Tolle Begegnung mit Kellerkünstlern

Kultur / 21.01.2020 • 21:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Arbeit von Bruno Richard. A. GRABHER

14 neue Mitglieder der Berufsvereinigung treiben es im Künstlerhaus-Untergeschoß bunt.

BREGENZ Sie sind jung, aber nicht alle, von einigen hat man schon (viel) gehört oder gesehen, von anderen wenig bis nichts, sie zeichnen, fotografieren, malen, modellieren, bildhauern und installieren, und sie sind 14 an der Zahl – die neuen Mitglieder der Berufsvereinigung bildender Künstlerinnen und Künstler  Vorarlbergs: Linus Barta, Sarah Bechter, Katja Berger, Bildstein/Glatz, Tim Hartmann, Bruno Klomfar, Ulli Knall, Peter Lederer, GH Lischka, Bruno Richard, Gernot Riedmann, Ruth Schnell, Tobias Maximilian Schnell und Lothar Sonnweber. Im Keller des Künstlerhauses Palais Thurn und Taxis stellen sich die Neuaufnahmen vor – in einem ungleich bunteren, vielfältigeren Mix als im vergangenen Jahr, wo es an gleicher Stelle gerade einmal fünf Neuzugänge zu vermelden gab.

Arbeiten von Gernot Riedmann und Lothar Sonnweber. <span class="copyright">A. Grabher</span>
Arbeiten von Gernot Riedmann und Lothar Sonnweber. A. Grabher

Junge Wilde und Romantiker

Mit junger, aber bereits sehr routinierter Malerei überzeugen Sarah Bechter (1989) und Linus Barta (1987). Barta, der als „junger Wilder“ gilt, beschäftigt sich mit Köpfen, Typen und Porträts und mit Farbe, die sich als Material schon einmal verselbstständigen kann, während die aus dem Bregenzerwald stammende Sarah Bechter die raumbildenden Möglichkeiten ihres Mediums auslotet. Zwischen Zwei- und Dreidimensionalität praktiziert sie einen äußerst eigenwilligen Umgang mit perspektivischen Darstellungen. Mit narrativer Malerei und Collagen, wie den im Großformat übermalten Buchdeckeln, stellt sich auch die in Lochau lebende Katja Berger (1973) vor. Bruno Richard (1960) malt romantisch, naiv, in den Fotografien des selbstgekürten „Musenvogts“ dominiert häufig nackte (Frauen)Haut, eingebettet in lasziv-mysteriöses Geschehen.

Arbeit von Katja Berger. <span class="copyright">A. Grabher</span>
Arbeit von Katja Berger. A. Grabher

Dabei könnte doch alles so schön sein, und im Idealfall auf gute visuelle Nachbarschaft ausgelegt, denn in der gleichen Koje sind auch GH Lischka (1943) und mit Ruth Schnell (1956) der wohl prominenteste Neuzugang vertreten. Lischka, der Intellektuelle, Philosoph und Künstler-Künstler, der 2018 das gesamte Haus bespielt hat und mit seinen geistreichen Wort- und Gedankenspielen noch bestens in Erinnerung ist, lädt in seiner Arbeit „Open mind“ zum Sitzen und Lesen seiner handgeschriebenen Zeitung ein. Ruth Schnell zeigt drei Arbeiten aus ihrer neuen Werkserie „Quotes“, die sich inhaltlich auf aktuelle Fragestellungen zu Forschungsethik und der Verantwortung von Wissenschaft bezieht und Bildmotive und Zitate wie „Wir haben es nicht getan!“ von Robert Musil mittels UV-Druck auf Platinenrohlinge bannt.

Arbeit von Linus Barta. <span class="copyright">A. Grabher</span>
Arbeit von Linus Barta. A. Grabher

Perfekte Visitenkarte

Einen Einblick in seine vielgestaltige Produktion gibt Tobias Maximilian Schnell (1973) unter anderem mit dem ironisch-beweglichen Objekt für „Trittbrettfahrer“, ebenso wie Peter Lederer (1963) mit seinen zuweilen subversiven Objekt-Collagen, während sich Bruno Klomfar (1961) in seinen beidseitig auf Alu aufkaschierten Fotoarbeiten mit den transformativen Zuständen von Raum und gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich in der Architektur manifestieren, beschäftigt. Der Gravität widmet Ulli Knall (1970) ihren Raum – sie lässt die Welt in Bildern Kopf stehen (oder sind es nur die Gemälde?), ein zerschelltes Blumenarrangement samt Vase auf einem Drehteller enden und zeigt eine Keramikbüste. In den Nischen vor der Koje wachen inzwischen die markanten, hölzernen, teilweise gefassten Ahnenfiguren von Gernot Riedmann (1943), und Tim Hartmann (1986) zeigt sein Werk „bourgeois, male white“. Ein Spätberufener in Sachen Kunst ist Lothar Sonnweber (1955), der mit seiner Diplomarbeit, einem gedrechselten Holz-Objekt, das seine Körpermaße zum Ausgangspunkt hat, und mit Graphit-überzogenen Wandreliefs vertreten ist. Sympathisch und auf den Punkt gebracht der Auftritt von Matthias Bildstein (1978) und Philippe Glatz (1979). Dem österreichisch-schweizerischen Duo genügt zur Vorstellung eine einzige Fotomontage mit dem lapidar-ironisch-hintersinnigen Titel „This are we“. Auch so kann eine perfekte Visitenkarte aussehen. Ariane Grabher

Die Ausstellung ist im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Gallusstraße 10, Bregenz, bis 1. März geöffnet, Di bis Sa von 14 bis 18, Sonn- und Feiertag von 11 bis 17 Uhr.