner und bester Stimmung. Hätte Sabine Benzer, Geschäftsführerin vom Theater am Saumarkt, zu Brischkes Lyrik passend, Fleisch vom laufenden Rollmops ohne Gefühl serviert, wäre aus der Party wohl eher ein Totentanz geworden. Dieser „Gaumenkitzel“ macht nämlich nur im poetischen Sprachspiel satt. Marion Hofer