„Kond zu mir ga singa!“

CD mit Originaldokumenten zum 100. Geburtstag der Chorleiterin Maria Bösch-Fußenegger.
LUSTENAU Maria Bösch-Fußenegger – ein klingender Name weit über ihre Heimatgemeinde hinaus, bis heute, bald 20 Jahre nach ihrem Tod 2005. Eine starke Frau, die lebenslang ganzen Generationen von Lustenauern die Liebe zum Gesang beigebracht hat, wenn auch manches bereits in der Erinnerung verblasst ist. Da bietet der 100. Geburtstag von Maria Bösch-Fußenegger am 10. Juli den idealen Anlass für Evelyn Fink-Mennel, die stets agile Musikethnologin an der Privathochschule Stella, deren Verdienste wieder ins rechte Licht zu rücken. Die Verwandten haben ihr „eine Schachtel mit Material“ zur Aufarbeitung in die Hand gedrückt, sie hat sich mit Forscherinstinkt auf Marias Spuren begeben und ihr Leben anhand einer CD mit Originaldokumenten nachgezeichnet.

Es mutet einen zunächst recht eigenartig an, wie Klänge aus alten Zeiten, wenn man die „Lustenauer Dorfschwalben“ wieder singen hört. Das Lied von der „Träne“, bekannt auch als „Brutwagerlied“, ist schon vom Titel her symbolhaft für die gefühlsbetonte, herzergreifende Art des Gesanges, wie ihn die Chorleiterin mit ihren Damen in großer Überzeugung pflegte. Ein absolut spannendes Zeitdokument, auch wenn es den Staub der Jahrzehnte nicht leugnen kann.

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Evelyn Fink-Mennel: „Für hunderte von Menschen, die von 1946 bis 1988 in einem ihrer Chöre in Lustenau oder Dornbirn gesungen haben, sind es einfach Erinnerungen, Erfahrungen, Gefühle und in erster Linie Lieder, Melodien und Stimmbildungsübungen, die mit dem Namen Maria Bösch-Fußenegger aufs Engste und zeitlos verbunden sind.“

Erste Kirchenmusikerin des Landes
Maria kam 1923 in Feldkirch zur Welt und verbrachte ihre Kindheit in Bregenz, wo sie an der dortigen Musikschule prägende kirchenmusikalische Erlebnisse erfuhr. Über Vermittlung des Seelsorgeamtes konnte sie die Kirchenmusikschule Regensburg besuchen. Wie Erich Schneider feststellt, war sie damit ab 1946 die erste studierte Kirchenmusikerin Vorarlbergs in Lustenau-Rheindorf und wirkte auch an der dortigen Musikschule. Ihrer Heirat 1951 mit dem Fabrikanten Rudolf Bösch folgte die Familiengründung mit sechs Kindern.

Musikalisch entstand damals der Frauenchor „Lustenauer Dorfschwalben“, drei Jahren später der Cäcilien-Kinderchor Lustenau, der bald zum Nachwuchs- Reservoir für sämtliche Lustenauer Chöre und zum besten Kinderchor des Landes wurde, und 1969 der Kinderchor von Studio Vorarlberg mit Stimmen aus dem ganzen Land – in seiner Gesamtheit also ein Bildungsangebot auf breiter Basis. Evelyn Fink-Mennel: „Maria Bösch-Fußenegger hat damals als Initiatorin chorischer Gemeinschaftsprojekte jahrzehntelang eine Leitbildfunktion für das Chorsingen im Land in Literatur und Stil eingenommen.“
Ihre spontane Aufforderung „Kond zu mir ga singa“ ohne weitere Zugangshürden ist denn auch zum Leitmotiv der vorliegenden CD geworden. Von den im Laufe der Jahrzehnte unter der Leitung von Maria Bösch-Fußenegger entstandenen rund 600 ORF-Studioproduktionen, darunter allein 400 mit dem Studio-Kinderchor, standen 31 noch zur Verfügung, davon hat Evelyn Fink-Mennel für die CD 16 Stücke ausgewählt mit überlieferten Lustenauer Volks- und Brauchliedern, die man „bim Bänkle“ gesungen hat, sowie neuerem Liedgut.
Fritz Jurmann
Eine Produktion von Kultur Lustenau, ORF Vorarlberg und Stella Vorarlberg, erhältlich über die Firmen „BOTTA“ und „Bücherwurm“ und das Kulturamt Lustenau sowie im Musikladen Feldkirch.