Meisterkonzert mit spanischer Seele

Kultur / 09.03.2020 • 11:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Meisterkonzert mit spanischer Seele
Flamenco-Sängerin María José Pérez begeisterte das Publikum. CHV

Real Filharmonía de Galicia zu Gast im Festspielhaus.

Bregenz Eine authentische Begegnung mit ursprünglicher spanischer Musik brachte das fünfte Meisterkonzert im vollen Festspielhaus. Eingeladen war die 1996 in Santiago de Compostela gegründete „Real Filharmonía de Galicia“, als Solisten haben der Gitarrist Enrike Solinís und die Flamenco-Sängerin María José Pérez begeistert.

Auch wenn das Orchester 50 Musiker aus 17 Nationen vereint, ist es als Botschafter der spanischen Kultur gekommen – eine Freude in unserer sonst so globalisierten Konzertwelt, in der die Programme kaum mehr nationale Eigenheiten verraten. Hier vereinte es die großen Namen, die man gemeinhin mit Spanien verbindet. 

 Gitarrist Enrike Solinís.
Gitarrist Enrike Solinís.

Eine Hommage an den 20-jährig verstorbenen, mit dem jungen Beethoven verglichenen Juan Crisóstomo Arriaga war eingangs dessen Sinfonie in D-Dur. Aus idyllischer Einleitung führte das Werk zu einem melodiösen Spiel von Spannung und Entspannung und zuletzt zu tänzerischem Temperament. Dann der erste Höhepunkt des Abends, Joaquín Rodrigos „Concierto de Aranjuez“. In schöner Balance hielt Dirigent Pablo Gonzáles Solo und Orchestertutti, in stetiger Steigerung der Spannung entstand in flirrendem Zwiegespräch der Gitarre mit Cello oder Klarinette die duftige Schönheit der Gärten von Aranjuez. Wunderbar im Adagio das Zwiegespräch mit dem Englischhorn über leisem Streicherteppich, ein subtiles Stimmungsbild tiefer Trauer, einer stammelnden Aufgewühltheit, die zuletzt zu neuer Hoffnung erwacht. Ein tief berührendes Werk. Zwei Zugaben schenkte Gitarrist Solinís den Zuhörern: „Canarios“ von Gaspar Sanz auf Barockgitarre und einen Fandango von Santiago de Murcia auf der Ukulele.

Liebeszauber

Nur zwei Miniaturen aus Isaac Albéniz` Orchestersuite zum umfangreichen Klavierzyklus „Iberia“, die einleitende „Evocación“ und die „Triana“, weckten die Lust auf mehr, so atmosphärisch führen die Stücke hinein ins andalusische Leben. Am Ende stand Manuel de Fallas berühmte Ballettsuite „El amor brujo“, der „Liebeszauber“. Schrill führte das Orchester hinein, beschwor eine düstere Geisterwelt, zum Fürchten die Erscheinung des eifersüchtigen toten Geliebten, magisch die Mitternacht, flackernd und züngelnd der bekannte rituelle Feuertanz. Dazu immer wieder der betörende Mezzosopran der Flamencosängerin, die Liebesqualen und verführerisches Liebesspiel durchlebte. Mit ebenso intensiver Emotion sang sie zuletzt noch einen Fandango. Das Orchester führte in seiner Zugabe aus Andalusien zurück in seine galizische Heimat. Als Symbol seiner Kultur spielte es die Vertonung des Gedichts „Negra Sombra“ (Schwarzer Schatten) der Lyrikerin Rosalía de Castro von Xocín Montes. Christel Voith

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