Die Tragik übermittelt: “Schlafes Bruder” auf der Bühne

Kultur / 29.04.2021 • 23:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Premiere der Bühnenadaptierung des Romans "Schlafes Bruder" von Robert Schneider fand am Donnerstagabend am Vorarlberger Landestheater statt. <span class="copyright">LT/Köhler</span>
Die Premiere der Bühnenadaptierung des Romans "Schlafes Bruder" von Robert Schneider fand am Donnerstagabend am Vorarlberger Landestheater statt. LT/Köhler

Kann ein Roman überzeugend für die Bühne adaptiert werden?
Im Fall von „Schlafes Bruder“ ist es über weite Strecken gelungen.

Bregenz Regisseurin Teresa Rotemberg rückt die Geschichte von Elias (Luzian Hirzel), Elsbeth (Maria Lisa Huber) und Peter (Nico Raschner) in den Mittelpunkt. Die wunderbare Sprache, für die der Roman “Schlafes Bruder” von Robert Schneider bekannt ist, wurde beibehalten – an einer Stelle grüßt aber auch zusätzlich ein Song-Text von Pur. Die vielen kleinen Nebengeschichten des Originalwerkes rücken in den Hintergrund oder werden ausgelassen. Das mindert aber nicht die Kraft der Geschichte. Im Gegenteil: Zentrale Themen wie das Anderssein in einer Gesellschaft, die das Andere nicht akzeptieren möchte oder wie Gefühl in einer Welt, in der kein Platz für Gefühl ist, ausgedrückt werden oder erst gar entstehen kann, werden herausgearbeitet. Vielleicht manchmal etwas zu plakativ, aber dafür mit Wirkung. 

Das Andere darf nicht sein

Ein guter Regieeinfall und eine nicht minder gute Umsetzung seitens des Ensembles ist es, dass die Figuren während des Sprechens ins Erzählen wechseln. Zudem übernehmen alle Darsteller mehrere Rollen. Diesen Mehrfachwechsel in Rolle und Sprache folgen zu können, fordert das Publikum. Das ist gut und führt dazu, dass der Zuschauer letztlich in den Bann des Stückes gezogen wird. Ebenso wirkungsvoll ist der Einsatz des Bürgerinnenchors. Sie sind die Dorfbewohner. Sie haben eine gemeinsame Stimme, so wie das in einer genormten Gesellschaft zu sein hat. Nur eine Stimme, nur eine Meinung, nur eine Art zu Leben ist erlaubt. Wenn die Stimmen der Dorfbewohner unisono erklingen, ist dies beschwörend, das Unheil voraussehend oder gar stiftend. Ein coronabedingtes Detail am Rande: Die Chormitglieder dürfen nur mit Maske auf die Bühne – doch das betont den Umstand, dass das Individuum in einer Gesellschaft, wie sie in Eschberg zu finden ist, keine eigene Stimme haben darf. 

Luzian Hirzel als Elias Alder.
Luzian Hirzel als Elias Alder.

Elsbeth spricht im Stück davon, dass das Herz ein dunkler Wald sei. Das Bühnenbild (Sabina Moncys) ist ebenso ein dunkler Wald. So lässt Rotemberg bildlich gesprochen mitten im Herzen spielen. Dennoch gibt es nur einige wenige Szenen, die bewegen. Hier muss besonders der Brand in Eschberg und die Orgel-Szene in Feldberg erwähnt werden. Zweitere besticht mit der Choreografie von Rotemberg, der Orgeleinspielung von Theo Flury und der Darbietung von Elsbeth und Elias. Orgelmusik und Tanz kommen an jenen Stellen zum Einsatz, an denen die Sprache nicht ausreicht.

Tanz wird zum wesentlichen Element.
Tanz wird zum wesentlichen Element.

Stellenweise wirkt die Inszenierung dennoch etwas seicht, Die Darstellung von Elias Alder kratzt öfters am einfachen Eigenbrötler, als dass er als der komplexe Charakter, der er ist, gezeigt wird. Luzian Hirzel schafft es aber, das Ruder herumzureißen, gerade in den letzten Szenen beweist er, dass er die Facetten von Elias Alder darstellen kann. Dem Tiefgehenden, dem Berührenden und auch dem oft Verstörenden der Romanvorlage wird das Stück nicht ganz gerecht. Aber Rotemberg hat mit dem Ensemble eine sehr sehenswerte Adaption für die Bühne geschaffen, der es am Ende gelingt, die Tragik dieser Geschichte zu vermitteln. Ursula Fehle

Nächste Aufführungen von “Schlafes Bruder” am 30. April, 15 und 18 Uhr im Theater am Kornmarkt in Bregenz. Weitere Aufführungen bis 9. Mai: landestheater.org

Der Roman "Schlafes Bruder" von Robert Schneider erschien 1992, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und verfilmt. Herbert Willi schuf die Musik zur gleichnamigen Oper. Eine Tanztheaterversion wurde vor einiger Zeit im Theater St. Gallen gezeigt. Das Vorarlberger Landestheater hat das Werk erneut für die Bühne adaptiert.
Der Roman "Schlafes Bruder" von Robert Schneider erschien 1992, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und verfilmt. Herbert Willi schuf die Musik zur gleichnamigen Oper. Eine Tanztheaterversion wurde vor einiger Zeit im Theater St. Gallen gezeigt. Das Vorarlberger Landestheater hat das Werk erneut für die Bühne adaptiert.