„Ich habe nach Beweisen gesucht“

Kultur / 27.02.2026 • 13:56 Uhr
Philipp Schöbi wird am Mittwoch, 15. April, 19 Uhr im Palais Liechtenstein in Feldkirch der
Philipp Schöbi wird am Mittwoch, 15. April, 19 Uhr im Palais Liechtenstein in Feldkirch der “Blaue Karfunkel” überreicht. Marion Hofer

Philipp Schöbi (68) wird mit dem Blauen Karfunkel der Sherlock-Holmes-Gesellschaft geehrt.

Feldkirch Die freudige Nachricht erreichte Philipp Schöbi per E-Mail. Angehängt ein Foto, das ein saphirblaues Stück Luxus abbildet. Der promovierte Mathematiker aus Feldkirch wunderte sich, denn erst auf den zweiten Blick erkannte er den wahren Wert der digitalen Fotografie. In der Mitte stand Weiß auf Blau gedruckt: „Der Blaue Karfunkel 2025 verliehen von der Deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft (DSHG) an Philipp Schöbi für sein besonderes Engagement um das Erbe von Sir Arthur Conan Doyles“. Kein Fake. Der Absender war schließlich der Vorstand persönlich. „Es kam für mich ziemlich überraschend“, erzählt der pensionierte Gymnasiallehrer. „Aber ich freue mich sehr, dass meine Arbeit auf so herausragende Weise gewürdigt wird.“ Schöbi bewarb sich nämlich nicht selbst um die Auszeichnung. Das tat Thomas Fröhlich, Veranstalter des Sherlock Holmes-Stammtisches in St. Pölten.

Der 68-jährige Preisträger hatte akribisch genau über Doyles Aufenthalt in Feldkirch recherchiert und unter anderem die Behauptung widerlegt, der damals 16-jährige Schüler hätte in seiner Zeit an der Stella Kurzgeschichten für den Feldkircher Anzeiger geschrieben. Als Paradebeispiel galt die Erzählung „Ein schlauer Betrüger“, weil sie „unverkennbar seine Handschrift“ trüge. Bis heute ist diese Legende international im kollektiven Gedächtnis verhaftet. Schöbi zweifelte daran. „Die Briefe, die er an seine Mutter schrieb, machen klar, dass sein Deutsch bei weitem nicht so gut war“, sagte er und wollte den Beweis antreten. Seine Forschungsfrage lautete: Wie entstand diese Legende? „Fest steht, zu seiner ersten eigenständigen Publikation kam es tatsächlich am Jesuitengymnasium in Feldkirch“, weiß Schöbi. „Es handelte sich allerdings um die Schülerzeitung mit dem Titel ,The Feldkirchian Gazette‘.“ Zwei von Hand geschriebene Ausgaben in Kopie liegen vor ihm auf dem Tisch. „Eine Abschrift muss er per Post an seinen Patenonkel, den Literat Michael Edward Conan in Paris gesendet haben“, erzählt Schöbi weiter. Dieser hätte daraufhin in einem Brief an seine Mutter Mary Foley Doyle das große schriftstellerische Talent Arthers gewürdigt. Er schrieb: ,Seine ‚Feldkircher Newspaper‘ gibt Anlass zu größten Hoffnungen, und ich habe den Verdacht, dass sie von A bis Z von ihm selber stammt. „Die Formulierung ,Feldkircher Newspaper‘ wurde von Biografen zu Biografen übernommen. So entstand die Legende“, ist Schöbi überzeugt.

Was den Doyle-Kenner allerdings erstaunte: „Die Gazette ist nie publiziert worden.“ Das holte Schöbi nach seiner Forschertätigkeit in der ersten Ausgabe der Zeitschrift “Montfort” 2024 nach. Die Korrektur ist damit öffentlich nachlesbar und ein Beweisstück von allgemeiner Bedeutung. Der blaue Karfunkel, nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch der Titel einer Sherlock-Holmes-Kurzgeschichte, trägt verdient den Namen Philipp Schöbi. Allerdings dauert es noch etwas, bis er das gute Stück in Händen halten kann. Die Verleihung ist erst am Mittwoch, 15. April, 19 Uhr im Palais Lichtenstein in Feldkirch. CRO

Auch die VN berichteten am 14. März 1975, dass Arthur Conan Doyle für den Feldkircher Anzeiger schrieb. (Foto: Faksimile VN) (Bildergalerie)
Auch die VN berichteten am 14. März 1975, dass Arthur Conan Doyle für den Feldkircher Anzeiger schrieb.