Philharmoniker ehren Strauss-Brüder

Kultur / 01.01.2023 • 17:28 Uhr
Das traditionelle Neujahrskonzert im Wiener Musikverein. APA
Das traditionelle Neujahrskonzert im Wiener Musikverein. APA

Christian Thielemann dirigiert das Neujahrskonzert 2024.

Wien Mit einem schmissigen Walzer und einer Polka von Eduard und Josef Strauss haben die Wiener Philharmoniker am Sonntag das neue Jahr begrüßt. Der Chefdirigent des Cleveland Orchestra, Franz Welser-Möst (62), stand am Dirigentenpult und ließ seinen Blick beim ersten Applaus sichtlich erfreut über die eng besetzten Reihen im Saal des Musikvereins in Wien schweifen. Nach einem Konzert ohne Publikum im ersten Corona-Jahr und eingeschränkter Besucherzahl zum Jahresauftakt 2022 waren die Reihen wieder voll besetzt.

Josef und Eduard Strauss

Die Wiener Philharmoniker spielten vor einem weltweiten Publikum auf: Zum einen hatten 1700 Gäste im Losverfahren eines der bis zu 1200 Euro teuren Tickets im Saal ergattert. Zum anderen wurde das Konzert live in rund 100 Länder übertragen, darunter Japan und die USA. Im Mittelpunkt standen die Brüder des “Donauwalzer”-Komponisten Johann Strauss, Josef und Eduard. Johann dürfte 2025 im Mittelpunkt stehen: Dann jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal.

Für das kommende Neujahrskonzert wurde mit Christian Thielemann ein Dirigent verpflichtet, der damit bereits Erfahrung hat. 2019 führte der mittlerweile 63-jährige Deutsche bereits durch einen Neujahrsvormittag im Wiener Musikverein. Und auch sonst haben die Philharmoniker bereits viel gemeinsam mit dem Wagner-Experten und noch bis 2024 amtierenden Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle Dresden zusammengearbeitet. “Mit Christian Thielemann verbindet uns eine tiefe künstlerische Partnerschaft vor allem im symphonischen Bereich. Er zählt zu den philharmonischen Dirigenten, die dem Orchester besonders nahestehen”, begründete am Sonntag Orchester-Vorstand Daniel Froschauer in einer Aussendung die Wahl des Maestros für das kommende Jahr. Eigentlich beginnt die Geschichte des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker 1939 – an einem Silvestertag – mit einem „Außerordentlichen Konzert“ unter Clemens Krauss im Großen Musikvereinssaal. Das erste Konzert an einem Neujahrstag folgte dann am 1. Jänner 1941, erneut unter Krauss‘ Leitung, der bis 1945 zu Neujahr wienerisch aufspielte. 1946 und 1947 leitete dann zwischenzeitlich Josef Krips die Neujahrskonzerte, wobei 1946 die Veranstaltung – bis dahin unter „Johann-Strauß-Konzert“ oder „Philharmonische Akademie“ firmierend – erstmals offiziell Neujahrskonzert hieß. Clemens Krauss übernahm dann nach Aufhebung eines im Zuge der Entnazifizierung verhängten Auftrittverbots ab 1948 bis zu seinem Tod 1954 wieder die Konzerte.

1955 begann mit Willi Boskovsky, dem ersten Konzertmeister, eine 25-jährige Erfolgsgeschichte bis er 1979 krankheitshalber auf die Leitung verzichten musste. Lorin Maazel übernahm die Leitung des Neujahrskonzerts 1980, die er durchgehend bis 1986 innehatte und dann wieder 1994, 1996, 1999 und 2005. Nach der Auftaktära Maazel wechselten die Maestros zwar häufiger, dennoch finden sich auch hier zwei Veteranen des Events: Riccardo Muti setzte sich hier mit seinem Einsatz 2021 an die Spitze. Der italienische Maestro führte die Philharmoniker sechs Mal durch den Neujahrsvormittag, während sein Kollege Zubin Mehta auf fünf Einsätze kommt. VN-ama

Der Chefdirigent des Cleveland Orchestra, Franz Welser-Möst, dirigierte heuer das Neujahrskonzert.
Der Chefdirigent des Cleveland Orchestra, Franz Welser-Möst, dirigierte heuer das Neujahrskonzert.