Martin Fröst verzaubert mit virtuosem Konzert

Kultur / 13.06.2025 • 15:33 Uhr
Martin Fröst
Martin Fröst musizierte im Hagenhaus gemeinsam mit seinen Brüdern Göran und Johan. andreas marte

Der schwedische Weltstar spielte gemeinsam mit seinen Brüdern Göran und Johan.

Nendeln Am Donnerstagabend bot das Hagenhaus in Nendeln einen ebenso intimen wie inspirierenden Rahmen für ein Kammerkonzert, das unter dem programmatischen Titel Weltstars in Nendeln stand – und diesen Anspruch mit jedem Ton erfüllte. Der schwedische Klarinettist Martin Fröst musizierte gemeinsam mit seinen Brüdern Göran (Viola) und Johan (Klavier) und entführte das Publikum in einen Abend voller musikalischer Raffinesse und klanglicher Vielfalt. Dank der persönlichen Anekdoten, mit denen Martin und Göran Fröst Einblicke in ihre familiäre und künstlerische Herkunft gaben, war das Konzert nicht nur ein Fest der Virtuosität, sondern auch ein berührendes Erlebnis.

Martin Fröst
Der schwedische Klarinettist ist einer der besten Klarinettisten weltweit. andreas marte

Gleich zu Beginn erklang Frösts eigenes Stück Cradle Song, ein leises, schwebendes Werk von berührender Schlichtheit, das den Grundton des Abends setzte. Der 50jährige Fröst zählt zu den profiliertesten Klarinettisten weltweit. Als erster seines Fachs wurde er mit dem renommierten Léonie-Sonning-Musikpreis ausgezeichnet – einer der bedeutendsten Ehrungen der klassischen Musik, deren Preisträger Persönlichkeiten wie Igor Strawinsky, Leonard Bernstein oder Miles Davis umfassen. Als Solist ist Fröst mit nahezu allen führenden Orchestern der Welt aufgetreten – darunter die New York Philharmonic, das Concertgebouworkest, die London Symphony, die Los Angeles Philharmonic, die Münchner Philharmoniker, das Orchester der Elbphilharmonie, die Wiener Symphoniker und das Orchestre de Paris.

Martin Fröst

Was folgte, war ein ebenso abwechslungsreiches wie feinsinnig gestaltetes Programm, das klangliche Kontraste geschickt miteinander verband. Hillborgs impressionistischer Påfågels-Ögonblick (Pfauenmoment) traf auf Brahms’ ungarische Tanzwucht, während Lutosławskis Tanzpräludien und Bachs zweistimmige Inventionen einen spannungsvollen Dialog zwischen Moderne und Barock eingingen. Göran Fröst entfaltete dabei auf der Viola ein erdiges, warmes Timbre, während Johan Fröst mit klarer, unaufdringlicher Präsenz den musikalischen Raum strukturierte. Besonders eindrücklich geriet die Interpretation ausgewählter Sätze aus Bachs Französischer Suite Nr. 5 sowie der Bulgarischen Gigue in der Bearbeitung von Shai Wosner. Hier verbanden sich tänzerische Präzision, pointierte Artikulation und ein tiefer Sinn für barocke Eleganz mit spielerischer Leichtigkeit. Zwischendurch erzählten Martin und Göran Fröst charmante Episoden aus ihrer Kindheit. Solche Einblicke verliehen dem Abend eine fast familiäre Nähe. Den dramatischen Höhepunkt bildeten Béla Bartóks Rumänische Volkstänze in sechs Sätzen, darunter eine Bearbeitung des dritten durch Göran Fröst selbst. Mit unbändiger Rhythmik, folkloristischer Farbenpracht und fast tänzerischer Ekstase entwickelten die drei Brüder eine dynamische Kraft, die den ganzen Raum in vibrierende Spannung versetzte.

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Als Zugabe erklang Bachs erstes Präludium in der Bearbeitung von Charles Gounod – das berühmte Ave Maria. In diesen knapp drei Minuten offenbarte sich die ganze Kunst der Klarinettisten-Atmung: ein einziger, ununterbrochener Fluss von Tönen, eine meditative Kreisbewegung aus Klang, ein Moment völliger Versenkung, ohne, dass der Musiker auch nur ein einziges Mal tief Luft holen kann. Wenn Brüder einander zuhören, wird aus Musik ein Gespräch, aus Klang eine gemeinsame Sprache. Und in dieser Sprache, meisterhaft geformt von Martin, Göran und Johan Fröst, fand dieser Abend seine unverwechselbare Gestalt. Einziger Wermutstropfen: Mit rund einer Stunde reiner Spielzeit war das Konzert vergleichsweise kurz. Viele Zuhörerinnen und Zuhörer hätten sich gewünscht, noch länger in dieser dichten, berührenden Atmosphäre zu verweilen. Doch vielleicht liegt gerade in dieser Knappheit auch der besondere Wert – als klanglicher Augenblick, der nachklingt.