Berührend: Anne Frank auf Hohenemser Puppentheaterbühne

Kultur / 22.05.2022 • 15:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Szene aus "Anne Frank" der Compagnie Artisanen im Rahmen des Festivals Homunculus in Hohenems. <span class="copyright">Homunculus/Böckle</span>
Szene aus "Anne Frank" der Compagnie Artisanen im Rahmen des Festivals Homunculus in Hohenems. Homunculus/Böckle

Die Berliner Compagnie Artisanen hat mit dem für Jugendliche und Erwachsene aufbereiteten Stück überzeugt.

Hohenems Konzentration forderte das Stück „Anne Frank“, das für Kinder und Jugendliche am Samstagnachmittag bei Homunculus gezeigt wurde.  Es wurde in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems realisiert.

Einen erläuternden Rundgang durch das jüdische Viertel nutzten vor der Aufführung 70 Personen. Die Berliner Compagnie Artisanen  mit Stefan Spitzer und Inga Schmidt betrat einen schmalen Grat zwischen dokumentarischem Theater und dramatischem Puppenspiel. Das inmitten der Bühne gedrängte und dunkel gehaltene Bühnenbild und ein Setzkasten mit acht Figuren symbolisierten die Enge der Hinterhofwohnung, in der das jüdische Mädchen Anne Frank sich mit sieben weiteren Personen vor den Nazis versteckt hielt. Lediglich zwei Puppen, Anne und ihr Vater, kommen zum Einsatz, den Part ihrer zarten Liebe Peter und aller anderen Personen sprechen die Schauspieler nur. Klang, Licht und Schatten lassen den bedrückenden Alltag der Versteckten erstehen. Immer wieder verlassen die beiden Schauspieler den kleinen Bühnenaufbau, um links und rechts der symbolisch demolierten Hinterhofwohnung aus zeitgenössischen Judengesetzen sowie Tagebuchpassagen zu lesen.

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Homunculus/Böckle

Der so entstehende Blick auf die Szenerie und ruhige Passagen in dieser dichten Inszenierung fördern die Reflexion. Das jugendliche Publikum bleibt gebannt, selten war der Löwensaal so still. Mit ihrem letzten Satz „Ich will fortleben, auch nach meinem Tod“ lassen die Künstler das Publikum betroffen zurück.

Aufklärende Nachbesprechung

Um das Gehörte und Gesehene besser einordnen zu können, wurde von den Darstellenden ein Gespräch angeboten. Anne Franks individuelle Geschichte ist eingebettet in die Chronologie des Holocausts. „Es rührt, wenn der Vater als einziger Überlebender erzählt, dass diese Geschichte exemplarisch für Millionen andere steht“, so eine Zuseherin. „Jetzt, wo die Zeitzeugen bald alle tot sind, sind wir dem ,Vergessen auf der Spur‘, erklären die Darsteller. Dieselben Puppenspieler boten am Sonntag basierend auf dem Bilderbuch von Peter Schössow mit „Baby Dronte“ eine turbulente Seefahrergeschichte, die zum Lachen brachte und die Vielseitigkeit des Hohenemser Figurentheaterfestivals verdeutlicht.  AFP

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Homunculus/Böckle

Das Figurentheaterfestival Homunculus in Hohenems dauert noch bis 28. Mai.