Karibik ohne Beach Boy

Inseln eignen sich wunderbar als Location für Sommerlektüre in der Karibik.
Schwarzach Der Exzentriker und Milliardär Kip Clement kaufte sich bei den Britischen Jungferninseln eine kleine Insel namens Keeper Island, und betreibt dort die Clement Hotels, feine Island Chalets & Suites, die sehr wohlhabenden Menschen einen Urlaub bereiten sollen, den sie immer in guter Erinnerung behalten sollten. Diese Chalets sind so etwas wie Kips Spielzeug. Um sich möglichst viele Probleme vom Hals zu halten, hat er sich einen Manager organisiert, der mit dem verrückten Haufen an exzentrischen Genussmenschen gut zurechtkommt: Moxham. Moxham ist jedoch nicht ganz freiwillig hier; er machte in Hongkong als Geschäftsführer eines Spitzenhotels einige krumme Dinge. Als ihm das Wasser bis zum Hals stand, war es Zeit, aus Asien zu verduften. Zurück ließ er seine damalige Assistentin Lola, die nach einer gröberen Reiberei mit tödlichem Ausgang ausgerechnet bei Moxham Schutz sucht und als seine Assistentin anheuert. Gerade angekommen und die erste Nobelparty miterlebt, wird Moxham nun tot auf seinen Wasserskiern aufgefunden. Ein Sportunfall?
Ein Buch wie ein Cocktail
Lola übernimmt wie im Flug seinen Job und beginnt ein bisschen zu stöbern, warum Moxham wirklich abtreten musste. Dabei stößt sie auf Speichersticks, die intime Informationen und Fotos von Hotelgästen enthalten, die bei Veröffentlichung reines Gift für Beruf und Privatleben wären. Diara, ihre Arbeitskollegin und Freundin, hilft ihr dabei herauszufinden, was in dieser Nacht wirklich geschah, und schon ist man im kurzweiligen Thriller “The Island” voller Neugier angekommen. Vielleicht ist “The Island” jetzt kein Thriller, aber der Roman ist sehr glatt und professionell heruntergeschrieben. Wirklich interessant ist die Insel, Keeper Island; sie scheint die Menschen zu verschlingen und ihre Abgründe offenzulegen, denen sie sich lustvoll hingeben. Das Buch geht runter wie Daiquiri oder Mojito, wenn man solche Cocktails mag.
Die Kälte der KI
Mit Rie Qudans Roman “Tokyo Sympathy Tower”, ausgezeichnet mit dem renommierten japanischen Kulturpreis Akutagawa Prize, geht es nun auf die nächste Insel: Japan. Neugierig darf man sein, denn der Roman wurde mithilfe einer Künstlichen Intelligenz verfasst. Das zukünftige Japan zeichnet sich durch immerwährende Empathie aus. So droht Kriminellen keine harte Strafe mehr – sie werden mit Mitgefühl behandelt. Protagonistin des Romans ist die Stararchitektin Sara Machina, die den Auftrag bekommt, den “Tokyo Sympathy Tower”, eine Wohlfühloase für Kriminelle, zu gestalten, aber sie zweifelt an dem Projekt. Der Klappentext ist irreführend: Wider Erwarten handelt es sich bei “Tokyo Sympathy Tower” um keinen utopischen Roman im klassischen Sinne. Auf das Leben im Sympathy Tower wird wenig eingegangen. Vielmehr ist es eine bloße Aneinanderreihung philosophischer Gedanken ohne wirklichen Spannungsbogen. Obwohl Qudans Sprache melodisch-atmosphärisch schön ist, wirken ihre Figuren wenig greifbar und kühl. Ob das an der KI liegt?