Spurensuche in einer Familiengeschichte

Kultur / 11.11.2022 • 16:46 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Spurensuche in einer Familiengeschichte

Cassian – der zweite Erzählband des Literaturforschers Harald Jele.

HISTORIE Biografische Erzählungen stehen im literarischen Betrieb immer hoch im Kurs. So auch jene aktuelle Publikation von Harald Jele, der unter dem Titel „Cassian“ seinen zweiten Erzählband vorlegt. Mit dem Zusatz „Spurensuche in einer Familiengeschichte“, wird bereits angedeutet, wohin die Reise dieser insgesamt fünf Erzählungen geht. Anhand der Figur des Cassian, der eine historische Entsprechung in seiner Ahnenreihe innehat, spannt der Autor einen Bogen vom Heute zurück in die frühen Anfänge seiner Familie im Tiroler Oberinntal vor fast 500 Jahren. Besonders sind es einprägsame Frauengestalten, die über die Jahrhunderte hinweg den sozialen Familienzusammenhalt garantieren und durch die Geburten vieler Kinder dazu beitragen, das karge ländliche Leben aufzuwerten. „Die eigene Familiengeschichte zu erforschen ist nichts für Leute mit kurzem Atem“, behauptet der Autor und meint damit nicht nur, dass ein solches Unterfangen aufwändig und zeitintensiv ist, sondern zugleich Unmengen an verborgen gebliebenen Lebensumständen zutage bringt, derer man sich in der Rückschau nicht immer gerne erinnern möchte. In den Geschichten zeigen sich ganz verschiedene und durchaus gegensätzliche Phänomene wie Migration aus wirtschaftlichen Gründen, das Konstrukt der Patchworkfamilie, Wohlstand und Krieg als immer dagewesen und in diesem Sinne normal, weil nicht außergewöhnlich.

Cassian – Spurensuche in einer Familiengeschichte, Lehmanns Media, 107 Seiten

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