Wo es Musik gibt, die selbst die Königin entzückte

Kultur / 03.05.2022 • 10:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kit Armstrong im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems. <span class="copyright">Schubertiade</span>
Kit Armstrong im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems. Schubertiade

Kit Armstrong bei der Schubertiade.  

Hohenems Er habe die Absicht gehabt, William Byrds Musik mit der von Franz Schubert zu kontrastieren. Das funktioniere aber nicht, gestand der in Los Angeles geborene Ausnahmepianist Kit Armstrong zu Beginn des Schubertiade-Klavierabends im Hohenemser Markus-Sittikus Saal. Er wünsche seinem Publikum aber, dass sie die Stücke auch einfach als eine Aneinanderreihung wunderschöner Musik genießen können.

Wer sich darauf einließ, der streifte in Gedanken bald durch englische Landschaften und tauchte mit Schuberts „Vier Impromptus“, D 935 dann gute hundert Jahre Musikgeschichte später wieder auf. Spätestens mit der zweiten Zugabe – auf Mozarts zweiten Satz der c-moll Sonate KV 330 folgte da Franz Liszts Etüde Nr. 10 – war es dann aber mit dem Zurücklehnen zu Ende. Die riss alle schlichtweg vom Hocker.

<span class="copyright">Schubertiade</span>
Schubertiade

William Byrd habe er, Kit Armstrong, als einen der „großen Könige aus der Zeit der Mythen und Legenden“ kennengelernt. Allein, die Legenden um Byrd sind wahr. Als einer der großen Komponisten der englischen Renaissance sagte man von ihm, dass seine Musik sogar die Königin zu Tränen rührte. Und ja, kaum lässt Kit Armstrong die ersten Takte des „The Earl of Oxford’s March“ erklingen, ist man gedanklich sofort im längst vergangenen England. Mit „The Earl of Salisbury Pavan and Galliards“ wechselt Byrd dann ins Tänzerische, bevor er mit „The second Ground“ Variationen über ein Bassthema anklingen lässt. Zum Schluss folgt mit „Will you walk the Woods so wild“  dann noch einmal Tanz nach der Melodie eines alten englischen Volkslieds.

Ab dem ersten Takt der „Vier Impromptus“, D 935 zeigt sich der bedeutende Sprung in der Musikgeschichte, der zwischen Byrd und Schubert liegt. Auch hier klingt Tänzerisches kurz an, auch hier tönt der Bass von Zeit zu Zeit durch. Dennoch stehen Schuberts vier Impromptus einfach für sich und man sollte sie als das nehmen, was sie sind: vier sehr anspruchsvolle Klavierstücke. Als solche präsentierte sie Kit Armstrong auch, ohne dabei ihre musikalische Tiefe außer Acht zu lassen. Ein Erlebnis, das mit Standing Ovations quittiert wurde.   Veronika Fehle