Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Schiffe als Streitobjekt

Kultur / 23.04.2021 • 18:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nationale Unstimmigkeiten gibt es am Bodensee kaum – denn es gibt auch keine Grenzen. Zumindest keine, die von allen drei Anrainerstaaten anerkannt werden. Die Schweiz glaubt zwar an eine Dreiteilung des Bodensees. Ein großer südlicher Teil gehört demnach zur Schweiz, ein etwas größerer nördlicher zu Deutschland und ein kleiner, eigentlich nur die Bregenzer Bucht, zu Österreich. Für Österreich allerdings gilt die sogenannte Kondominiumstheorie, die besagt, dass der See allen gehört – mit Ausnahme der Uferstreifen bis zu einer Wassertiefe von 25 Metern. Geklärt ist gar nichts – aber alle sind mit dem unklaren Grenzverlauf zufrieden.

Manchmal allerdings gibt es schon Unstimmigkeiten, sogar unter Bundesländern. So kam es 2003 zu einem Streit zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Die Bodenseeschifffahrt wurde damals in allen Anrainerstaaten privatisiert und die Stadtwerke Konstanz übernahmen alle Bodenseehäfen am deutschen Ufer. Das Problem: Damit stand der bayerische Löwe bei der Lindauer Hafeneinfahrt plötzlich auf „ausländischem“, nämlich baden-württembergischem Grund. Dass aber das Wappentier der Bayern seine Nationalität wechselt, wollten weder der Freistaat noch die Stadt Lindau hinnehmen. Und so wurde kurzerhand die Mole, auf der der Löwe steht, zurückgekauft, womit das bayerische Symboltier wieder auf „einheimischem“ Grund brüllen kann.

Nun könnte es auch auf österreichischer Seite zu einem Grenzproblem kommen. Für die beiden historischen Schiffe „Hohentwiel“ und „Österreich“, die in Hard stationiert sind, wurde nämlich eine neue Gesellschaft gegründet. Und maßgeblich mit dabei ist die Schweizer Bodenseeschifffahrt – neben dem Eigentümerverein der Hohentwiel, der Österreich GmbH und der Gemeinde Hard, die ihren Anteil allerdings drastisch von 75 auf zehn Prozent reduziert hat. Nicht gesprochen wurde in dieser Sache mit der österreichischen Bodenseeschifffahrt, den Vorarlberg Lines. Und das hat man dort doch etwas verschnupft zur Kenntnis genommen. Denn die historischen Schiffe hätte man statt mit Schweizer auch mit Vorarlberger Beteiligung erfolgreich führen können. Aber da waren den Eignern der „Hohentwiel“ und der „Österreich“ die mit Fränkli winkenden Schweizer offensichtlich doch näher als die Einheimischen, deshalb ist auch ein Schweizer neuer Geschäftsführer. Immerhin müssen die beiden Schiffe einen Verlust von 900.000 Euro aus dem vergangenen Jahr aufholen. Und so gibt es eine Horrorvorstellung in Vorarlberg: Im schlimmsten Fall könnte es passieren, dass der Salondampfer „Österreich“ unter Schweizer Flagge über den Bodensee fährt. Der Fußacher Aufstand zur „Vorarlberg“ lässt grüßen.

„Geklärt ist gar nichts – aber alle sind mit dem unklaren Grenzverlauf zufrieden.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.