Mittagsmusik mit Weitblick

Kultur / 13.01.2026 • 15:11 Uhr
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Den Auftakt gestalteten Inés Marinè Aguado (Violine), Christian Kaltchev (Klavier) und Andrei Denisenko (Violoncello). andreas marte

Musikerinnen und Musiker der Stella Privathochschule spielten Werke von Fazıl Say bis Vivaldi.

Feldkirch Das Format „Kultur zur Mittagspause“ hat sich im Montforthaus Feldkirch längst als kluge Setzung etabliert: Musik wird aus dem abendlichen Ritual gelöst und mitten in den Tagesablauf platziert, offen zugänglich, niedrigschwellig und doch konzentriert. Auch am Dienstag bestätigte sich im Atrium die Tragfähigkeit des Konzepts, nicht zuletzt dank der Kooperation mit der Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik, die jungen Musikerinnen und Musikern einen Raum bietet, in dem sich Öffentlichkeit und Fokus nicht ausschließen. Unter dem Titel „Fazıl Say meets Vivaldi“ entstand ein Programm, das weniger auf Kontraste als auf feine Korrespondenzen zwischen Epochen, Stilen und Haltungen zielte.

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Andreas MarteLiliána Faragó spielte Auszüge aus Griegs früher Sonate e-Moll op. 7.

Bereits der Auftakt mit Joseph Haydns Trio C-Dur Hob. XV:27 zeigte die dialogische Qualität des Formats: Inés Marinè Aguado (Violine), Andrei Denisenko (Violoncello) und Christian Kaltchev (Klavier) musizierten mit klarer Rollenverteilung, aber durchweg gemeinsamem Atem. Haydns Allegro erhielt durch federnde Artikulation und eine ausgewogene Balance jene Beweglichkeit, die der Musik ihren Witz und ihr Inneres zurückgibt. Kaltchev führte mit kontrollierter Präsenz, die Streicher antworteten mit präziser, fein gezeichneter Linie. Einen deutlich anderen Ton setzte Liliána Faragó mit Auszügen aus Griegs früher Sonate e-Moll op. 7. Ihr Spiel wirkte nach innen gewendet, ruhig und von stringenter Linienführung, ein Ansatz, der dem romantischen Gestus das Deklamatorische nahm und ihn in konzentrierte Spannung überführte. Besonders im Menuett-Satz kamen Griegs Verschiebungen zwischen Tanzrhythmus und Erinnerung atmosphärisch zur Geltung, ohne ins Illustrative abzugleiten. Mit Ravels Sonatine betrat Nikolaj Krajnc ein stilistisch anderes Feld: kontrolliert in der Form, mit sorgfältig modellierten Übergängen und einem ersten Satz (Modéré), der sich in klar konturierter Bewegung entfaltete. Direkt anschließend wechselte Krajnc in Carl Vines Präludium überzeugend die Sprache: Die energetische Rhythmik des Stücks formte er mit strukturellem Bewusstsein, dabei stets fließend in der Anlage, ohne den Impuls zu verlieren.

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Andreas Marte

Skrjabins Préludes op. 11 sowie die Etüde op. 8 Nr. 2 forderten Verdichtung und Feinsinn in der harmonischen Nuancierung. Tobias Simon hielt dem mit Ernsthaftigkeit und innerer Ruhe stand. Die Miniaturen gewannen Kontur ohne Zersplitterung, besonders die Etüde zeigte sichere Kontrolle in den Steigerungen und Zielstrebigkeit in der Form. Einen markanten Akzent setzte Sonia Craciun mit Fazıl Says „Black Earth“. In ihrer Interpretation wirkte die Verbindung aus folkloristischer Anrufung und zeitgenössischer Klavierbehandlung geschlossen. Die erweiterten Spieltechniken erschienen nicht als Effekt, sondern als organischer Bestandteil eines Gedankens, der Gegenwart und Herkunft ineinanderführt. Craciun begegnete dem Stück mit ruhiger Konzentration und kontrollierter Expressivität. Mit Vivaldis „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ kehrte das Programm zum formalen Rahmen zurück: Mykola Myroshnychenko legte seine Interpretation auf rhythmische Klarheit und prononcierte Akzentuierung an, bewahrte aber zugleich die strenge Anlage des Werks. Das bekannte Material wirkte unter seinen Händen auffallend frisch, ohne stilistische Überzeichnung.

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Was diesen Mittag auszeichnete, war nicht allein die Bandbreite der Werke, sondern die Vielfalt der Perspektiven: Studierende aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen fanden hier zu einer gemeinsamen Sprache. In der offenen Atmosphäre des Atriums entstand so ein Konzertmoment von ungewöhnlicher Dichte, kein beiläufiges Intermezzo, sondern ein klug gesetzter Schnitt im Alltag. Das nächste Konzert findet am Dienstag, dem 24. Februar, statt.