Schumann, Prokofjew, Brahms: ein Abend der Nuancen

Kultur / 13.02.2026 • 11:02 Uhr
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Daniel Müller-Schott gehört zu den weltweit gefragtesten Cellisten und tritt auf internationalen Konzertbühnen auf..Andreas Domjanic

Daniel Müller-Schott am Violoncello und Annika Treutler am Klavier im Hagenhaus.

nendeln Im Hagenhaus in Nendeln war am Donnerstag ein Kammermusikabend zu erleben, der durch klangliche Ausgewogenheit und interpretatorische Klarheit überzeugte. Der international gefeierte Daniel Müller-Schott am Violoncello – die New York Times würdigt seine „intensive Expressivität“ und beschreibt ihn als „einen furchtlosen Spieler mit überragender Technik“ – und die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Annika Treutler am Klavier – 2020 erhielt sie den „Opus Klassik“ – begegneten sich auf Augenhöhe, ohne ihre jeweiligen Profile zu nivellieren.

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Bereits in Robert Schumanns „Fantasiestücken“ op. 73 zeigte sich die präzise Abstimmung des Duos. Müller-Schott führte den Ton schlank und spannungsvoll, während Treutler die harmonischen Schichtungen differenziert herausarbeitete und den Klavierklang transparent hielt. Die Phrasen wirkten klar disponiert und zugleich flexibel im Fluss. Im „Lebhaft, leicht“ überzeugte das Zusammenspiel durch Beweglichkeit und rhythmische Elastizität, ohne in virtuose Effekte abzugleiten. Das „Rasch, mit Feuer“ gewann an Energie und Prägnanz, blieb jedoch stets strukturell gebunden, sodass die formale Anlage deutlich nachvollziehbar wurde. Prokofjews Cellosonate op. 119 setzte einen schärferen Akzent. Das „Andante grave“ gestaltete Müller-Schott mit ruhiger Entschlossenheit und dunkler Klangfarbe, während Treutler die rhythmischen Kontraste und harmonischen Verschiebungen klar profilierte. Im „Moderato“ entstand ein spannungsreiches Wechselspiel zwischen Melancholie und Ironie, das beide mit sorgfältig abgestufter Dynamik entwickelten. Das „Allegro, ma non troppo“ erhielt durch kontrollierten Aufbau und präzise Artikulation Kontur; selbst in den zugespitzten Passagen blieb die Gestaltung nüchtern und durchhörbar.

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Nach der Pause folgte Brahms’ zweite Cellosonate op. 99. Das „Allegro vivace“ war von klarer Linienführung und tragfähigem Spannungsbogen geprägt. Cello und Klavier agierten gleichberechtigt, die Stimmen griffen ineinander, ohne sich gegenseitig zu überdecken. Im „Adagio affetuoso“ zeichnete Müller-Schott die kantablen Linien mit ruhigem Atem, während Treutler die vielschichtigen Klavierpartien strukturiert und mit differenzierter Artikulation gestaltete. Im „Allegro passionato“ verdichtete sich die Energie zu präzise geführter Zuspitzung, ehe das abschließende „Allegro molto“ noch einmal die Geschlossenheit des Zusammenspiels unterstrich.

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Kennzeichnend für diesen Abend war weniger solistische Brillanz als die Qualität des gemeinsamen Musizierens. Dynamische Abstufungen, klangliche Balance und formale Klarheit blieben jederzeit im Fokus. Die konzentrierte Atmosphäre des Saales kam dieser Art des Musizierens entgegen. Das Publikum dankte mit anhaltendem Applaus.