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Kultur / 13.05.2022 • 16:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Erzählen um zu lebenDaniel Chanochedition mauthausen154 Seiten

Erzählen um zu leben

Daniel Chanoch

edition mauthausen

154 Seiten

Zeitzeuge Daniel Chanoch erzählt über sein Leben.

Dokumentation Mit Solidarität und Altruismus haben es Kinder aus Litauen geschafft, die Nazi-Gräuel des Zweiten Weltkrieges in Konzentrationslagern zu überleben. Der 90-jährige Daniel Chanoch ist eines von ihnen. Er wurde am 5. Mai 1945 aus dem KZ Gunskirchen befreit. Da war er zwölf Jahre alt. Seine Erinnerungen und seinen Lebensweg ließ er in ein bemerkenswertes Buch fließen. Daniel Chanoch, genannt Danny, wuchs in Kaunas auf, 1941 wurden er und seine jüdische Familie dort in ein Ghetto gebracht, 1944 nach Deutschland deportiert, er überlebte sechs Konzentrationslager. Über seine letzte Station in Gunskirchen, eines von 49 Nebenlagern von Mauthausen, sagte er: „Ich kam Mitte April ins Lager. 20.000 Leute kamen an, im Mai bei der Befreiung waren 5000 übrig.“

Gab ihm zuvor seine Familie Halt, blieb ihm nach der Trennung nur mehr seine innere Kraft und der enorme Zusammenhalt unter den Kindern. „Wir wussten, dass wir, die restlichen ungefähr 40 Kinder, eine ungeschriebene Verantwortung füreinander hatten.“ 131 Kinder waren aus dem Ghetto in Kaunas aufgebrochen. Er erzählt von der Hilfe Unbekannter, vom Teilen der Körperwärme im kalten Winter, von der Kraft der Freundschaft, die die Jahre überdauerte, denn die überlebenden Kinder trafen einander als Erwachsene immer wieder.

Lern- und Gedenkort

Ergänzt werden die Erzählungen von direkten Zitaten und Beschreibungen des Zeitzeugen. Das wertvolle Buch wider das Vergessen macht aber nicht Halt mit dem Ende des Krieges, sondern Chanoch erzählt weiter. Man vermag sich kaum vorzustellen, was in Daniel Chanoch vorging, als er in den 1980er-Jahren nach Gunskirchen zurückkam und dort nichts an die Taten der Nazis, die furchtbaren Schrecken erinnerte. Ein Gedenkstein neben dem Eingang machte dann das KZ sichtbar. Vor allem in den vergangenen Jahren war er bemüht, dieses Konzentrationslager der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Das Mauthausen Komitee Österreich will in einem angekauften Waldstück einen Lern- und Gedenkort errichten.

„Als jemand, der als Kind das Inferno des Holocaust überlebt hat, habe ich mein ganzes Leben lang die Verpflichtung und Mission empfunden, die Erinnerung an diese Tage zu bewahren und mit anderen Menschen Schlussfolgerungen und Einsichten zu teilen, die für eine bessere Welt genutzt werden können“, schreibt Daniel Chanoch.