Erfolgreiches Debüt in einer Männerdomäne

Kultur / 10.10.2022 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sabine Meyer mit Nils Mönkemeyer (Viola) und dem koreanischen Pianisten William Youn.
Sabine Meyer mit Nils Mönkemeyer (Viola) und dem koreanischen Pianisten William Youn.

Sabine Meyer unterstrich auch im Trio ihre Position als Legende des Klarinettenspiels.

HOHENEMS Die deutsche Musikerin Sabine Meyer hat als gefeierte Klarinettensolistin die halbe Welt bereist und dabei in rund 50 Auftritten auch bei der Schubertiade Station gemacht. Kurz vor den ersten Engagements sorgte die 25-Jährige mit ihrer Verpflichtung als Frau bei den Berliner Philharmonikern für einen Skandal. Alle Proteste der damals reinen Männerdomäne nützten nichts, weil Herbert von Karajan als Chef sie partout am Klarinettenpult sehen wollte. Heute ist längst nicht mehr das Geschlecht, sondern nur noch die Qualität ausschlaggebend, wenn sich junge Musiker für eine Stelle im Orchester bewerben.

Sabine Meyer blieb damals nur neun Monate im Orchester, startete lieber ihre beispiellose Solokarriere und bewirkte, dass die Klarinette als Soloinstrument im Konzertsaal wieder ernstgenommen wurde. Am Donnerstag, bei ihrem zweiten Auftritt in diesem Zyklus im Markus-Sittikus-Saal, wählt sie aus vielen ihr vertrauten Musikern eine Trio-Besetzung, die bezüglich Qualität und Internationalität sowie dem Unterschied der Generationen wohl schwer zu übertreffen ist. Gemeinsam mit ihrem Landsmann Nils Mönkemeyer an der Viola und dem koreanischen Pianisten William Youn, die beide vom Alter her ihre Söhne sein könnten, entfaltete sich ein Abend des tiefgründigen gepflegten Musizierens, des gemeinsamen Atmens.

„Ah, spiegarti, oh dio“

Zur Einstimmung gibt es wieder Mozart, der die Klarinette so sehr geliebt und ihr im berühmten „Kegelstatt-Trio“ einiges an originellen Effekten zugedacht hat. Sabine Meyer ergreift gerne die Gelegenheit, führt alles mit viel Fantasie und Augenzwinkern aus und ist ohne Dominanz stets um eine ideale Balance bemüht, in der jedes der drei Instrumente seinen Platz hat. Die Primadonna spielen darf sie dann in der sehnsuchtsvollen Arie „Ah, spiegarti, oh dio“ von Mozart, wo sie virtuos verblüffend viele gesangliche Elemente auf ihr historisches Instrument überträgt. Béla Bartóks Rumänische Volkstänze, von versonnen bis übermütig, bieten Viola und Klavier viele Ausdrucksmöglichkeiten. Zu einem Rausch der dunklen Klangfarben werden die expressiv ausgeführten acht Stücke für Klarinettentrio des Deutschen Max Bruch, von dem eigentlich nur sein gefühlsbeladenes Violinkonzert geläufig ist. Hier entspinnt sich in lyrischen oder virtuosen Duetten zwischen der fein abgedunkelten Klarinette und dem wunderbar sonor intonierenden Bratschisten die Spannung zweier melancholisch geführter Gesangsstimmen, vielleicht eines Liebespaars, bis sie sich endlich in strömendem Zwieklang vereinen. Der exzellente junge Pianist ist mit hochromantischen Klangflächen und harmonischen Modulationen zur Stelle. Bei solcher Überfülle an Melodienseligkeit fühlt man sich wie in einem gut temperierten Wellenbad.

FRITZ JURMANN      

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