Manfred Honeck dirigiert Strauss

Der Vorarlberger Stardirigent wird bei den Salzburger Festspielen “Ariadne auf Naxos” leiten.
Salzburg Manfred Honeck ist den Salzburger Festspielen seit dem Jahr 2000 als Dirigent verbunden. 2026 dirigiert er die Neuproduktion “Ariadne auf Naxos”. In der Nachfolge von Richard Strauss, der exakt vor 100 Jahren sein Werk bei den Festspielen geleitet hat. Zudem konzertiert er mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra am 27. August im Großen Festspielhaus.
Wenn Sie die Musik von Richard Strauss jemandem beschreiben würden, der sie noch nie gehört, der noch nie Berührungspunkte damit hatte, wie würden Sie dieser Person die Musik näherbringen?
Reich an Farben, üppig und feinfühlig. Auf die Charaktere eingehend. Ich würde empfehlen, sich zunächst die Tondichtungen anzuhören und dann erst in die Opernwelt einzutauchen. Ich denke, das ist ein guter Beginn für alle, die mit Richard Strauss noch nicht so vertraut sind. Seine Melodien und sein Einfallsreichtum sind grandios.
Kommen wir gleich zu Ariadne auf Naxos: Für die zweite Fassung des Werks wurde Molières Schauspiel “Der Bürger als Edelmann” durch ein komponiertes Vorspiel ersetzt. Wie würden Sie es charakterisieren?
Das Vorspiel ist im Grunde ein einziges Rezitativ, in dem die einzelnen Charaktere mit ihren Eifersüchteleien, Feindschaften und ihrem Ehrgeiz sehr deutlich von Richard Strauss musikalisch gezeichnet werden. Kate Lindsey in der Rolle des Komponisten wie auch Elīna Garanča als Ariadne sind ideale Besetzungen. Wir haben bewusst darauf geachtet, dass diese kleinen Feinheiten und Nuancen, die aus der Sprache kommen, bestens verwirklicht werden können. Im Haus für Mozart ist das eine wichtige Komponente.

Die Oper vereint heitere, komische Elemente mit ernsten Aspekten. Welche Rolle spielen für Sie diese Gegensätze?
Ich denke, diese verschiedenen Attribute sind eine Bereicherung – immer traurig sein, geht ja nicht, immer fröhlich sein ist auch langweilig. Diese Kunst der Schattierungen und Abgrenzungen ist bei Ariadne wirklich sehr gut gelungen, finde ich. Es gibt fast operettenhafte Teile, die man mitsingen könnte, wenn man aus der Oper geht. Dann gibt es auch Momente, die ganz tief in die griechische Mythologie eintauchen, wo man auch spürt, hier geht es um große Oper. Die Dualität von Opera seria und Komödie ist in der Ariadne grundsätzlich angelegt – wir dürfen nicht vergessen: In der Geschichte selber fordert der reichste Mann Wiens, dass an einem Abend Komödie und Opera seria zur selben Zeit stattfinden – eine große Herausforderung für den Komponisten.
Bringt das auch für Sie als Dirigent im Vergleich zu anderen Werken eine besondere Herausforderung mit sich?
Ja, tatsächlich: Wir dürfen nicht vergessen, dass Richard Strauss auch Salome, Elektra und den Rosenkavalier komponiert hat. Und jetzt geht er auf ein kleineres Orchester zurück: Der Streicherapparat ist sehr reduziert. Auch die Bläser – Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte, Trompeten, zwei Hörner – sind etwas reduziert, aber in der klassischen Aufstellung vorhanden. Etwas Schlagwerk ist dabei, eine Posaune – also eigentlich eher ein Kammerorchester. Aber das Überraschende ist, dass diese Musik stellenweise dennoch unglaublich orchestral und opulent besetzt klingt. Warum? Strauss beherrscht die Kunstfertigkeit, gewisse Melodien in bestimmten Instrumenten zu verdoppeln, sodass man das Gefühl hat, da spielt ein großes Orchester. Es fasziniert mich immer wieder, wie Strauss so einen Farbenreichtum hervorbringt, selbst mit einem kleineren Orchester. Das ist etwas ganz Typisches für Ariadne.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.
Sie werden neben Ariadne auch ein Konzert bei den Festspielen dirigieren.
Ja, ich werde mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra eine große Europatournee machen, und da dürfen natürlich die Salzburger Festspiele nicht fehlen. Ich freue mich auf die Fünfte Symphonie von Schostakowitsch, und der Pianist Alexandre Kantorow wird Rachmaninows Rhapsodie über ein Thema von Paganini spielen.