“Es gibt immer wieder Neues zu entdecken”

Kultur / 14.02.2022 • 18:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ralph Blase ist seit der Saison 2018/19 am Vorarlberger Landestheater tätig. In „Leonce und Lena“ zeichnet er für die Dramaturgie verantwortlich. Anja Koehler
Ralph Blase ist seit der Saison 2018/19 am Vorarlberger Landestheater tätig. In „Leonce und Lena“ zeichnet er für die Dramaturgie verantwortlich. Anja Koehler

Dramaturg Ralph Blase über „Leonce und Lena“ und die Faszination Georg Büchner.

Bregenz Mit „Leonce und Lena“ kommt das einzige Lustspiel von Georg Büchner in der Inszenierung von Milena Fischer auf die Bühne des Landestheaters. Erzählt wird die Geschichte von Prinz Leonce aus dem Königreich Popo, der Prinzessin Lena aus dem benachbarten Königreich Pipi heiraten soll. Unabhängig voneinander flüchten beide vor einer arrangierten Ehe und verlieben sich ineinander. Erst als sie maskiert vermählt werden, erkennen beide, dass sich das erfüllt hat, wovor sie eigentlich fliehen wollten.

Literarische Zitate

Auf den Dramaturgen Ralph Blase üben die Werke von Georg Büchner eine besondere Faszination aus. „Vor allem wegen seines hohen literarischen Standards und seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten als Schriftsteller“, sagt Blase. Im Grunde sei Büchner – außer als Zuschauer – nicht viel mit Theater in Berührung gekommen. „Umso faszinierender ist es, dass er diese hochtheatralischen Texte geschrieben hat.“

In dem knapp zweistündigen Stück werden die Zuschauer mit einem wahren Katalog von literarischen Zitaten und Anspielungen konfrontiert. Erkennbar sind etwa Einflüsse von Clemens Brentanos „Ponce de Leon“ oder Werke von Shakespeare. „Das Besondere an Büchner ist seine zielgenaue Beschreibung von Gefühlen und Gemütszuständen. Das kommt bei ,Leonce und Lena‘ in besonderem Maße zum Ausdruck“, sagt Blase. Anlass für Georg Büchner, das Lustspiel „Leonce und Lena“ zu schreiben, bildete ein Wettbewerb der Verlagsbuchhandlung Cotta im Jahr 1836, der mit einem für die damalige Zeit beachtlichen Preisgeld lockte. „Es fasziniert mich, dass er ein Lustspiel geschrieben hat, das gleichzeitig hoch philosophisch und sehr lebensnah ist.“ Gespielt werde der Originaltext „zu nahezu 100 Prozent“, führt Blase aus. „Wir haben den Text hauptsächlich auf Anspielungen überprüft, die man heute nicht mehr versteht. Diese haben wir durch Synonyme ersetzt.“

Zentrales Thema des Stücks ist die Kluft zwischen den Klassen: auf der einen Seite das Königshaus, auf der anderen Seite das Volk. Auch wenn es sich um ein Lustspiel handle, liege die Kritik von Büchner an dem bestehenden System und die Unzufriedenheit mit der sozialen Situation klar auf der Hand. „Diese wird natürlich total komödiantisch präsentiert“, sagt Blase. Büchner zeige eine herrschende Klasse, die gar nicht mehr in der Lage ist zu herrschen.

„Werde nie satt davon“

Das Stück „Leonce und Lena“ habe auch in der heutigen Zeit nichts an Aktualität verloren. „Der Prinz hat in dem Stück das Problem, dass er eigentlich alles hat. Er muss sich um sein normales Leben nicht viel Sorgen machen, verfällt aber trotzdem in eine wahnsinnige Langeweile. Das begegnet vielen Menschen in ihrem Beruf auch heute genauso.“

Das Spannende an der Auseinandersetzung mit Georg Büchners Werken sieht der Dramaturg darin, dass es immer wieder Neues zu entdecken gibt. „Ich freue mich daher jedes Mal darauf, mich mit seinen Stücken zu beschäftigen. Da steckt eine große Lust dahinter, und ich hoffe, dass sich das auch auf den Zuschauer überträgt. Ich persönlich werde jedenfalls nie satt davon.“ VN-TAS

„Das Besondere an Büchner ist seine zielgenaue Beschreibung von Gefühlen.“

“Leonce und Lena”: Premiere am 16. Februar, 19.30 Uhr, Großes Haus, Vorarlberger Landetheater. Weitere Vorstellungen19.2., 23.2., 25.2., 27.2., 1.3., jeweils um 19.30 Uhr