Hier sind die Lösungen, nicht die Probleme

Kultur / 06.05.2022 • 22:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Bei Vétheuil“ von Monet (1881) aus der Sammlung Arche Noah in Hohenems.
„Bei Vétheuil“ von Monet (1881) aus der Sammlung Arche Noah in Hohenems.

Kunstmuseum Lindau widmet sich mit Werken von Monet, Picasso, Münter, Modersohn-Becker, Kirchner, Liebermann etc. der Natur.

Lindau, Hohenems „Ein Maler muss in der Kunst sein eigenes Problem lösen, so wie auch im Leben ein jeder Mensch seine eigenen Probleme zu lösen hat“, postulierte einst Claude Monet (1840-1926). In der Natur hatte Gabriele Münter (1877-1962) einen großen Sprung gemacht, „vom Naturabmalen zum Fühlen eines Inhaltes, zum Abstrahieren bis zum Geben eines Extraktes.“ Werke der Künstlerin wie des Künstlers sind in der diesjährigen Sommerausstellung in Lindau vertreten. Dass die Auswahl „von Monet bis Warhol“ nicht dem titelgebenden „Mythos Natur“ nachspürt, spielt dabei keine Rolle, denn schon die Namen sprechen für sich und irgendein werbetechnisch funktionierendes Wort musste schließlich für die Landschaften und Blumenstillleben namhafter Künstlerinnen und Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts gefunden werden.

Es ist die erste Themenschau nach durchwegs monografischen Projekten, die der Inselstadt Lindau seit 2011 einen guten Ruf als Ausstellungsort von Basiswerken der vornehmlich klassischen Moderne einbrachten und die in den meisten Fällen so wie auch jetzt mit dem Kunstexperten Roland Doschka realisiert werden konnten. Werke von Picasso, Nolde, Klee, Macke und Modersohn-Becker lassen die beachtlichen Aktivitäten der letzten Jahre somit auch Revue passieren und ergeben, ergänzt von Arbeiten von Paul Cézanne, Alexej von Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Max Liebermann, Paul Gauguin, Pierre Bonnard, Pierre-Auguste Renoir, dem erwähnten Claude Monet und relativ vielen Werken von Gabriele Münter eine besondere Problemlösung.

Zwiesprachemöglichkeiten

Angesichts der Ansammlung dieser Arbeiten ist es irrelevant, dass der gemeinsame Nenner an sich ein ziemlich großer ist, nämlich die Natur. Der „Blumenkorb“ von Eduard Manet (1880) hat einen völlig anderen Hintergrund als die „Dünenflora“ von Paul Klee (1914) oder der „Blick in den Garten“ von Gabriele Münter (1948). Die Sicht auf die Natur als Herausforderung für die bildtechnische Umsetzung, als ein Fluchtort, als Ort des Freiheitsempfindens, als ein Arkadien oder zur Spiegelung dessen, was bewegt, hat sich durchwegs geändert. Die Ausstellung braucht an sich nicht chronologisch geordnet zu sein, jedes einzelne Bild bietet mannigfaltige Zwiesprachemöglichkeiten und nebenbei sei erwähnt, dass es einfach schön ist, beispielsweise die Chance zur Auseinandersetzung mit mehreren, in die Abstraktion weisenden Arbeiten von Max Liebermann (1847-1935) zu haben. Da hat Roland Doschka viele Leihgaben von Privatsammlern erhalten können und er ist unter anderem auch in der Sammlung Arche Noah/Bäumler in Hohenems fündig geworden, deren Inhaber den Lindauern Landschaften von Gauguin, Cézanne und Monet überlassen hat.

Warhol mag eine kleine Zugabe sein, aber schon eine einfach mit „Blumen“ betitelte Kreidezeichnung von Picasso von 1957 dokumentiert, dass Lindau nicht nur erneut mit Meisterwerken der jüngeren Kunstgeschichte lockt, sondern auch mit echten Trouvaillen aufwarten kann.

Die diesjährige Sonderausstellung „Mythos Natur“ setzt die beachtlichen Aktivitäten in Lindau fort.
Die diesjährige Sonderausstellung „Mythos Natur“ setzt die beachtlichen Aktivitäten in Lindau fort.
„Frauen im Park (mit weißem Schirm)“, Ölgemälde auf Karton von August Macke. flemming
„Frauen im Park (mit weißem Schirm)“, Ölgemälde auf Karton von August Macke. flemming
Ölgemälde „La maison à travers les roses“ von Claude Monet (1925/26). Flemming
Ölgemälde „La maison à travers les roses“ von Claude Monet (1925/26). Flemming

Die Ausstellung ist im Kunstmuseum Lindau (beim Bahnhof) bis 3. Oktober, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Zeitfensterbuchung: reservation.kultur-lindau.de