So wird eine Vorarlberger Theaterproduktion zum Ereignis

Theaterverein Bizau spielt “Der König stirbt” von Eugène Ionesco.
Bizau Sie haben Ideen, sie haben Mut und sie haben sich über die Jahre ein gutes Fundament errichtet. Gemeint sind die Mitglieder des Theatervereins Bizau, denen der Vorarlberger Schriftsteller Wolfgang Mörth mit „Der Investor“ bereits einmal ein Stück geschrieben hat und die es sich leisten können, einen Klassiker wie Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ zu wählen sowie brisante zeithistorische Themen („Zwölfelüto” von Heinz R. Unger oder „Broses Vere“ von Josef-Anton Meusburger) aufzugreifen.
Dieses Mal ist es mit „Der König stirbt“ jenes 1963 uraufgeführte Werk von Eugène Ionesco, das nicht nur zum Bildungskanon zählt wie die erwähnte Shakespeare’sche Komödie, sondern das eine Rolle enthält, nach der renommierte Mimen gerne greifen. Thematisiert es doch nichts weniger als die Endlichkeit des Lebens, abgehandelt in einer Komödie. Präsent ist das Werk, das zudem das Theaterspielen selbst behandelt, in Österreich gerade, weil Claus Peymann in den Wiener Kammerspielen (der kleinen Bühne des Theaters in der Josefstadt, in der man den einstigen Intendanten des Burgtheaters noch vor Jahren nie vermutet hätte) eine vielbejubelte Inszenierung hinlegte.
Ein Ereignis
Beim vom Jürgen Metzler geleiteten Theaterverein Bizau führt Andreas Neusser Regie, den die älteren Theaterhasen in Vorarlberg noch von Produktionen des Theaters Wagabunt in den 1990er-Jahren kennen. Diese Bühne widmete sich damals auch Kindern und charakterisiert sich bis heute als Unternehmen, das gerne auch absurde Stücke wählt. Insofern schließt sich der Kreis und wenn man erlebt, wie Neusser mit Ionescos „Der König stirbt“ und seinen engagierten und begabten Amateuren den vollbesetzten Gebhard-Wölfle-Saal in der Bregenzerwälder Gemeinde Bizau zum Jubeln bringt, dann ist das mehr als ein besonderes Ereignis im Vorarlberger Theaterkalender.

Ionescos König ist absolutistische Herrschaft gewöhnt. Wie viele alternde Regenten der Geschichte nimmt er kaum noch wahr, dass die Hierarchien wackeln und die Reichsgrenzen längst nicht mehr stabil sind. Schon gar nicht will er erkennen, dass es mit ihm zu Ende geht. Wer Städte erbaut, Traktoren und Flugzeuge erfunden, Weltliteratur erschaffen und sogar die Gestirne befohlen hat – so die absurde Überspitzung in diesem Einakter -, der meint, auch erst dann sterben zu müssen, wenn es ihm passt. Am besten gar nicht.
Wunderbare Balance
Walter Gemeiner lehnt sich als König im kindlichen Trotz gegen das Unausweichliche und findet für diese Haltung auch eine reiche Palette an Farben. Kostümiert mit Krone und Feinrippunterzieher unter dem Prunkmantel hat er nicht viel mehr zu tun, als sich aufzulehnen, verfällt dabei nicht in Clownerie, sondern bleibt in wunderbarer Balance. Einer hervorragenden Idee folgend, rundet Manfred Bischof am Akkordeon die dichte Märchenstimmung ab, in der Bartle Fink als Arzt und Nina Formanek als Königin Margarete das Schwarzhumorige (“am Ende des Stücks ist er tot”) ausgezeichnet dosieren. Katharina Amann schleicht sich als Königin Marie nach und nach aus dem Heulsusenimage, Doris Metzler lässt als Julchen und Krankenschwester schön die Schlauheit durchblitzen und Jürgen Metzler umrandet das Geschehen mit Bestimmtheit als Wächter.
Unwiderstehlich
Gertrud Neusser, Caroline Moosbrugger, Stefan Greußing und Martin Bertsch sind verantwortlich für die Optik, für die es nicht mehr als die verwendeten paar Versatzstücke braucht, die man so oder in leichter Abwandlung immer wieder in „Der König stirbt“-Produktionen sieht. Entscheidend ist, dass auf allzu viel Maskerade verzichtet und die Spiellust unterstrichen wurde. Mehr Schminke (Andeutungen oder Ausschmückungen) braucht es nicht, wenn die Präsenz der Akteure so unwiderstehlich ist und es so gut gelingt, die verlangt harte Gangart in ein tief berührendes Schlussbild überzuführen.

Weitere Aufführungen von “Der König stirbt” am 11., 12., 16. und 18. Juni, jeweils 20 Uhr im Gebhard-Wölfle-Saal in Bizau.
