Vorarlberg hat eine Erinnerungslandkarte

Kultur / 11.11.2021 • 18:00 Uhr
Vorarlberg hat eine Erinnerungslandkarte
Patrick Siegele, Victoria Kumar und Gerald Lamprecht (erinnern.at) mit LSth. Barbara Schöbi-Fink. Furxer

Erinnern als Auftrag sehen: Digitale, stets anzupassende Erinnerungslandkarte ist online.

Hohenems  Ein Klick auf “www.erinnerungslandschaft.at” und schon stehen umfassende Informationen zu Denkorten, Mahn- und Denkmälern zur Verfügung. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit schützt uns auch “vor jenen Kräften, die die Geschichte gerne umerzählen, umdeuten und für ihre Interessen instrumentalisieren wollen”, erklärte Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink bei der Präsentation des Projekts „Digitale Erinnerungslandschaft (DERLA)“ im Jüdischen Museum Hohenems. Damit beauftragt war “erinnern.at”, das Holocaust Education Institut des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung in Bregenz. Die dabei entstandene digitale Landkarte, in der alle Erinnerungsorte verzeichnet sind, lässt sich einerseits als wertvolle Arbeitsunterlage für den Schulunterricht nutzen, sie ist zwar niederschwellig aufgebaut, aber derart umfangreich, dass sie auch wissenschaftlichen Zwecken dient, und sie bietet all jenen, die das Land im Hinblick auf Erinnerungsorte erkunden wollen, rasche Hilfestellung und ausführliches Dokumentationsmaterial.

Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink: "Mit diesem Forschungsprojekt wurde ein wichtiger Kulturschwerpunkt im Arbeitsprogramm der Landesregierung aufgegriffen."<span class="copyright">Furxer</span>
Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink: "Mit diesem Forschungsprojekt wurde ein wichtiger Kulturschwerpunkt im Arbeitsprogramm der Landesregierung aufgegriffen."Furxer

Den wichtigsten Aspekt solcher Initiativen, nämlich die Weiterführung der Digitalisierung bzw. die laufende Aufnahme neuer Denkmäler sieht Gerald Lamprecht, Projektleiter von DERLA und Professor an der Universität Graz, als erfüllt. Seit September dieses Jahres ist die Website mit dem Ziel, die Orte des nationalsozialistischen Terrors und Zeichen der Erinnerung an die Opfer in ganz Österreich zu erfassen, online. Die Recherchen für Vorarlberg sind abgeschlossen.

Rund 130 Erinnerungszeichen

Hier war die Historikerin Victoria Kumar für die Umsetzung verantwortlich. Insgesamt sind rund 130 Erinnerungszeichen in 34 Vorarlberger Gemeinden dokumentiert und beschrieben worden. Außerdem wurden 250 Kurzbiografien der auf den Erinnerungszeichen genannten Personen recherchiert. Deutlich wird dabei, dass vielfach erst in den letzten Jahren Gedenkorte für Opfer des Nationalsozialismus bzw. für Menschen, die Widerstand leisteten, errichtet wurden. Laut Winfried Nussbaummüller, Leiter der Kulturabteilung im Amt der Landesregierung, wird der Prozess auch über Aufträge an Künstlerinnen und Künstler gefördert. Im Gespräch führte Victoria Kumar an, dass vor allem Deserteure, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Sinti und Roma noch unterrepräsentiert sind.

Unterrepräsentiert im Gedenken sind etwa Zwangsarbeiter sowie Sinti und Roma.

Historikerin Victoria Kumar
Widerstandsdenkmal in Bregenz, an dem die Namen der Verfolgten und Ermordeten im Widerstand gegen die Diktatur und den Terror der Nationalsozialisten laufend aufscheinen. <span class="copyright">VN</span>
Widerstandsdenkmal in Bregenz, an dem die Namen der Verfolgten und Ermordeten im Widerstand gegen die Diktatur und den Terror der Nationalsozialisten laufend aufscheinen. VN

Die Berichte von Historikerkommissionen, die sich mit problematischen Straßennamen beschäftigen und dabei – unter anderem auch in Graz – immer wieder aufzeigen, dass auch Personen, die dem Täterkreis zuzuordnen sind, auf diese Weise noch öffentlich geehrt werden, verfolge man mit großer Aufmerksamkeit, bestätigte Gerald Lamprecht. Thema von DERLA sei diese Problematik nicht, man zeige aber auf, wenn die Errichtung eines Mahnmals von Konflikten begleitet war.