Wenn Tradition Zukunft hat

Kultur / 02.01.2026 • 12:08 Uhr
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Das Neujahrskonzert ist eine Benefizveranstaltung des Lion Clubs Hohenems und der tonart Musikschule Mittleres Rheintal. Bernhard Forti

Tonart Jugendsinfonieorchester und Orchesterverein Götzis beim 30. Neujahrskonzert.

Götzis Am Donnerstag fand in der Kulturbühne Ambach in Götzis zum 30. Mal das Neujahrskonzert des Lions Clubs Hohenems in Zusammenarbeit mit dem Jugendsinfonieorchester der tonart Musikschule Mittleres Rheintal (Hohenems, Götzis, Altach, Koblach, Mäder, Klaus) statt. Auch dieses Mal bot der Abend einen festlichen Treffpunkt für Musik, Engagement und Gemeinschaft. Dass dieses Jubiläum mit dem 50-jährigen Bestehen der tonart Musikschule zusammenfiel, verlieh dem Abend eine zusätzliche historische Bedeutung und machte die über Jahrzehnte gewachsene kulturelle Kontinuität deutlich.

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Markus Pferscher ist seit 1997 Dirigent und Organisator des Neujahrskonzerts. Bernhard Forti

Das Niveau der Musikerinnen und Musiker ist bei diesen Konzerten traditionell hoch und auch in diesem Jahr wurde dieser Anspruch eindrucksvoll bestätigt. Unter der souveränen, konzentrierten und zugleich spürbar engagierten Leitung von Markus Pferscher entfaltete sich ein Programm, das in seiner Mischung aus sinfonischer Wucht und beschwingter Eleganz ebenso ambitioniert wie publikumsnah war. Werke von Edvard Grieg, Sergej Prokofjew und Jean Sibelius bildeten das ernsthafte, kraftvolle Fundament des ersten Konzertteils. Nach der Pause hielt mit Ziehrer, Waldteufel und der Strauß-Familie jene musikalische Leichtigkeit Einzug, die ein Neujahrskonzert unverwechselbar macht.

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Lions Club-Schatzmeister Hans-Karl Walser (r.) gab bei Josef Strauß’ „Feuerfest!” auf dem Amboss den Takt an. Andreas Marte

Besonders bemerkenswert war dabei die Zusammensetzung des Orchesters. Die jungen Musikerinnen und Musiker des tonart Jugendsinfonieorchesters bewiesen ein erstaunliches Maß an technischer Sicherheit, klanglicher Disziplin und musikalischem Gestaltungswillen. Anlässlich des Musikschuljubiläums war zudem der Orchesterverein Götzis zu Gast, der sich mit dem Jugendorchester zu einem beeindruckend großen Klangkörper vereinte. Diese Begegnung der Generationen, der jugendlichen Energie und der gereiften Orchesterpraxis verlieh dem Konzert eine besondere Spannung und Dichte.

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Bernhard Forti

Der 1947 gegründete Orchesterverein Götzis, der heute rund 50 Mitglieder zählt, steht seit Jahrzehnten für anspruchsvolles Musizieren. Hier musizieren passionierte Laien gemeinsam mit semiprofessionellen und professionellen Musikern. Dieses Konzept hat sich bei der Aufführung von über 200 Werken aus Renaissance, Klassik, Romantik und Moderne bewährt. Seit 2004 liegt die musikalische Leitung in den Händen von Markus Ellensohn, seit 2021 ist der Pädagoge und Cellist Thomas Dünser Obmann.

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Bernhard Forti

Das tonart Jugendsinfonieorchester wurde 1979 ins Leben gerufen und ist seither das Herzstück einer umfassenden „Orchesterschule“, die vom Kinderorchester bis zur Sinfonietta für Erwachsene reicht. Ziel ist es, jungen Menschen das professionelle Musizieren im Orchester nahezubringen und sie früh an anspruchsvolle Literatur heranzuführen. Viele ehemalige Mitglieder haben ihren Weg in renommierte Berufsorchester gefunden oder wirken heute als Musikpädagogen und engagierte Kulturträger in der Region.

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Bernhard Forti

Charmant und kenntnisreich moderierte Isabella Pincsek den Abend. Mit informativen und zugleich leichtfüßigen Erläuterungen führte sie durch das Programm und eröffnete dem Publikum immer wieder neue Hörperspektiven.

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Bernhard Forti

Musikalische Höhepunkte waren unter anderem Griegs „Huldigungsmarsch“ aus Sigurd Jorsalfar, Prokofjews monumentaler „Tanz der Ritter“ und Sibelius’ „Finlandia“, die mit klanglicher Geschlossenheit und überzeugender Ausstrahlung begeisterten. Nach der Pause sorgten Waldteufels „Les Patineurs“ und die Walzer und Polkas der Strauß-Dynastie für jenen festlichen Schwung, der schließlich in Johann Strauß’ „An der schönen blauen Donau“ und dem bei Neujahrskonzerten nicht wegzudenkenden „Radetzkymarsch“ gipfelte. Ein besonderes Augenzwinkern bot Josef Strauß’ „Feuerfest!“, bei dem der Schatzmeister des Lions Clubs, Hans-Karl Walser, selbst am Amboss mitwirkte und damit einen der charakteristischen Effekte dieser Polka sichtbar machte.

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Andreas Marte

Seit 1996 stehen die Neujahrskonzerte des Lions Clubs Hohenems für gelebtes soziales Engagement. Dreißig Neujahrskonzerte, fünfzig Jahre Musikschule, ein Abend voller Klang, Geschichte und Zukunft. Zwei Jubiläen trafen hier auf einer Bühne zusammen und machten deutlich, wie viel kulturelle Substanz entsteht, wenn Engagement, Bildung und Musik über Jahrzehnte hinweg zusammenspielen.