Gewagte Mischung aus Aktionismus und Installationen

Kultur / 06.07.2021 • 19:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Durch die Verbindung von zeitgenössischer Kunst an historischen Orten werden kulturelle Konventionen und Werte hinterfragt. museum/Ziegelböck
Durch die Verbindung von zeitgenössischer Kunst an historischen Orten werden kulturelle Konventionen und Werte hinterfragt. museum/Ziegelböck

Das bekannte Künstlerkollektiv Gelitin eröffnet anregende Einblicke in das Tiroler Ferdinandeum.

Innsbruck An nackter Haut wurde nicht gespart. Verantwortlich dafür ist die Künstlergruppe Gelitin, bestehend aus Wolfgang Gantner, Florian Reither, Ali Janka und Tobias Urban, die vor Jahren einmal im Kunsthaus Bregenz zugegen war und für einige Diskussionen sorgte und momentan das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum mit ihrer Ausstellung „Die Schönheit im Hässlichen“ aufwühlt. Die Wiener-Gruppe stellte sich der Aufgabe, mit den vorhandenen Sammlungen zu interagieren und neue Perspektiven aufzuwerfen. Durch die Verbindung von zeitgenössischer Kunst an historischen Orten werden kulturelle Konventionen und Werte hinterfragt. „Wir haben uns darauf konzentriert, mit dem bereits vorhandenen Material zu arbeiten. Die Sammlung soll reflektiert werden, Eingriffe werden dabei nur im Ausnahmefall vorgenommen“, sagt Tobias Urban. Entstanden ist dabei eine gewagte Mischung aus Aktionismus und Installationen.

Das Erdgeschoss wurde zu einem Künstleratelier umfunktioniert. Die Betrachter finden sich wieder zwischen frisch gebrannten Tonfliesen, Produktionsanlagen und Ausstellungsflächen, die aus der Vorgängerausstellung stammen. Nicht unweit davon entfernt präsentiert das Künstlerkollektiv in Kooperation mit der Schweizer Tanzgruppe „Young Boy Dancing Group“ mehrere filmische Interpretationen der Sammlung. „Es kommt zu einem engen Zusammenspiel zwischen tänzerischen Elementen und dem Aktionismus von Gelitin. Es findet eine offene Improvisation statt, von der beide Seiten profitieren können“, erklärt Tänzer Manuel Scheiwiller.

Weiter Blick

Ein rund zwanzig Meter hoher Holzmast ragt bis ins Obergeschoss des Museumsraums und verweist auf den zweiten Teil der Ausstellung. „Durch dieses Werk konnten wir ein stark landschaftliches Element in den Raum bringen. Beim Aufbau verfolgten wir keinen Plan, sondern bauten uns an der Struktur hinauf“, so Urban. Im ersten Stock stellte Gelitin ein überdimensionales Sofa auf, dass die Kunstinteressierten dazu animieren soll, an den Arbeiten teilzuhaben und miteinander in Interaktion zu treten. Gleich daneben findet sich eine weiße Skulptur, die auf die verschiedenen Perspektiven verweisen soll.

Im knallroten Ausstellungsraum, der künstlerischen Selbstporträts vom 16. bis 19. Jahrhundert gewidmet wurde, installierte das Kollektiv einen Balkon aus gebrauchten Ausstellungswänden. Die Besucher können dieses Werk, das mit einem Gegengewicht fixiert wurde, betreten und sich einen schwindelerregenden Überblick über die Räumlichkeiten verschaffen. Durch die Installation soll eine Verbindung zwischen den verschiedenen Ausstellungsebenen geschaffen werden. „Der Betrachter wird mit eigenen Gefühlen konfrontiert und erlebt gleichzeitig unterschiedliche Lichtverhältnisse, die verschiedene Stimmungen auslösen“, betont Janka. Vor vielen Jahren sorgten die Künstler in New York mit einer ähnlichen Installation für Aufregung, damals brachten sie im 145. Stock eines Hochhauses einen Balkon an. Das wäre in der Stadt mit dem berühmten Goldenen Dachl ohnehin unpassend.

Die Ausstellung „Die Schönheit des Hässlichen“ des Künstlerkollektivs Gelitin ist bis 26. Oktober im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum zu sehen. www.tiroler-landesmuseen.at