Verena Konrad

Kommentar

Verena Konrad

Kommentar: Über Lorbeeren und bereits erworbene Ehrungen

Kultur / 11.01.2026 • 12:02 Uhr

VN-Kommentar von Verena Jakoubek-Konrad.

Der “überholz”-Lehrgang kann nicht mehr stattfinden, weil die Mittel gekürzt wurden – und das ausgerechnet im “Holzbauland Vorarlberg”. Ein bürokratischer Schritt – mit fatalen Folgen. Dieser Lehrgang der Kunstuniversität Linz besteht seit 2004 und fand bisher über weite Strecken in Vorarlberg und durch Vorarlberger Know-how statt. Er vermittelt über vier Semester interdisziplinär und berufsbegleitend praxisnahes Wissen über Holzbau, verbindet handwerkliche Fertigkeiten mit planerischem Denken und zeigt, wie ökologische und nachhaltige Bauweisen sicher und schön umgesetzt werden können. Teilnehmer:innen lernen nicht nur Techniken, sondern verstehen Holz als lebendigen Baustoff, der Gestaltungsspielraum und Klimaschutz vereint. Teilnehmen können sowohl Architekt:innen und Bauingenieur:innen, die näher an der Praxis sein wollen, als auch Expert:innen aus dem praktischen Feld: aus der Zimmerei, Tischlerei, verwandten Berufen. Gepflegt wird das Miteinander, über das die Holzbaukultur in Vorarlberg so bekannt wurde und das durch den Lehrgang auch überregional strahlt. Nicht wenige der Absolvent:innen des Lehrgangs sind anschließend in Vorarlberg geblieben oder heute weit vernetzte Kooperationspartner:innen.

Der Lehrgang zeigt, dass Bildung “über Holz” weit mehr ist als Materialkunde. Er ist ein Momentum des Austauschs zwischen Handwerk, Planung und Forschung – ein lebendiger Raum, in dem Kompetenzen zusammenkommen, die für zukunftsfähiges Bauen unerlässlich sind. Sein Wegfall ist ein Verlust, den die Branche spüren wird, denn Holzbaukompetenz ist heute mehr denn je gefragt: Sie ermöglicht den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, stärkt regionales Wirtschaften und sichert die Qualität zukünftiger Projekte. Bildungsangebote wie der überholz-Lehrgang sind daher keine Luxusveranstaltung, sondern eine Investition in Fachwissen, das unmittelbar in der Praxis gebraucht wird. Das Streichen der Subvention ist nicht nur nicht nachhaltig im Sinn der Zukunft, sondern auch im Sinn der Mittel, die bereits in dieses Projekt geflossen sind. Das schmerzt umso mehr, als in den anderen Bundesländern und auch über die Grenze geschaut in Baden-Württemberg der Holzbau gerade boomt und dort neue Bildungsangebote gefördert werden, während sich Vorarlberg auf seine Lorbeeren ausruht und den Vorsprung, den es aktuell (noch) hat, zu verlieren riskiert. Wer den Holzbau weiterbringen will, muss in Holzbau-Bildung investieren. Für überholz heißt es vorerst “Pause”. Hoffentlich wird aus dieser Pause kein stilles Ende.

Dr. Verena Jakoubek-Konrad ist Kunst- und Architekturhistorikerin und Direktorin des vai Vorarlberger Architektur Instituts