Begeisternde Begegnung mit Vorarlberger Komponisten

Das Ensemble PulsArt brachte Werke von Martin Skamletz und Herbert Willi zur Aufführung.
FELDKIRCH Mit einer Matinee im Landeskonservatorium trat das hauseigene Ensemble PulsArt für Neue Musik am Sonntagvormittag in seine fünfte Saison. Die beachtliche Besucherfrequenz und die begeisterten Reaktionen der Zuhörer bewiesen, dass das Ensemble in dieser Zeit die ihm zugedachte Aufgabe eines Austausches zwischen Komponierenden im Land und Studierenden als Musiker in idealer Weise erfüllen konnte. Ebenso wurde es zu einer Marke, was die Information des Publikums aus erster Hand über das aktuelle Musikschaffen im Land betrifft, die seit Beginn in den Händen von Benjamin Lack als Moderator und künstlerischer Leiter liegt.

Im Mittelpunkt des Interesses stehen zwei namhafte Vorarlberger, die mit ihren Werken auf besondere Weise miteinander verbunden sind. Der eine ist Herbert Willi, international bekannter Dozent am Haus, der wesentlich an der Gründung von PulsArt beteiligt war. Der andere ist sein „Schüler“, der gebürtige Bludenzer Flötist Martin Skamletz (51), der bei Willi derzeit sein sechsjähriges Kompositionsstudium abschließt, zugleich aber am Haus auch als Lehrer für Musiktheorie tätig ist. Die Prüfungsarbeit von Skamletz, den man u. a. als Flötisten im Barockorchester Concerto Stella Matutina kennt, ist sein Flötenkonzert, das in diesem Rahmen zur Uraufführung gelangte. Eine weitere Parallele ist die Entstehungszeit des von Herbert Willi aufgeführten Werkes „Für 16“ im Jahr 1990, das in etwa derselben Schaffensphase am Ende seines Studiums entspricht wie derzeit bei Skamletz. Den Rahmen bildete internationale Neue Musik in derselben Konstellation der beiden amerikanischen Komponisten Linda Catlin Smith mit ihrem „Path of Uneven Stones“ (2000) und ihrem einstigen Lehrmeister Morton Feldmann und dessen „The Viola in My Life 2“ (1970) mit der feinsinnig gestaltenden Bratschen-Solistin Imgeau Tekerler.

Mit großer Begeisterung stürzte sich Héléna Macherel aus der Klasse Nolwenn Bargin hochmusikalisch in den flötengerechten, aber dennoch höchst anspruchsvollen Solopart, den Martin Skamletz ihr mit seinem Konzert für Flöte und 13 Instrumente gewidmet hat, um ihr schon beachtliches Können auszuspielen. Das Werk geht in seiner Qualität weit über eine akademische Studienarbeit hinaus, auch wenn es in seiner konventionellen Grundhaltung besondere neue Spieltechniken vermeidet. Man erfreut sich an innigen Dialogen zwischen Solo und Holzbläsern, am großflächigen Aufbäumen und Akzentuieren des gesamten Ensembles, bei dem die Flöte ihre Rolle behauptet, und vielen subtilen Details in gekonnter thematischer Verarbeitung.

Auch wenn Herbert Willis Werk „Für 16“ bereits vor 30 Jahren entstanden ist, wirkt es heute um einiges aktueller und „moderner“ als das Flötenkonzert von Skamletz. Willi hatte damals schon die Neigung, seine poetischen Klangflächen im ersten Satz mit 16 wirklichen Solisten der Natur abzulauschen und dafür im zweiten Teil mit einem rhythmischen und dynamischen Feuerwerk von Schlagwerk und Klavier aufzurauschen, das die Zuhörer gehörig aus ihrer Beschaulichkeit schreckt. Da sind bereits Bilder, Klangverbindungen, Spieltechniken vorhanden, wie man sie Jahre später bei seiner Oper „Schlafes Bruder“ wiederfindet. Benjamin Lack verwirklicht diese zeitlose Partitur mit seinen begeistert mitfiebernden Studierenden auf imposante Weise und macht mit den Zuhörern das didaktische Experiment, dieses Werk des jungen Meisters zum besseren Kennenlernen gleich zweimal hintereinander aufzuführen. Fritz Jurmann
