Brandauer sorgte für volles Haus

Kultur / 12.01.2020 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pianist Arno Wasch mit dem Schauspieler Klaus Maria Brandauer in Bludenz. <span class="copyright">BI</span>
Pianist Arno Wasch mit dem Schauspieler Klaus Maria Brandauer in Bludenz. BI

In der Reihe Kultur.Leben widmete sich Klaus Maria Brandauer Goethes „Faust“ und weiteren Texten.

BLUDENZ Klaus Maria Brandauer ist ein Star. Das wurde bei der jüngsten Lesung in der Remise in Bludenz wiederum deutlich, denn diese war restlos ausverkauft. Mit dem „Faust“ wird Klaus Maria Brandauer spätestens seit der Mephisto-Verfilmung aus dem Jahr 1981 nach dem Roman von Klaus Mann in Verbindung gebracht. In diesem Film spielte er den Mephisto-Darsteller und Nazi-Kollaborateur Hendrik Höfgen.

Faust und Prometheus, diesen zwei prägnanten Figuren der Literaturgeschichte, widmete sich der Schauspieler im Rahmen einer szenischen Lesung. Ein Ziel der Lesung war es, der Kernfrage, ob Faust ein gefesselter Prometheus sei, näherzukommen. Mit dem Prolog aus Goethes „Faust“ zog Brandauer das Publikum unmittelbar in seinen Bann. Es folgte ein Kaleidoskop aus unterschiedlichsten Textsorten. „Alle Vernunft kommt vom Teufel. Der Glaube kommt vom Pfaff“, hieß es in einer Textpassage von Magister Georgius Sabellicus Faustus. Es folgten Beiträge von Autoren wie Heinrich Heine oder das Geleitgedicht „Faust“ zur Deutschen Volkssage von Gerhart Hauptmann, das wie ein Schritt ins Mittelalter klingt, wie Brandauer anmerkte: „Die Ritter der Apokalypse sind los. Tut Buße! Auf Erden ist doch jeder nur ein Wicht!“ Hans Magnus Enzensberger Text endete folgendermaßen: „Der Weisheit letzter Schluss: Nur der verdient sich Freiheit und das Leben, der täglich sie erobern muss.“ Thomas Mann schrieb seinen „Faustus“ im Exil, im Angesicht der Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Der Pakt mit dem Teufel führe unweigerlich in den Abgrund: „Wann wird es des Schlundes Grund erreichen?“

Ist das der Fortschritt?

Den Gottesverächter Prometheus las Brandauer mit lauter Donnerstimme, die Hexen der Walpurgisnacht hörten sich hingegen zischend und züngelnd an. Auch das Tempo der Rezitation wechselte ständig, nach einem in rasantem Tempo gesprochenen Text folgte wieder eine lange Pause. Kongenial wurde Brandauer dabei von dem Pianisten Arno Waschk begleitet. Kompositionen von Bach, Mozart, Schönberg, Strawinsky, Mussorgsky und Beethoven wurden manchmal nur leicht angespielt, dann erfolgten sie wieder als Dialog mit einzelnen Textpassagen, was ein sehr stimmiges Gesamtbild ergab. Die Themenfelder Religion und Philosophie spielten eine vorrangige Rolle. Die teuflische Macht verspricht den Menschen ja außerordentliche Fähigkeiten im Leben, dafür wird die ewige Verdammnis der Seele in Kauf genommen. Nur handelt diese Macht nie selbst, sondern ermöglicht bestimmte Dinge. Sie nutzt dabei den Fortgang der Zeiten und deren Gefahren. Dabei treibt sie ihre Opfer unablässig vor sich her, das Ziel ist die Selbstvernichtung der Menschheit.

Am Schluss der Lesung wurde es immer schummriger im Saal. Nach dem letzten Textbeitrag über den Atombombenabwurf in Hiroshima aus der Sicht eines vierjährigen Kindes, fragte Brandauer: „Ist das der Fortschritt, von dem so viele geträumt haben? Irgendwann geht der Blick wieder nach vorne oder zum Anfang. Alles ist ein Kreislauf.“ Auch in der Lesung schloss sich wieder der Kreis mit dem einem Text aus dem „Faust“: „Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.“ BI

Nächste Veranstaltungen in der Reihe Kultur.Leben: 23. Jänner, 19.30 Uhr, Sonnenbergsaal Nüziders. Vortrag von Clemens Maria Mohr zur Kommunikation in Beruf und Privatleben; 24. Jänner, Remise Bludenz, Konzert Artis Quartett.