Lydia Häfele: As ischt da Bruuch gsi

Die Autorin schildert in 23 Aufsätzen Lebensumstände, Sitten, Redewendungen und Eigenheiten.
Hohenems Am 26.2.2026 feiert Frau Lydia Häfele ihren 100. Geburtstag. Als aufmerksame Zeitgenossin hat sie in diesem langen Zeitraum Lebensumstände, Sitten und Bräuche sowie Redewendungen und Eigenheiten ihres Heimatortes Hohenems nicht nur registriert, sondern auch aufgezeichnet. Eine Reihe von Aufsätzen dazu hat sie im Laufe der vergangenen Jahre im emser almanach publiziert und auch in Buchform vorgestellt. Nun, anlässlich ihres außergewöhnlichen Geburtstags, haben ihre Söhne Norbert und Wilfried den Band in erweiterter Form, quasi als Jubiläumsgabe, neu herausgegeben. Als Motto wurde das Zitat von Peter Handke: „Was man gerne hat, muss man weitergeben, das ist eine Pflicht.“ Dieser Pflicht kommt Frau Häfele als mündliche und schriftliche Erzählerin stets gerne nach.
Für alle, die sich für das „Wie-war-das-einst“ interessieren, ist das Buch eine wahre Fundgrube. In insgesamt 23 Aufsätzen, geschrieben zwischen 2002 und 2023 schildert die Autorin, was „da Bruch gsi“ ist. Beginnend mit Hohenemser Hochzeits- und Totenbräuchen, über „Wintervergnügen“ und „Badefreuden“ bis zu Aberglauben, Kirchgängen und tabuisierten Themen wie Geburt und Tod, erfährt man Bemerkenswertes zum früheren Alltagsleben. Dazu zählt natürlich auch die Ernährung, der die Geschichte „Riebl, Riebl und nomol Riebl“ mit einem programmatischen Titel gewidmet ist. Die Erinnerungen ans Schifahren und Baden zeigen die Autorin als frühe Sportlerin, die diese Aktivitäten bis ins hohe Alter betrieben hat.

Eine Reihe ihrer Rückblicke zeigen Lydia Häfele als interessierte Zeitgenossin, die Veränderungen in ihrer Heimatgemeinde über ihre lange Lebenspanne hinweg aufmerksam registriert und sachkundig zu beschreiben weiß. Ein weiteres Feld ihrer Beobachtung ist der Wandel der Mundart, wie sie ihn im Laufe ihres ausführlichen Wahrnehmungszeitraums erlebt hat. Dabei ist ihr Ton nie larmoyant und kulturpessimistisch, sie erweist sich durchgehend als unbefangene Chronistin des Wandels, wenn auch nicht immer ohne vorsichtige Wertung.
Persönliches Erleben fließt in die Darstellung ein, Thema bleibt aber immer der erinnerte Blick auf das, was das Leben in der örtlichen Gemeinschaft ausgemacht hat. Nur in der letzten Geschichte erzählt Lydia Häfele von einem eigenen Erlebnis. Im Sommer 1946 wurde sie von ihrem späteren Ehemann eingeladen, das erste Spiel auf dem See, Mozarts „Bastien und Bastienne“, zu besuchen. Dies bildete für die kulturinteressierte Frau ein bleibendes Ereignis und ihr Bericht erweist sich als originales Dokument von wertvoller Zeitzeugenschaft. In vielem, das Lydia Häfele wach wahrgenommen, sorgfältig gesammelt und lebendig dargestellt hat, wird deutlich, was die Gesellschaft im Kleinen wie im Größeren zusammenhält und wie sich dieses (Zusammen)leben im Laufe ihres langen Beobachtungszeitraums gewandelt hat. MP