Musiktipps. Von Fritz Jurmann

Kultur / 11.04.2021 • 19:31 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Musiktipps. Von Fritz Jurmann

KÜNSTLER Aaron Pilsan, Klavier

ALBUM Bach „Das Wohltemperierte Klavier“,

Band 1

LABEL ALPHA CLASSIC (2 CDs)

Bachs Präludium in C-Dur kennt heute jedes Kind, seitdem Charles Gounod es zur Begleitung für sein „Ave Maria“ degradiert hat. In voller Schönheit erblüht es als Auftakt zu Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ mit 48 Präludien und Fugen durch alle Dur- und Moll-Tonarten, das der Dornbirner Ausnahmepianist Aaron Pilsan nun zum Inhalt seines dritten Albums gemacht hat, nach Schuberts „Wandererfantasie“ ein weiteres Monument der Klavierliteratur in seinem Repertoire. Mutig spannt er den Bogen bis zur letzten Fuge, die in ihrer Chromatik von Schönberg sein könnte, nimmt in perlender Spielkultur der polyphonen Architektur ihre Strenge. Pilsan steht mit dieser intellektuellen und emotionalen Herausforderung ohne Zweifel untadelig über dem Werk. Dass er zudem versucht, am persönlich „gefärbten“ Flügel die Welt vor den ewigen Unbillen der „wohltemperierten“ Stimmung zu retten, ist wohl eher eine Fleißaufgabe für Feinspitze.

KÜNSTLER Matthias Johansen, Violoncello,
Andreas Hering, Klavier

ALBUM Pohádka – Martinů, Schumann, Janácek

LABEL Ars/cpo

In wenigen Jahren hat sich Mathias Johansen, der international tätige deutsche Cellist mit norwegischen Wurzeln, in der heimischen Musikszene etabliert. Er vermittelt seine pädagogischen Fähigkeiten in einer Celloklasse am Konservatorium und ist bei Konzerten der „Musik in der Pforte“ zum unverzichtbaren Publikumsliebling avanciert. Für seine aktuelle CD hat er sich erneut der Mitarbeit des aus Marburg stammenden Pianisten Andreas Hering versichert, mit dem ihn seit 2016 eine musikalische Partnerschaft verbindet. In wunderbarem Einklang vertiefen sich die beiden in die romantische Welt des deutschen und tschechischen Märchens, wobei die berühmten „Märchenbilder“ op. 113 von Robert Schumann das Motto vorgeben. Johansen beeindruckt dabei mit seinem sonoren, kernigen und zugleich samtenen Ton. Die gemeinsame Freude am geheimnisvollen Wispern und Weben findet sich auch bei Musik von Martinů, Janácek und Dvorák.

KÜNSTLER Schwarzenberg Trio

ALBUM Beethoven – Pirchner – Mendelssohn LABEL Quinton

Nicht vom Bregenzerwälder Ort, sondern vom Wiener Fürsten Schwarzenberg, in dessen Palais sich die Musiker trafen, haben sie den Namen ihres Trios abgeleitet. Vorarlberg ist trotzdem vertreten, mit der ideenfreudigen Pianistin Hanna Bachmann aus Röthis und dem in Wolfurt aufgewachsenen Cellisten Roland Lindenthal, dazu der aus Dresden stammende Geiger Franz-Markus Siegert. Beide Streicher sind in führenden Positionen in Wiener Orchestern tätig. Die mit Corona entstandene CD ist ein herzerfrischendes Produkt, das auf brillantem Niveau über schwere Zeiten hinweghelfen will. Die ersten Klaviertrios der Giganten Beethoven und Mendelssohn strahlen Mut und Lebensfreude aus, „Heimat?“ des 2001 verstorbenen Tiroler Originals Werner Pirchner bleibt rätselhaft. Denn das scheinbar zugängliche Werk mit tonalen ländlichen Mustern steht auf schwankendem Grund. Und ist dabei ganz schön aufregend: ein echter Pirchner eben.

KÜNSTLER David Helbock, Klavier, Sebastian
Studnitzky, Trompete, Arne Jansen, Gitarre

ALBUM The New Cool

LABEL ACT

Nach seinem Trio „Random/Control“ und dem weltweit performten Soloprogramm „Playing John Williams“ hat Vorarlbergs umtriebiger Vorzeige-Jazzpianist David Helbock erneut zu einem Dreigespann gefunden und damit auch zurück zu neuer Einfachheit. Erstmals sind nicht mehr seine Kumpels mit vielen Instrumenten aus der engeren Heimat dabei, sondern mit Trompeter Sebastian Studnitzky und Gitarrist Arne Jansen zwei international renommierte Bandleader und Solokünstler des europäischen Jazz. Dies ergibt im intensiven Austausch fantastisch klare und eindrückliche Klangbilder, die sich zwar am damals dominierenden guten, alten Cool Jazz der 40er und 50er Jahre orientieren, diesen aber neu beleben, bevor er zum Retro-Produkt verkommt. Helbock selber bringt in Synthesen am meisten eigene Ideen ins Geschehen ein, neu und heutig. Eben „The New Cool“ – Vergangenheitsbewältigung in intellektuell aufgepeppter Coolness.

Musiktipps. Von Fritz Jurmann
Musiktipps. Von Fritz Jurmann
Musiktipps. Von Fritz Jurmann