Zwei Mal genehmigt, ein Mal abgelehnt

Kultur / 27.04.2022 • 22:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eine Dokumentation der Randspiele (im Bild ein Konzert mit Friedrich Gulda) ist vorgesehen. R. Zündel, Stadt Bregenz, P. Steurer
Eine Dokumentation der Randspiele (im Bild ein Konzert mit Friedrich Gulda) ist vorgesehen. R. Zündel, Stadt Bregenz, P. Steurer

Die interessanten Bregenzer Sommerausstellungsprojekte
haben nun einen unguten politischen Beigeschmack.

Bregenz Ein großes Projekt, nämlich das „Taurus“-Signatur-Projekt von Gottfried Bechtold, das sie gemeinsam mit den Kuratoren Gerald Matt und Jürgen Weishäupl realisiert, hat die Bregenzer Kulturserviceleiterin Judith Reichart durchsetzen können. Damit wird nicht nur die Bahnstrecke von Bregenz nach Wien zum Kunstort, begleitende Projekte sind im Magazin 4 zu sehen. Ihr zweites Projekt ist gescheitert. Mit der Stimmenmehrheit der ÖVP und der Grünen hat sich der Stadtrat in Bregenz für ein Konzept der Künstlerin Ines Agostinelli ausgesprochen und damit den Amtsvorschlag für die Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis abgelehnt. Dieses Genehmigungs- und Ablehnungsverfahren ist höchst ungewöhnlich und hat zudem insofern einen unguten politischen Beigeschmack, als es die ÖVP und die Grünen waren, die vor ein paar Monaten gegen Judith Reichart Vorwürfe erhoben hatten, die sich nach Überprüfung durch die Justiz als völlig haltlos erwiesen haben. Aus seiner Perspektive halte sich die Politik an die Expertisen der Fachleute im Kulturservice. „Diese sind deren Aufgabe“, so Bürgermeister Michael Ritsch (SPÖ), dessen Liste sich für Reicharts Konzept, nämlich eine Ausstellung des bedeutenden, in Vorarlberg sowie im Ausland tätigen Künstlers Uwe Jäntsch aussprach. Vorgesehen war, dass sich auch junge Kunstinitiativen beteiligen.

Das Konzept von Ines Agostinelli wurde von Kulturstadtrat Michael Rauth (ÖVP) eingebracht. Es sieht die „Reaktivierung der ,Randspiele‘ anlässlich ihres 50. Jubiläums“ vor. Dieses Projekt war allerdings auch einmal für das Magazin 4 vorgesehen. Im Palais sollen nun Dokumente, Filme und einst bei den Randspielen ausgestellte Werke gezeigt werden. Die Randspiele standen in den 1970er-Jahren im Zentrum des Aufbruchs gegen die konventionelle Kulturpolitik und Veranstaltungsszene in Vorarlberg. Agostinelli muss ihr Konzept allerdings deutlich straffen, weil es die vorgesehenen Kosten um ein Drittel überschreitet.

Das von Judith Reichart, Gerald Matt und Jürgen Weißhäupl kuratierte
Das von Judith Reichart, Gerald Matt und Jürgen Weißhäupl kuratierte “Taurus”-Projekt von Gottfried Bechtold wird realisiert.
Der Kulturservice hatte ein umfangreiches Projekt mit Uwe Jäntsch geplant.
Der Kulturservice hatte ein umfangreiches Projekt mit Uwe Jäntsch geplant.