Die Hand des Genies: Picasso in Lindau

Ab Mai werden Zeichnungen und Keramiken von Pablo Picasso im neuen Cavazzen Museum gezeigt.
Lindau Mit der Ausstellung „Picasso.Handmade“ kehren im Jahr 2026 die großen Sonderausstellungen der klassischen Moderne eindrucksvoll in das Cavazzen Museum auf der Lindauer Insel zurück. Nach Jahren der umfassenden Sanierung öffnet das historische Haus erneut seine Türen und präsentiert vom 2. Mai bis zum 1. November Arbeiten eines Künstlers, der wie kaum ein anderer das 20. Jahrhundert geprägt hat. Pablo Picasso wird dabei nicht als entrücktes Genie gefeiert, sondern als unermüdlich arbeitender Künstler gezeigt, dessen Werk von Neugier, Experimentierlust und formaler Konsequenz getragen ist.
Im Zentrum der Ausstellung stehen Originalzeichnungen und Keramiken, die einen unmittelbaren, fast intimen Zugang zu Picassos Schaffen ermöglichen. Gezeigt werden Arbeiten aus allen Lebens- und Werkphasen, von frühen zeichnerischen Studien bis zu den berühmten Keramiken aus Vallauris in Südfrankreich, die ab den späten 1940er-Jahren entstanden. Gerade diese keramischen Arbeiten offenbaren eine spielerische Freiheit und eine Nähe zum Material, die Picassos schöpferische Energie in besonderer Weise sichtbar machen.

Kuratiert wird „Picasso.Handmade“ von Roland Doschka, einem der renommiertesten Picasso-Experten im deutschsprachigen Raum, gemeinsam mit der Kunstwissenschaftlerin Sophie Sümmermann. Es ist bereits die dritte Picasso-Ausstellung in Lindau, zugleich jedoch die bislang umfangreichste. Für Doschka, der national und international seit Jahrzehnten mit dem Werk Picassos befasst ist, besitzt die Lindauer Schau eine besondere Bedeutung: „Die Lindauer Ausstellung 2026 ist meine 15. Picasso-Ausstellung und hat mich deshalb besonders inspiriert für zahlreiche Neuentdeckungen im Werk von Picasso“, so der Kurator. “Picasso ist und bleibt das Jahrhundertgenie. Seine Werke sind zeitlos, sein Umgang mit der Linie von einer Virtuosität, die bis heute fasziniert.“
Auch Sophie Sümmermann betont den bewusst gewählten Perspektivwechsel der Ausstellung. Gerade weil Picassos Werk so vertraut erscheine, lohne es sich, den Blick neu zu schärfen. „Diese Ausstellung zeigt Picasso nicht als fernes Genie, sondern als produktiven Künstler – in Zeichnungen aus allen Lebensphasen und in den Keramiken aus Vallauris, die seine unmittelbare, experimentelle Seite sichtbar machen“.
Die Sonderausstellungen in Lindau haben seit 2011 eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte geschrieben. Rund eine Million Besucherinnen und Besucher haben die bisherigen Projekte erlebt, die weit über die Region hinaus Beachtung fanden. Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn verweist auf die langfristig gewachsenen Strukturen: Vertrauensvolle Kontakte zu bedeutenden Leihgebern, engagierte Förderer und eine kontinuierlich entwickelte Vermittlungsarbeit hätten diesen Erfolg ermöglicht.
Für Oberbürgermeisterin Claudia Alfons ist die Rückkehr der großen Sonderausstellungen in das Cavazzen Museum ein kultureller Meilenstein. Zugleich würdigt sie die enge Verbundenheit des Kurators mit der Stadt: Roland Doschka, Träger des Goldenen Bürgerrings der Stadt Lindau und in diesem Jahr 85 Jahre alt, habe über viele Jahre hinweg maßgeblich zur Profilierung Lindaus als Ausstellungsort beigetragen.