Tannennadeln als Bild für natürliche Abläufe

Kultur / 11.01.2020 • 17:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei Fetzcolor sind Landschaftsaquarelle zu bestaunen.

Ausstellung „Tannen.Nadel.Weg“ führt durch fünf Bregenzerwälder Handwerksbetriebe.

Tanja Schwendinger

Lingenau Unter dem Titel „Tannen.Nadel.Weg“ ist dem Schweizer Aktionskünstler, Bildhauer und Maler Gert Gschwendtner (70) im Bregenzerwald eine umfangreiche Ausstellung gewidmet, besser gesagt: ein Ausstellungsrundgang, der durch fünf Bregenzerwälder Handwerksbetriebe führt.

Zwischen 2009 und 2011 schuf Gert Gschwendtner, der viele Jahre in Frastanz gelebt hat, ein Künstlerbuch mit dem Titel „Weg – 10 Gedankenlandkarten.“ Die Aquarelle sind in dem Buch den Tannennadeln gewidmet, die neben der Figur des Betrachtens ein Hauptmotiv im Werk Gschwendtners sind. Die Tannennadel beschäftigte Gschwendtner schon früh in seinem Leben. Von einem Nachbarsjungen verprügelt, wurde ihm eine Tannennadel unter die Haut getrieben, von der er ein Jahr später von einem Arzt befreit wurde. Die Nadel wurde aus der Wunde entfernt, aber als „geistige Akupunkturnadel“ blieb sie ein Leben lang inkarniert, sagt Gschwendtner, auf den Tannennadeln als künstlerisches Objekt und bildnerisches Element eine unglaubliche Faszination ausüben.

Betrachterfiguren

Startpunkt für den Ausstellungsrundgang ist der Schauraum der Tischlerei Bereuter in Lingenau. An den Fenstern finden sich große, farbige, transparente Drucke aus dem Buch „Weg“. Zu sehen sind ein großes Landschaftsbild, eine Betrachterfigur aus Papier auf bronzenem Fuß, ein Lebenslauf auf kleinen Marmorplättchen und ein Nadelaquarell mit Beschriftung sowie bemalte CDs. In der Werkstatt gibt es bemalte Werkzeugkästen, die täglich von den Schreinern benutzt werden.

Gläserne Betrachterfigur im Sägewerk von Tobias Bartenstein.
Gläserne Betrachterfigur im Sägewerk von Tobias Bartenstein.

Der Rundgang führt weiter in die Räumlichkeiten von Gerola Metalltechnik in Langenegg. Die Hallen der Firma sind bis auf zwei Meter Höhe dicht mit computergesteuerten Maschinen zur Metallbearbeitung bevölkert.  Im hohen Luftraum darüber schweben Betrachterfiguren und eröffnen einen zusätzlichen Denkraum. Bei Fetzcolor in Alberschwende begrüßen drei weiße Betrachterfiguren mit Tannennadelherzen die Besucher vor dem Haus. Im Fenster finden sich Tannennadel-Multiples, an der Wand dahinter Landschaftsaquarelle, bewohnt von Tannennadeln. Im alten Teil des Sägewerks Tobias Bartenstein in Hittisau blicken weiße Betrachterfiguren interessiert auf das, was auf dem Platz und in der offenen Werkshalle geschieht. Bei Schwarzmann, das Fenster in Schoppernau schauen drei Betrachterfiguren mit Bändelteppichen bedeckt aus ihren Fenstern heraus.

Neben dem künstlerischen Zugang zu den Werken können Besucher im Rahmen der Ausstellung, die noch bis Ende des Jahres dauert, auch die Nähe zum Handwerk erleben. Zur Finissage im November erscheint ein Katalog, in dem das Künstlerbuch „Weg“ aus verschiedenen Perspektiven analysiert und beschrieben wird

Die Ausstellung Tannen.Nadel.Weg ist bis zum 27. November 2020 in den fünf Handwerksbetrieben geöffnet; nähere Informationen zu den Öffnungszeiten und zu den Gesprächsabenden mit Gert Gschwendtner gibt es unter /tannennadelweg.eu