Claudia Larcher schafft museumsreife Masken und Emoticons

Kultur / 20.09.2020 • 13:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Claudia Larcher schafft museumsreife Masken und Emoticons
Videostill aus “face2face” und Installation von Claudia Larcher im Museum Joanneum. VN/DIETRICH

Claudia Larcher mit “face2face” in der Galerie des Joanneums.

Graz, Bregenz  Emoticons sind in der modernen Kommunikation wie im Alltag omnipräsent wie kaum ein anderes Sujet. Dass ihnen Masken, die ein Gesicht unkenntlich machen und Emotionen verschleiern, mittlerweile diesen Rang streitig machen, hat andere Gründe. Interessant ist es dennoch, wie die Vorarlberger Künstlerin Claudia Larcher beide Phänomene, nämlich das kleine Bildzeichen, das eine Gefühlsregung allgemein verständlich transportiert, und ein im Grunde genommen uraltes Kunstprodukt auf einen gemeinsamen Nenner bringt. In wandhohen Bildern hat Larcher, wie berichtet, ihr neues Projekt „face2face“ vor einigen Wochen in der Galerie Lisi Hämmerle in Bregenz vorgestellt. Die Leitung der Neuen Galerie im Joanneum, dem riesigen Museumskomplex in der Steiermark, hielt es für stark genug, um dem Werk in den zentralen Räumlichkeiten in Graz einen unübersehbaren Platz gleich nach dem Haupteingang einzurichten. Neben der Masken-Emoticons-Installation laufen dort nun bestechend groß die dazugehörenden Videos von maskentragenden Menschen in verschiedenen Alltagssituationen.

Entstanden sind sie während eines Artist-in-Residence-Aufenthalts der Künstlerin auf Sri Lanka im Spätherbst letzten Jahres. Die nach traditionellem Material von Handwerkern nach den digitalen Vorlagen geschnitzten Gesichtsbedeckungen sind verwendbar wie die historischen Masken, sie anonymisieren die Träger, verbergen deren tatsächliche Gemütslage und täuschen eine auf der ganzen Welt interpretierbare vor. Es ist das Aufeinandertreffen des digitaler und des analoger Raumes, das diese Arbeit so spannend macht. Die Dramaturgie ist geschickt gewählt: Was auf den ersten Blick amüsiert, lässt sich Schicht für Schicht  als Auseinandersetzung mit Verhaltensmustern, Zuordnungen und Manipulierbarkeit erleben. VN-cd

Die Ausstellung ist in der Neuen Galerie des Museums Joanneum in Graz bis 22. November geöffnet, Di bis So, 10 bis 17 Uhr.

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