Zeichnungen von Sebastian Koch haben es faustdick hinter dem Glas

Kultur / 09.09.2020 • 22:00 Uhr
Zeichnungen von Sebastian Koch haben es faustdick hinter dem Glas
Sebastian Koch zeigt in der Galerie.Z in Hard unter anderem ein Porträt von „The King“ Elvis. AG

Neue Ausstellung in der Galerie.Z in Hard mit viel Humor und Rafinesse.

Hard Schwindel ist eine unangenehme Störung des Gleichgewichts, aber auch das charmantere Wort für einen kleinen Betrug. Und den begeht der Vorarlberger Künstler Sebastian Koch mit viel Humor und Raffinesse am Betrachter seiner Blätter – mutwillig, aber nicht böswillig und nur zu dessen Vergnügen. Neue Arbeiten auf Papier, die in ihrer schwungvollen Linienführung durchaus auch schwindlig machen können, des in Wien lebenden und arbeitenden Künstlers sind ab heute, Donnerstag, in der Galerie.Z in Hard zu sehen.

Sebastian Koch, der im Rahmen des Vorarlberger Kulturpreises 2019 für seine Malerei mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet wurde, ist auch (Comic)Zeichner, Grafiker, Bildhauer und Musiker. Sein vielschichtiges, aber sich stets an der Linie entlang hangelndes Werk pendelt zwischen den verschiedenen Medien.

So holen sich auch seine jüngsten in Hard zu sehenden Zeichnungen Anleihen bei der Malerei, indem Sebastian Koch sein System, Linien mit Klebebändern schablonenartig abzukleben und dann mit Tusche auszumalen, aufs Papier überträgt, auf dem er davor ausschließlich mit Lineal-gezogenen Strichen gearbeitet hat.

Was wie beiläufig gedankenverloren hingekritzelt wirkt (ein vom Künstler durchaus erwünschter Effekt), mäandert zwischen dem ganz Freien, Gestischen und dem Konstruierten, Geplanten. Inspiration bezieht Koch aus allen Arten von real vorhandenen Formen, aber auch aus Erinnerungen und Gefühlen, die damit verbunden sind und wieder etwas auslösen, das es für sich zu interpretieren gilt. Am Anfang und Ende steht jedoch immer die Linie, als Ursprung einer Kunst, die nichts abbilden, nichts repräsentieren oder verkörpern muss. Zu diesem unbedingten Freiheitsbegriff gesellen sich bei Sebastian Koch der Humor, ein unverhohlenes Augenzwinkern und eine tänzerische Leichtigkeit in der Arbeit.

Sorgfalt lässt der Künstler bei der Materialauswahl walten. Das reicht bis zu den selbstgebauten Rahmen, die das Werk erst komplettieren, beginnt aber bei der Haptik des Papiers. Neben ganz gewöhnlichen Einlageblättern für Büroordner, die für Koch etwas zugleich Zeitloses und Retrospektives verkörpern und in ihren dezenten Grau-, Braun- und Grüntönen optisch perfekt sind, zeigt er erstmals auch seine Zeichnungen auf Ex-DDR-Briefpapier, das von zentralistischer Gestaltung geprägt ist. Dass Joseph Beuys ähnliches Papier für eine Auflage verwendet hat, hat Sebastian Koch erst im Nachhinein entdeckt, passt aber durchaus in seinen Plan vom geführten Zufall. Denn neben einem kleinen malerischen Exkurs in die Farbe Blau zeigt er eine kleine Collage von Arbeiten, figurativ und frei unter dem Motto „Die drei Könige“: Zu sehen ein Porträt von „The King“ Elvis, ein rundes Bildchen mit dem nackten König vom Flohmarkt und ein Blatt mit gefälschten Unterschriften, dessen Entzifferung und Deutung fast schon einer Detektivarbeit gleichkommt. Darauf aber unter anderem auch eine Unterschrift von Beuys und des österreichischen Künstlers Ernst Caramelle, der seinerseits eine Arbeit mit einer gefälschten Beuys-Signatur gemacht hat und bei dem Koch einmal Assistent war.

Wer kopiert also wen und was macht dieses scheinbar so andersartige Werk in der Schau? Plötzlich Klarheit: Das Fälschen einer Unterschrift entspricht 1:1 dem Koch´schen Gestaltungskonzept von der geführten Linie, die ein gestisches Moment imitiert. Seine eigenen Blätter signiert Sebastian Koch übrigens niemals auf der Vorderseite. Ariane Grabher

Die Ausstellung in der Galerie.Z, Landstraße 11, Hard, wird am Donnerstag, 10. September, um 19.30 Uhr eröffnet. Geöffnet bis 10. Oktober, Di und Do von 18 bis 20 Uhr, Sa von 10 bis 12 Uhr sowie nach tel. Vereinbarung unter 0650 6482020.