Einstein begeistert mit wissenschaftlicher Magie

Kultur / 03.03.2025 • 14:37 Uhr
„Einstein - A Matter of Time“
Wie spannend eine Geschichte um physikalische Rätsel sein kann, beweist die Weltpremiere von «Einstein – A Matter of Time». Donato Caspari (4)

Umjubelte Musical-Weltpremiere mit wunderbarer Musik und großartigen Darstellern.

St. Gallen „Einstein – A Matter of Time“ feierte am 1. März am Theater St. Gallen Weltpremiere. Die Inszenierung verbindet wissenschaftliche Faszination mit szenischer Lebendigkeit und einer Leichtigkeit, die den Stoff zugänglich macht. Das Premierenpublikum honorierte dies mit minutenlangen Standing Ovations. Regisseur Gil Mehmert entwickelte eine fließende, fantasievolle Inszenierung, die in ihrer Dynamik konsequent bleibt und auf präzise durchdachte Bilder setzt. Die Musik stammt von Frank Wildhorn, die Texte von Gil Mehmert und Frank Ramond. Für die Arrangements und die musikalische Leitung zeichnet Koen Schoots verantwortlich.

„Einstein - A Matter of Time“
David Jakobs verkörpert Einstein ausdrucksstark und mit kraftvoller Stimme. ludwig olah (5)

Einstein ist auf dem Weg nach Amerika, nachdem in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht gekommen sind und die USA Zufluchtsort und Vorbild eines freien Landes im Kampf gegen die Diktatur sind. An Bord eines Schiffes reicht ihm ein Steward die Geige eines Bordmusikers. Während er spielt, werden in Rückblenden zentrale Stationen seines Lebens lebendig.

„Einstein - A Matter of Time“
Katia Bischoff beeindruckt mit einer klangschönen, ausdrucksstarken Stimme. ludwig olah

In Zürich fällt der junge Student durch seine Infragestellung der klassischen Physik auf, die Begegnung mit Mileva Marić wird zu einer intellektuellen und persönlichen Verbindung. Während er wissenschaftlich zunächst auf Hindernisse stößt, bringt ihm eine Anstellung im Berner Patentamt einen sicheren Arbeitsplatz, wo er schließlich die Formel E=mc² entwickelt.

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Während Einsteins Forschung zunehmend Anerkennung findet, bleibt sein Privatleben konfliktreich: Spannungen in der Familie, berufliche Rivalitäten und persönliche Verluste bestimmen seinen Weg. Der Erste Weltkrieg konfrontiert ihn mit einer gespaltenen wissenschaftlichen Welt. Seine Gedankengebäude führen zur Allgemeinen Relativitätstheorie, deren experimentelle Bestätigung 1919 seinen internationalen Durchbruch markiert.

„Einstein - A Matter of Time“

Die Inszenierung entwickelt aus dem Ensemble ein stimmiges Gesamtbild. Besonders auffällig ist die dramaturgische Verknüpfung mit einem überzeugenden feministischen Handlungsstrang. Die frühe Tragödie um Einsteins erstes Kind wird allerdings auffallend knapp behandelt, was die emotionale Fallhöhe der Figuren etwas reduziert.

„Einstein - A Matter of Time“

Musikalisch bewegt sich die Inszenierung auf hohem Niveau. Die Kompositionen von Frank Wildhorn setzen auf eingängige Melodien und rhythmische Prägnanz, ohne sich über formale Konventionen hinwegzusetzen. Es bleibt ein typisches Musical, das aber durch seine künstlerische Sorgfalt überzeugt. Koen Schoots dirigiert das Sinfonieorchester St. Gallen mit klarem Gespür für Struktur und Klangbalance.

„Einstein - A Matter of Time“

Schauspielerisch und sängerisch hinterlässt das Ensemble einen starken Eindruck. David Jakobs verleiht Einstein mit ausdrucksstarker Bühnenpräsenz und großartiger Stimmführung eine überzeugende Präsenz. Katia Bischoff gestaltet Mileva Marić mit feinen Nuancen und beeindruckt mit einer klangschönen, ausdrucksstarken Stimme, die den gefühlsstarken Kern der Figur trägt.

„Einstein - A Matter of Time“

Das Bühnenbild von Christopher Barreca und die Kostüme von Claudio Pohle schaffen eine stimmige visuelle Ebene, die Einsteins Lebensphasen treffend widerspiegelt. Lichtdesign und Videoelemente – umgesetzt von Michael Grundner und Austin Switser – verstärken die atmosphärische Dichte. Insbesondere die effektvoll eingesetzten Projektionen tragen zur Vielschichtigkeit der Erzählung bei.

„Einstein - A Matter of Time“

„Einstein – A Matter of Time“ ist eine temporeiche, präzise gearbeitete Inszenierung, die durch szenische Dynamik und musikalische Souveränität besticht. Einzelne dramaturgische Kürzungen lassen Raum für Vertiefungen, ohne jedoch das Gesamtbild entscheidend zu schwächen. Ein gelungenes Musical, das große Emotionen, wunderbare Musik, ein tolles Ensemble und Bühnenästhetik wirkungsvoll verbindet.

„Einstein – A Matter of Time”

    Musik von Frank Wildhorn

    Text von Gil Mehmert und Frank Ramond

    Arrangements und Instrumentation von Koen Schoots

    Musikalische Leitung: Koen Schoots

    Inszenierung: Gil Mehmert

    Choreografie: Melissa King

    Bühne: Christopher Barreca

    Kostüm: Claudio Pohle

    Video: Austin Switser

    Licht: Michael Grundner

    Dramaturgie: Daniel Url

    Ton: Marko Siegmeier / Nicolai Gütter-Graf

    Regieassistenz: Edith Ronacher

    Regieassistenz: Jurriaan Bles

    Dance Captain: Samantha Turton

    Kostümassistenz: Valeria Ballek / Malou Pohl de Rezende

    Inspizienz: Ivana Aeschbacher

    technische Produktionsleitung: Christos Samaras

Darsteller

    Albert Einstein: David Jakobs

    Mileva Marić: Katia Bischoff

    Prof. Weber/Max Planck: Livio Cecini

    Pauline Einstein/Marie Curie: Anna-Julia Rogers

    Marcel Grossmann/Eddington: Marlon Wehmeier

    Prof. Philip Lenard: Jan-Philipp Rekeszus

    Elsa Löwenthal: Barbara Obermeier

    Clara Haber: Elise Doorn

    Milos Maric/Besso/Fritz Haber: André Bauer

    Maurice Solovine: Merlin Fargel

    Conrad Habicht: Philipp Dietrich

    Das Licht: Kelly Panier

Ensemble:

Nico Hartwig, Amaya Keller,Stefanie Köhm, Sascha Luder, Martin Planz, Stefan Gregor Schmitz, Michael Souschek, Samantha Turton

Swing: Sandra Bitterli / Nico Schweers

Musik

Sinfonieorchester St.Gallen