Was im Künstlerhaus Bregenz im Jahr 2020 los ist

Kultur / 19.12.2019 • 11:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Maria Simma-Keller, Präsidentin der Berufsvereinigung Bildender Künstler Vorarlbergs, will das Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis in Bregenz verstärkt öffnen. VN/HARTINGER

Prinzen taugen ohnehin nichts, das Bregenzer Künstlerhaus weckt das Programm aus dem Dornröschenschlaf.

Christa Dietrich

Bregenz Mit raumgreifenden Skulpturen des Künstlerduos Müller-Divjak wird Maria Simma-Keller, die Präsidenten der Berufsvereinigung Bildender Künstler Vorarlbergs, das nächste Jahresprogramm im Bregenzer Palais Thurn und Taxis eröffnen. Viel Kleinteiliges hat sie weggeräumt. Nach den Sitzungen mit ihrem Team – darunter sind selbstverständlich einige Künstlerinnen und Künstler – war klar, dass man es trotz des knappen Budgets irgendwie stemmen muss, in diesem wunderschönen Haus in einem Park auch Kunstvermittlung anzubieten. Sechs Ausstellungen im Jahr zu eröffnen, das ist der Kunstexpertin, die erst seit kurzer Zeit diese ehrenamtlich auszuführende Funktion innehat, definitiv zu wenig. Schon im laufenden Jahr habe es sich gezeigt, dass neues Publikum mit entsprechendem Programm zu gewinnen ist. Als besonders gelungener Anfang erwies sich das Konzept von Mathias Kessler. Der lud Kunstschaffende verschiedener Sparten ins Haus, um sich dort anspruchsvoll auszutoben.

Ende der Männerherrschaft

Das Ende der Männerherrschaft hatte somit auch ein Mann zum Motto erhoben. In einem Interview mit den VN betonte der aus Vorarlberg stammende und zumeist in New York tätige Künstler und Kunstvermittler, dass es höchst an der Zeit ist, darauf zu achten, dass mehr Künstlerinnen zum Zug kommen. Das war auch die Rede von Maria Simma-Keller und das setzt sie im Jahr 2020 auch um. Christian Helbock ist in der ersten Ausstellung neben dem genannten Duo dabei. Den zweiten Termin bestreiten Petra Buchegger, Silke Maier-Gamauf, Romana Hagyo, Annja Krautgasser und Eva Buchrainer. Letztere geht in ihren Arbeiten der moralischen Verwahrlosung auf den Grund. Gleichzeitig sind Studierende der Zürcher Hochschule zu Gast.

„Wir wollen mehr Vermittlungsarbeit machen, vermehrt auf die Schulen zugehen.“

Maria Simma-Keller, Präsidentin Berufsvereinigung Bildender Künstler Vorarlbergs

Im Mai kuratiert der Vorarlberger Künstler Alfred Graf, der vor einigen Jahren noch das Programm in der Galerie allerArt in Bludenz verantwortete, eine Ausstellung mit Titel „Spektakulär unscheinbar“. Dabei wird der Fokus auf Malerei gerichtet, die sich mit Strukturen und diffizilen Unterschieden auseinandersetzt.

Bildhauerin Ina Weber

Die deutsche Bildhauerin Ina Weber für Bregenz gewonnen zu haben, ist Maria Simma-Keller hoch anzurechnen. Die Künstlerin und Professorin an der Universität der Künste in Berlin vertritt zudem ein Thema, dem sich die Programmverantwortliche in Zukunft verstärkt widmen will, nämlich die Schnittstelle zwischen Kunst und Architektur oder die Architektur an sich. Webers Repertoire reicht von Kleinskulpturen bis zu raumgreifenden Installationen.

Ein harter Weg

Mit 125.000 Euro wird die Berufsvereinigung Bildender Künstler vom Land Vorarlberg unterstützt. Während Maria Simma-Keller, wie erwähnt, ehrenamtlich tätig ist, lässt sich damit gerade einmal eine Halbtagsstelle für eine Ausstellungskoordinatorin finanzieren. Bis eine professionelle Kunstvermittlung organisiert werden kann, hat die Präsidenten noch einen harten Weg und wohl auch einen Verhandlungsmarathon vor sich. Grundsätzlich habe man sich nämlich im Vorstand darauf geeinigt, dass Künstlerinnen und Künstlern für ihren Einsatz ein Honorar bezahlt werden soll. Die Besucherzahlen im Jahr 2019 wurden noch nicht konkret eruiert, Maria Simma-Keller geht jedoch davon aus, dass eine Steigerung drin war. „Es freut mich, dass wir mehr junges Publikum begrüßen konnten, was natürlich nicht heißt, dass ich die Anwesenheit der treuen Künstlerhaus-Fans nicht ebenso schätze.“

Winfried Nussbaummüller, Leiter der Kulturabteilung im Amt der Vorarlberger Landesregierung, bemerkt den Aufschwung im Künstlerhaus mit Wohlwollen, gab im Gespräch mit den VN aber zu verstehen, dass eine Erhöhung der Subvention nicht drin ist: „Das wird schwierig werden.“ Er verweist aber auf Kooperationen der Künstlervereinigung mit der Stadt Bregenz und dem Land. So wurde beispielsweise die Remise des Hauses so adaptiert, dass sie für ein Atelier genutzt werden kann, in dem Künstlerinnen und Künstler im Rahmen eines der Stipendienprogramme des Landes arbeiten. Zum Zug kommen dabei auch im Ausland lebende Vorarlberger, die wieder in ihrer Heimat tätig sein wollen.

Das Programm beginnt am 18. Jänner mit einer Ausstellung von Jeanette Müller und Paul Divjak, Arbeiten von Christian Helbock und neuen Mitgliedern.