Zwei Musikerinnen bewältigten alle Probleme

Kultur / 31.05.2021 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zwei Musikerinnen bewältigten alle Probleme
Eva-Maria Hamberger und Barbara Nägele in der Pfarrkiche St. Jakob in Bludesch. JU

Barbara Nägele und Eva-Maria Hamberger begeisterten bei den Bludescher Konzerten.

BLUDESCH. Immer noch besser als eine im Raum gestandene Absage war die Verlegung des zweiten Konzerts der Orgelreihe vom uralten romanischen Kirchlein St. Nikolaus in die Pfarrkirche St. Jakob mit größerem Platzangebot und Abständen für die Zuhörer in Coronazeiten. Für diesen Termin hatte sich Kurator Bruno Oberhammer seiner einstigen Liebe zur Blockflöte als Zweitinstrument beim Orgelstudium besonnen und engagierte erstmals ein Blockflöten-Cembalo-Duo aus zwei renommierten heimischen Musikerinnen, das die treuen Stammhörer auf eine Zeitreise 400 Jahre in die Vergangenheit mitnahm.

Barbara Nägele aus Göfis wurde nach Blockflöten-Studien in Feldkirch, Zürich und St. Gallen vielfach ausgezeichnet und wirkt heute als Solistin, Pädagogin in Vaduz und Chorleiterin. Eva-Maria Hamberger aus dem musikalischen Thüringer Elternhaus wurde in Feldkirch und Basel in Klavier, Fortepiano und Cembalo und bei prominenten Meisterkursen ausgebildet und mehrfach ausgezeichnet. Sie ist Leiterin des „Forum alte Musik St. Gerold“. Die beiden trafen sich vor drei Jahren und entdeckten im Aufstöbern von passender Literatur an Alter Musik ihr gemeinsames Interesse. Nach ersten Auftritten entstand speziell für Bludesch eine Programmfolge mit frühbarocker Musik aus Italien und den Niederlanden, von Meistern des späten 16. und des 17. Jahrhunderts, von denen nur wenige den Musikfreunden von heute noch geläufig sind.

Nägele, Hamberger
Nägele, Hamberger

Umso mehr gibt es hier aus einer Zeit der ersten Instrumentalwerke Musik zu entdecken, die gut und gerne 400 Jahre überdauert hat, weil man ihr in reich umspielten Variationen einzelner Stimmen, damals „Diminutionen“ genannt, einen möglichst virtuosen, effektvollen Anstrich gab und sie damit zeitlos machte und vor dem Vergessen bewahrte. Für deren praktische Umsetzung freilich bedeuteten die tiefen Temperaturen in der Kirche Probleme. Denn mit klammen Fingern lässt sich schwer Geläufigkeit erzielen, bei kalten Instrumenten ist die saubere Intonation im Eimer. Doch die Musiker bewältigten diese Hürden ohne merkbare Einbußen.

Finale mit dem Lieblingsstück

So erfreut man sich an klanglich und dynamisch fein ausbalancierten Stücken, aus denen nicht nur die hohe stilistische Kompetenz im Charakter, sondern auch die gemeinsame Liebe zu dieser besonderen Ausformung der Alten Musik erkennbar wird. Je größer die Anforderungen an Spieltechnik und Virtuosität werden, umso mutiger und engagierter gehen die beiden zu Werk. Barbara Nägele hat in einer „Wärmepackung“ ein ganzes Arsenal aus ihrer Blockflötenfamilie mitgebracht, von den Sopraninstrumenten über Alt, Tenor und dem geknickten Bass bis zur eigenen „Eyck-Flöte“, auf der sie hasardierend das Solostück um ein Thema von Apollo und Daphne des blinden Stadtpfeifers Jacob van Eyck bläst. Eva-Maria Hamberger setzt ihre rauschenden Cembalokaskaden an Variationen über „Mein junges Leben hat ein End“ des namhaften Jan Pieterszoon Sweelinck wirkungsvoll in Szene. Gemeinsam betrauern sie in einer „Canzona passagiata“ von Angelo Notari auf der gedeckten, wundervoll artikulierten Tenorflöte Liebesleid von einst und heben in Madrigalen von Giovanni Bassano Sopran- und Bassstimme jeweils umspielend heraus. Ihr eigenes Lieblingsstück, die Sonata prima von Dario Castello, setzen die beiden an den Schluss. Das Publikum ist begeistert. Fritz Jurmann

Nächstes Bludescher Orgelkonzert: 19. September, 17 Uhr (Krczysztof Lukas, Orgel, Fabian Pablo Müller, Saxophon)             

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