Riccardo Muti leitet 2021 zum sechsten Mal Neujahrskonzert

Kultur / 01.01.2020 • 13:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Riccardo Muti wird 2021 das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Musikverein dirigieren. Das gab das Orchester am heutigen Mittwoch bekannt. Damit setzt man auf einen echten Routinier, hat der Italiener doch bereits fünf Mal am Neujahrstag die Philharmoniker durch den Vormittag geführt. Insgesamt dirigierte der 79-Jährige das Orchester bereits in über 500 Konzerten.

„Riccardo Muti nimmt in der Geschichte der Wiener Philharmoniker einen außergewöhnlichen Stellenwert ein“, beschied Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer in einer Aussendung. So wird Muti im kommenden Jahr – in dem der gebürtige Neapolitaner am 28. Juli auch seinen 80. Geburtstag feiert – an Zubin Mehta vorbeiziehen, der bis dato ebenfalls schon fünfmal am Neujahrspult den Taktstock schwang. Damit wird Muti zum meistbeschäftigten Neujahrskonzertdirigenten seit der legendären Ära Lorin Maazel.

Als „Vulkan am Pult“ wird Riccardo Muti, der meist herrisch, temperamentvoll und selbstbewusst auftritt, gern bezeichnet. In seiner Heimat Italien wird er teils abgöttisch geliebt, teils scharf kritisiert. Kalt lässt der Mozart-Spezialist mit dem Faible für neapolitanische Musik des 18. Jahrhunderts jedenfalls die Wenigsten.

Vom Debüt bei den Salzburger Festspielen 1971 mit Donizettis „Don Pasquale“ bis zur engen Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern: Österreich ist für den Superstar der klassischen Musik ein wichtiges Stück künstlerischer Heimat. „Die Beziehung zu den Wiener Philharmonikern war immer die Konstante in meinem Leben. Wien ist seit jeher meine zweite Heimat“, pflegt der Musikpurist zu sagen.

Der dreifache Vater, der seit 1969 mit der Mezzosopranistin Cristina Mazzavillani verheiratet ist, wurde am 28. Juli 1941 als erster von fünf Söhnen in Neapel geboren. Er studierte am Konservatorium San Pietro a Majella Klavier sowie an der Universität Neapel Philosophie. Von 1971 an dirigierte Muti alljährlich bei den Salzburger Festspielen, 2007 bis 2011 war er Intendant der Pfingstfestspiele.

1973 debütierte er an der Wiener Staatsoper mit Verdis „Aida“ und tritt seitdem auch regelmäßig dort auf. So wird im Haus am Ring am 22. Mai eine neue „Cosi fan tutte“ in der Regie seiner Tochter Chiara mit Muti selbst am Pult Premiere feiern. 1980 wurde der für seine Werktreue bekannte Italiener zum ersten Dirigenten des Philadelphia Orchestra ernannt, 1986 folgte er seinem Rivalen Claudio Abbado als Musikdirektor der Mailänder Scala nach – einen Posten, den er 2005 im Streit aufgab. Seit 2010 ist Muti Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestra.