Kultur als gesellschaftliche Ressource

Kultur / 10.02.2026 • 11:03 Uhr
IGKV_ReGen_NJGespraech_Bregenz(c)StefanHauer-52.jpg
IG Kultur Vorarlberg-Obmann Leon Boch, Hoteldirektor Sebastian Steurer und Geschäftsführerin Mirjam Steinbock bei der Auftaktveranstaltung.Stefan Hauer

IG Kultur Vorarlberg setzt in ihrem Jubiläumsjahr auf Regeneration.

Schwarzach Mit der Frage, wie Orte erhalten und neu geschaffen werden können, die Erholung ermöglichen, Kraft spenden und im Einklang mit der Natur stehen, eröffnet die IG Kultur Vorarlberg ihr Jubiläumsjahr. Seit 35 Jahren vertritt die Interessensgemeinschaft unabhängige Kulturinitiativen im Land. Im Jubiläumsjahr rückt sie die regenerative Wirkung kultureller Arbeit ins Zentrum und versteht dies ausdrücklich als Einladung zur Mitgestaltung.

IGKV_ReGen_NJGespraech_Bregenz(c)StefanHauer-115.jpg
Valentina Jussel, Schülerin und Vorstandsmitglied des W*ORT Lustenau, fordert mehr Einbindung und Empowerment.Stefan Hauer

Den Auftakt bildeten Ende Jänner zwei Neujahrsgespräche, als Themenpartner setzte Christoph Thun-Hohenstein mit seinen Impulsvorträgen Akzente. Eine zukunftsfähige Gesellschaft, so der Vertreter des digitalen Humanismus, benötige Transparenz, Mut zur Zukunftsgestaltung und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. „Der Mensch ist kein Homo oeconomicus, sondern ein soziales Wesen“, betonte Thun-Hohenstein und plädierte: „Wir sind kooperationsfähig und brauchen Kooperationsbegeisterung, ohne sie werden wir die Zukunft nicht bewältigen.“

IGKV_ReGen_NJGespraech_Dornbirn(c)StefanHauer-63.jpg
Themenpartner und Regenerativ-Experte Christoph Thun-Hohenstein.Stefan Hauer

Im Zentrum der Gespräche stand die Frage nach der Zukunftsfähigkeit kultureller und wirtschaftlicher Betriebe ebenso wie die Einbindung junger Menschen in Gestaltungsprozesse. Die Neujahrsgespräche sind Teil eines seit 2025 laufenden Beteiligungsprozesses, den die IG Kultur Vorarlberg unter dem Leitbegriff der regenerativen Kulturarbeit entwickelt. Dabei fließen Erfahrungen aus Kunst, Zivilgesellschaft und ressourcenbewusstem Handeln zusammen. Im Rahmen des Projekts #ReGen untersucht der Verein gemeinsam mit Mitglieds- und Partnereinrichtungen aus Naturschutz, Forschung, Industrie und Tourismus, inwiefern kulturelle Praxis Beziehungen stärkt, Resilienz fördert und ökologische Verantwortung sichtbar macht. Kultur wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines größeren gesellschaftlichen Zusammenhangs verstanden.

IGKV_ReGen_NJGesprarch_Dornbirn(c)StefanHauer-36.jpg
Zum Auftakt ins Neujahrsgespräch in der Zirkushalle Dornbirn spielten Claudia und Klaus Christa von der “Pforte”.Stefan Hauer

Für Geschäftsführerin Mirjam Steinbock ist die regenerative Wirkung soziokultureller Arbeit ein zentrales Moment: „Gemeinnützige Kulturarbeit ist ein Schlüssel, mit dem Menschen zu Mitgefühl, Freude, Kreativität, Gesundheit und Fürsorge gelangen“. Diese Potenziale gelte es langfristig zu sichern und für kommende Generationen wirksam zu machen. Kulturelle Einrichtungen verfügten über Ideen, tragfähige Netzwerke und eine hohe Bereitschaft zur Zusammenarbeit und könnten aufzeigen, was gesellschaftlich, wirtschaftlich und ökologisch notwendig sei, um zukunftsfähig zu bleiben. Auch Obmann Leon Boch hebt den erweiterten Anspruch des Ansatzes hervor. Regenerative Kulturarbeit gehe über reine Ressourcenschonung hinaus, stärke soziale Beziehungen, fördere Widerstandskraft und begreife Kulturorganisationen als lebendige Systeme im Austausch mit ihrer Umwelt. Diese Sichtweise teilen auch Partner aus der Wirtschaft. „Für uns bedeutet regenerative Kulturarbeit, Räume zu schaffen, die Gäste, Kultur und Umwelt gleichermaßen stärken“, so Sebastian Steurer, Direktor des Hotel Schwärzler Bregenz.

IGKV_ReGen_NJGespraech_Bregenz(c)StefanHauer-119.jpg
Stefan Grabher, Valentina Jussel und Gabi Hampson.Stefan Hauer

Deutlich artikuliert wurde in den Gesprächen zudem der Wunsch nach einer stärkeren Beteiligung junger Stimmen. „Wir jungen Menschen sollten in Gespräche über Arbeitswelten und Zukunftsmodelle einbezogen werden“, betonte die Schülerin und Kulturaktivistin Valentina Jussel vom W*ORT Lustenau. Viele ihrer Generation seien bereit, Verantwortung zu übernehmen und aktiv an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken.

IGKV_ReGen_NJGespraech_Bregenz(c)StefanHauer-121 (1).jpg
Stefan Hauer

Noch bis 15. Februar läuft eine Umfrage zum Thema. Beiträge aus Kunst und Kultur ebenso wie aus anderen gesellschaftlichen Bereichen fließen direkt in die Projekte des Jubiläumsjahres ein und bilden die Grundlage für weitere Kooperationen. Die erste öffentliche Veranstaltung findet am 2. März um 17 Uhr im Theater am Saumarkt in Feldkirch statt. Unter dem Titel „Regenerative Kulturarbeit zwischen Krise und Transformation“ diskutieren internationale und regionale Stimmen in Kooperation mit der UNESCO, wie Natur und Kultur im Sinne eines gesellschaftlichen Wandels zusammenwirken können.