Wo die Jungen dem Künstler Paul Renner Saures geben

Kultur / 07.09.2020 • 22:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wo die Jungen dem Künstler Paul Renner Saures geben
Das Publikum am Nachmarkt-Kunststand ist international. RENNER

Paul Renner verhilft Künstlern im wahrsten Sinne des Wortes auf den Markt.

Wien, Bregenz “Paul, da muss etwas stattfinden”, rief ihm Erwin Gegenbauer, bekannter Essigbrauer in Wien, kürzlich zu, und Paul Renner, der noch bekanntere Künstler und Kulinariker aus Vorarlberg, brauchte keine zweite Aufforderung, er legte los. Seitdem geben ihm junge Künstlerinnen und Künstler Saures. Renner organisiert nämlich Ausstellungen am Gegenbauer-Stand am Wiener Naschmarkt und sucht sich dafür jene Newcomer aus, die etwas draufhaben. Dass ab September mit Julia Fuchs, Ina Fasching und Luka Jana Berchtold drei Künstlerinnen aus Vorarlberg ein attraktives und vom Publikum stark frequentiertes Podium für ihre Arbeiten haben, hänge nicht damit zusammen, dass er die Frauenquote erhöhen wollte oder bei der Ausschau nach Begabungen der eigenen Heimat den Vorzug gab. “Die sind einfach gut, ich habe ausschließlich auf die Qualität ihrer Arbeit geachtet”, erklärt Paul Renner im Gespräch mit den VN.

„Es ist ein schöner historischer Stand am oberen Naschmarkt, in dem viel möglich ist.“

Paul Renner, Künstler, Kunstvermittler
Installation von Christian Thanhäuser am Naschmarkt-Kunststand. <span class="copyright">Renner</span>
Installation von Christian Thanhäuser am Naschmarkt-Kunststand. Renner

Dass der Wiener Naschmarkt, ein Treffpunkt für Gourmets, Slowfood-Anhänger und überhaupt jene, die beim Kochen auf gute Ausgangsprodukte Wert legen, etwas heruntergewirtschaftet wurde, ist vielen ein Dorn im Auge. Auch die Billigkneipen, mit denen er in den letzten Jahren überwuchert wurde, geben nicht das Bild von einem Markt wieder, auf dem es dem Genuss gilt, ganz egal, ob es sich um exklusive oder für wenig Geld erwerbbare Waren handelt. Kunst war immer schon ein probates Mittel zum Nachdenken, und somit ist ein relativ großer Gegenbauer-Stand nun auch allein für diese reserviert. Unweit der Secession angesiedelt, wird er eifrig frequentiert.

Auf den Ort bezogen

Die Künstler – vertreten waren etwa Christian Thanhäuser, Felix Dennhardt und Clemens Tschurtschenthaler – haben unter anderem Arbeiten realisiert, deren Inhalte auf den Ort bezogen waren. Weil es rund um den Markt früher auch viele kleine Handwerksbetriebe (darunter auch Schuster und Schneider) gab, war es für Renner absolut richtig, auch die Vorarlberger Kunstschneiderinnen Silke Eggl und Manuela Moosbrugger einzuladen. Sie haben im Sommer Arbeiten präsentiert. Die Herbstsaison beginnt nun mit der jungen Bregenzerin Julia Fuchs. Sie hat in Wien unter anderem bei der Künstlerin und Hochschulpädagogin Ashley Hans Scheirl sowie Germanistik und Philosophie studiert. Ihre mit “Leibessaft” betitelte Ausstellung versteht sich auch als Auseinandersetzung mit der Humoralpathologie, einer in die Antike zurückgehenden Lehre, die sich mit Körpersäften wie gelber und schwarzer Galle beschäftigt, deren Ungleichgewicht zu Krankheiten führt. Fuchs thematisiert dabei auch die Überflussgesellschaft.

Julia Fuchs zeigt Fotoarbeiten.
Julia Fuchs zeigt Fotoarbeiten.

Im Anschluss zeigt Ina Fasching ihre Fotoarbeiten und die auch in ihrer Heimat bereits bekannte Bildhauerin Luka Jana Berchtold neue Skulpturen. Dass Paul Renner als Künstler gerne mit fermentierten Flüssigkeiten arbeitet, ist von Ausstellungen und Aktionen im In- und Ausland bekannt, jetzt verhilft er den Jungen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Markt.

Julia Fuchs Leibessaft

10. September bis 4.Oktober

Ina Fasching Zeichnungen

8. Oktober bis 8. November

Luka Jana Berchtold Installation

12. November bis 3. Februar

 

Naschmarkt Wien, Mo bis Fr, 10 bis 18 Uhr; Sa, 8 bis 15 Uhr.

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