Einstein begeistert mit wissenschaftlicher Magie

Umjubelte Musical-Weltpremiere mit wunderbarer Musik und großartigen Darstellern.
St. Gallen „Einstein – A Matter of Time“ feierte am 1. März am Theater St. Gallen Weltpremiere. Die Inszenierung verbindet wissenschaftliche Faszination mit szenischer Lebendigkeit und einer Leichtigkeit, die den Stoff zugänglich macht. Das Premierenpublikum honorierte dies mit minutenlangen Standing Ovations. Regisseur Gil Mehmert entwickelte eine fließende, fantasievolle Inszenierung, die in ihrer Dynamik konsequent bleibt und auf präzise durchdachte Bilder setzt. Die Musik stammt von Frank Wildhorn, die Texte von Gil Mehmert und Frank Ramond. Für die Arrangements und die musikalische Leitung zeichnet Koen Schoots verantwortlich.

Einstein ist auf dem Weg nach Amerika, nachdem in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht gekommen sind und die USA Zufluchtsort und Vorbild eines freien Landes im Kampf gegen die Diktatur sind. An Bord eines Schiffes reicht ihm ein Steward die Geige eines Bordmusikers. Während er spielt, werden in Rückblenden zentrale Stationen seines Lebens lebendig.

In Zürich fällt der junge Student durch seine Infragestellung der klassischen Physik auf, die Begegnung mit Mileva Marić wird zu einer intellektuellen und persönlichen Verbindung. Während er wissenschaftlich zunächst auf Hindernisse stößt, bringt ihm eine Anstellung im Berner Patentamt einen sicheren Arbeitsplatz, wo er schließlich die Formel E=mc² entwickelt.
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Während Einsteins Forschung zunehmend Anerkennung findet, bleibt sein Privatleben konfliktreich: Spannungen in der Familie, berufliche Rivalitäten und persönliche Verluste bestimmen seinen Weg. Der Erste Weltkrieg konfrontiert ihn mit einer gespaltenen wissenschaftlichen Welt. Seine Gedankengebäude führen zur Allgemeinen Relativitätstheorie, deren experimentelle Bestätigung 1919 seinen internationalen Durchbruch markiert.

Die Inszenierung entwickelt aus dem Ensemble ein stimmiges Gesamtbild. Besonders auffällig ist die dramaturgische Verknüpfung mit einem überzeugenden feministischen Handlungsstrang. Die frühe Tragödie um Einsteins erstes Kind wird allerdings auffallend knapp behandelt, was die emotionale Fallhöhe der Figuren etwas reduziert.

Musikalisch bewegt sich die Inszenierung auf hohem Niveau. Die Kompositionen von Frank Wildhorn setzen auf eingängige Melodien und rhythmische Prägnanz, ohne sich über formale Konventionen hinwegzusetzen. Es bleibt ein typisches Musical, das aber durch seine künstlerische Sorgfalt überzeugt. Koen Schoots dirigiert das Sinfonieorchester St. Gallen mit klarem Gespür für Struktur und Klangbalance.

Schauspielerisch und sängerisch hinterlässt das Ensemble einen starken Eindruck. David Jakobs verleiht Einstein mit ausdrucksstarker Bühnenpräsenz und großartiger Stimmführung eine überzeugende Präsenz. Katia Bischoff gestaltet Mileva Marić mit feinen Nuancen und beeindruckt mit einer klangschönen, ausdrucksstarken Stimme, die den gefühlsstarken Kern der Figur trägt.

Das Bühnenbild von Christopher Barreca und die Kostüme von Claudio Pohle schaffen eine stimmige visuelle Ebene, die Einsteins Lebensphasen treffend widerspiegelt. Lichtdesign und Videoelemente – umgesetzt von Michael Grundner und Austin Switser – verstärken die atmosphärische Dichte. Insbesondere die effektvoll eingesetzten Projektionen tragen zur Vielschichtigkeit der Erzählung bei.

„Einstein – A Matter of Time“ ist eine temporeiche, präzise gearbeitete Inszenierung, die durch szenische Dynamik und musikalische Souveränität besticht. Einzelne dramaturgische Kürzungen lassen Raum für Vertiefungen, ohne jedoch das Gesamtbild entscheidend zu schwächen. Ein gelungenes Musical, das große Emotionen, wunderbare Musik, ein tolles Ensemble und Bühnenästhetik wirkungsvoll verbindet.
„Einstein – A Matter of Time”
Musik von Frank Wildhorn
Text von Gil Mehmert und Frank Ramond
Arrangements und Instrumentation von Koen Schoots
Musikalische Leitung: Koen Schoots
Inszenierung: Gil Mehmert
Choreografie: Melissa King
Bühne: Christopher Barreca
Kostüm: Claudio Pohle
Video: Austin Switser
Licht: Michael Grundner
Dramaturgie: Daniel Url
Ton: Marko Siegmeier / Nicolai Gütter-Graf
Regieassistenz: Edith Ronacher
Regieassistenz: Jurriaan Bles
Dance Captain: Samantha Turton
Kostümassistenz: Valeria Ballek / Malou Pohl de Rezende
Inspizienz: Ivana Aeschbacher
technische Produktionsleitung: Christos Samaras
Darsteller
Albert Einstein: David Jakobs
Mileva Marić: Katia Bischoff
Prof. Weber/Max Planck: Livio Cecini
Pauline Einstein/Marie Curie: Anna-Julia Rogers
Marcel Grossmann/Eddington: Marlon Wehmeier
Prof. Philip Lenard: Jan-Philipp Rekeszus
Elsa Löwenthal: Barbara Obermeier
Clara Haber: Elise Doorn
Milos Maric/Besso/Fritz Haber: André Bauer
Maurice Solovine: Merlin Fargel
Conrad Habicht: Philipp Dietrich
Das Licht: Kelly Panier
Ensemble:
Nico Hartwig, Amaya Keller,Stefanie Köhm, Sascha Luder, Martin Planz, Stefan Gregor Schmitz, Michael Souschek, Samantha Turton
Swing: Sandra Bitterli / Nico Schweers
Musik
Sinfonieorchester St.Gallen