Oscar-Gala ohne Paukenschlag, aber etwas mehr Diversität

Kultur / 26.04.2021 • 20:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Daniel Kaluuya gewann die Trophäe als bester Nebendarsteller.
Daniel Kaluuya gewann die Trophäe als bester Nebendarsteller.

Preise spiegeln ein sich langsam wandelndes Hollywood.

Los Angeles Es wurde eine Oscar-Nacht wie keine andere. Nicht nur dass die Pandemie die Organisation auf den Kopf stellte und die Stars an mehreren Orten weltweit mitfieberten. Auch bei den Preisen gab es Überraschungen. Die in China geborene Regisseurin Chloé Zhao schrieb mit ihrem Drama „Nomadland“ Oscar-Geschichte. Sie wurde als erst zweite Frau für die beste Regie geehrt. Zudem gewann ihr Werk den Preis für den besten Film. „Nomadland“ zeigt die Kehrseite des amerikanischen Traums. Eine Witwe, gespielt von Frances McDormand, verliert ihr Zuhause, packt ihre Habseligkeiten in ein Auto und zieht als Nomadin durch die USA. Die Preise für die Regisseurin spiegeln zugleich ein sich langsam wandelndes Hollywood. Fünf Jahre nach der heftigen Kritik an der US-Filmakademie, als das Schlagwort #OscarsSoWhite die Runde machte, gingen nun gleich mehrere Preise an nicht-weiße Filmschaffende. Die Südkoreanerin Yuh-Jung Youn bekam den Oscar als beste Nebendarstellerin für das Familiendrama „Minari – Wo wir Wurzeln schlagen“, und der schwarze Brite Daniel Kaluuya gewann mit seiner Rolle in der Filmbiografie „Judas and the Black Messiah“ die Trophäe als bester Nebendarsteller.

Hopkins als Überraschung

Der große Paukenschlag blieb aus. In den wichtigen Kategorien „Beste Hauptdarstellerin“ und „Bester Hauptdarsteller“ waren zwar auch nicht-weiße Amerikaner nominiert. Gerade dem „Black Panther“-Star Chadwick Boseman, der 2020 mit 43 Jahren starb, wurden gute Chancen ausgerechnet, posthum einen Oscar für „Ma Rainey‘s Black Bottom“ zu gewinnen. Letztendlich wurde in dieser Sparte aber Anthony Hopkins (83) geehrt, der in „The Father“ einen dementen Vater spielt, sowie die 63-jährige Frances McDormand, die mit „Nomadland“ ihren dritten Oscar erhielt.

Österreichs Oscar-Hoffnung Jasmina Zbanics rot-weiß-rot-koproduziertes Bosnienkriegsdrama „Quo vadis, Aida?“ musste sich in der Sparte Auslandsoscar geschlagen geben. Insgesamt kam die Gala showarm wie selten daher. Überraschend spielte auch die Pandemie in den Redebeiträgen keine Rolle.

Frances McDormand und Chloé Zhao („Nomadland“) waren die großen Gewinner des Abends.  Reuters
Frances McDormand und Chloé Zhao („Nomadland“) waren die großen Gewinner des Abends.  Reuters

Gewinner der 93. Oscar-Verleihung

BESTER FILM „Nomadland“ von Chloé Zhao

REGIE Chloé Zhao für „Nomadland“

Hauptdarsteller Anthony Hopkins für „The Father“

Hauptdarstellerin Frances McDormand für „Nomadland“

Nebendarstellerin Yuh-Jung Youn für „Minari“

Nebendarsteller Daniel Kaluuya in „Judas and the Black Messiah“

Internationaler Film „Der Rausch“ von Thomas Vinterberg

Kamera Erik Messerschmidt für „Mank“

Original-Drehbuch Emerald Fennell für „Promising Young Woman“

Adaptiertes Drehbuch Christopher Hampton und Florian Zeller für „The Father“

Schnitt Mikkel E.G. Nielsen für „Sound of Metal“

Filmmusik Trent Reznor, Atticus Ross und Jon Batiste für „Soul“

Filmsong H.E.R. (Gabriella Wilson, Dernst Emile II, Tiara Thomas) für „Fight For You“ (Judas and the Black Messiah)

Produktionsdesign Donald Graham Burt und Jan Pascale für „Mank“

Ton Nicolas Becker, Jaime Baksht, Michelle Couttolenc, Carlos Cortés und Phillip Bladh für „Sound of Metal“

Visuelle Effekte Andrew Jackson, David Lee, Andrew Lockley und Scott Fisher für „Tenet“

Animationsfilm „Soul“ von Pete

Docter und Dana Murray

Animations-Kurzfilm „If Anything Happens I Love You“ von Will McCormack und Michael Govier

Dokumentarfilm „My Octopus Teacher“ von Pippa Ehrlich, James Reed und Craig Foster

Dokumentar-Kurzfilm „Colette“ von Anthony Giacchino und Alice Doyard

Make-up/Frisur Sergio Lopez-Rivera, Mia Neal und Jamika Wilson für „Ma Rainey‘s Black Bottom“

Kostümdesign Ann Roth für „Ma Rainey‘s Black Bottom“

Kurzfilm „Two Distant Strangers“ von Travon Free und Martin Desmond Roe