Auf den Hund gekommen

Ein Festival ukrainischer Künstler, das etwas mehr will, als es kann.
Bregenz Die Älteren werden sich erinnern. Im sozialen Netzwerk Facebook gab es den Beziehungsstatus “Es ist kompliziert”. So ähnlich verhält es sich auch mit der Veranstaltungsreihe “Lost in Fairy Tales. Entry only through Dreams”, deren Vernissage am Freitag, 9. Mai, in den Räumlichkeiten des Honolulu Hotels in Bregenz zelebriert wird. Maryna und Oleksandr Liapin (Ukraine/Österreich), Mari Stempfel (Frankreich/Österreich), Julia Lia Zisser (Österreich) und Denis Mujovič von NewGroundFilms haben sich zusammengetan, um Bilder, Musik, Texte und Filme in einem internationalen und interdisziplinären Festival zu präsentieren. Das klingt nach verdächtig vielen Köchen.

Das Festival will mit Surrealismus, Absurdität und einem Hauch von Magie in die Welt der Märchen entführen. Der Eintritt ist grundsätzlich frei, aber nur über die Welt der Träume möglich. Und bereits da beißt sich die Katze in den Schwanz. Diese Metapher funktioniert einfach nicht, da Träume und Märchen schon von ihrer Definition her komplett unterschiedliche Räume darstellen. Das heißt nicht, dass man mit diesen Begrifflichkeiten nicht vorzüglich hätte spielen können. Das Märchen als regionales Kulturgut, der Traum als besondere Form des Bewusstseins – da steckt grundsätzlich Potenzial drinnen. Wenn aber im Begleittext zur Ausstellung steht, dass man hier Antworten auf Fragen erhält, die nie gestellt wurden, dann stellt sich doch gleichsam die Frage, ob man das überhaupt will? Hesse schrieb einst, dass niemand träumt, was ihn nichts angeht. Daran kann auch der Surrealismus wenig ändern.

Die gezeigten Werke zeigen unterschiedliche Zugänge, um dieses dünne Narrativ zu stützen. Die Werke von Oleksandr Liapin etwa sind kunterbunte Ausflüge ins Psychedelische. Überraschend viele Hundemotive hängen an den Wänden. Die Arbeiten von Maryna Liapina hingegen sind reduzierte Schwarz-Weiß-Landschaften. Dass da zumindest technisch sauber gearbeitet wurde, gilt es lobend hervorzuheben. Zu sehen sind die Bilder während der Öffnungszeiten des Honolulu-Gastgartens in Bregenz (bei Biergartenwetter jeweils von Mittwoch bis Samstag ab 16 Uhr).

Im Zuge des Festivals wird auch eine Lesung abgehalten, zur Finissage spielt der Saxofonist Andrey Prozorov auf, der bereits beim Zawinul Syndicate mitwirkte. In den beiden Filmen, die gezeigt werden, geht es inflationär um Hunde, auch wird ein Teil der Ausstellungseinnahmen dem ukrainischen Tierschutz zugedacht. Na wenn da nicht mal der Zweck die Mittel heiligt.

Gehen wir aber mal ein, zwei Schritte zurück und betrachten das große Ganze. Im Fall der Ukraine, die hier zentrales Thema ist, kommt man eben nicht umhin, den schrecklichen Angriffskrieg Russlands in die Rechnung aufzunehmen. Da wird der Traum ziemlich schnell zum Trauma. Doch gerade dann ist es keine zentrale Aufgabe von Kunst, für Ablenkung zu sorgen, sondern Missstände aufzuzeigen und so zum Diskurs anzuregen. Genau das will sich hier trotz intensiver Auseinandersetzung und dem Willen zum Begreifen nicht einstellen. Das ist dann eine Qualitätsfrage, speziell des Konzepts. Das Gegenteil von Gut ist eben nicht Böse, sondern nur gut gemeint. Wenn etwas weder Fisch noch Fleisch ist, ist es noch lange nicht Hund.

Da bleibt einem am Ende leider nur Hartmut Engler von der Gruppe PUR zu zitieren: “Komm mit mir ins Abenteuerland – der Eintritt kostet den Verstand.” Wie es scheint, entrichten diesen Obolus viele nur allzu gerne.
Termine
Fr., 9. Mai, 18, Uhr, Vernissage
Sa., 10. Mai, 19 Uhr, Filmvorführung “Us, our pets and the war” von Anton Ptushkin
Mi., 14. Mai, 19 Uhr, Filmvorführung “Searching for Nika” von Stanislav Kapralov
Fr., 16. Mai, 19 Uhr, Lesung im Rahmen der Ausstellung
Sa., 17. Mai, 18 Uhr, Finissage, Konzert von Andrey Prozorov