Viel Wirbel um Heiligen

VN-Kommentar von Walter Fink.
Seltsames tut sich seit einigen Tagen in Assisi, der wunderbaren Stadt in den Hügeln von Umbrien. Hunderttausende kommen, um die Gebeine des Heiligen Franz von Assisi, die erstmals in der Unterkirche der Basilika San Francesco in einer Vitrine aus kugelsicherem Glas ausgestellt sind, zu sehen. Einen Monat, bis 22. März, werden die Reliquien des Heiligen gezeigt und der Franziskanerorden meldet Rekordbesucherzahlen: 400.000 Menschen aus der ganzen katholischen Welt haben ihren Besuch angekündigt. Viel Rummel also um einen Heiligen, der genau das sicher nicht wollte. Auch nicht, was wohl noch folgen wird zur Erinnerung an seinen Todestag am 3. Oktober 1226. Franziskus ließ sich, als er den nahen Tod spürte, zur kleinen Kapelle nach Portiunkula, seinem Lieblingsort in der Ebene unter der Stadt, bringen. Nackt wollte er auf den Boden gelegt werden, um in Einheit mit der Erde seinen Geist aufzugeben. Hier, in solch einfacher Umgebung, wäre er gerne auch begraben worden. Aber dafür war er schon zu populär, so brachte man ihn – der schon zwei Jahre nach seinem Tod heiliggesprochen wurde – nach Assisi, wo später auch die großartige Grabeskirche San Francesco mit den Ende des 13. Jahrhunderts geschaffenen berühmten Fresken des Giotto gebaut wurde. Viel Glanz also um einen, der allen Besitz ablehnte und nackt vor seinen Vater getreten war, um zu zeigen, dass er sich „Schwester Armut“ verschrieben habe und das zum Grundsatz seines Lebens und des von ihm gegründeten Ordens machte.
Das Gedenken an den Geburtstag des großen Heiligen – des beliebtesten vielleicht der Katholischen Kirche – zieht weite Kreise. Auch zu uns. Der Vorarlberger Markus Hofer, studierter Theologe und Kunsthistoriker, hat zeitgerecht das Buch „Franz von Assisi – Ein radikales Leben neu erzählt“ (Tyrolia Verlag) vorgelegt, das am kommenden Montag um 19 Uhr in Arbogast vorgestellt wird. Der im Titel vorkommende Hinweis auf das radikale Leben des Franz von Assisi ist angebracht, denn immer wieder erstaunt uns die Tiefe der Gedanken des Heiligen (das lateinische „radix“ bedeutet Wurzel). Hofer hat ein sehr persönliches Buch geschrieben, einen fast schon private Annäherung an Franz von Assisi. Ganz deutlich wird das, wenn er über die Beziehung des Heiligen zum anderen Geschlecht, vor allem zur Heiligen Klara erzählt, ebenso wenn es um die Stigmatisierung, um „Die Sache mit den Wundmalen“, geht, ebenso die „Vogelpredigt“ und nicht zuletzt in der Erzählung über die Entstehung des „Sonnengesangs“, die Hofer jeglicher Romantik entkleidet. Auch die „Erfindung von Weihnachten“ bei Francescos Aufenthalt in der Einsiedelei in Greccio steht in neuem Licht. Der Heilig wollte das Ereignis der Menschwerdung „so greifbar als möglich mit eigenen Augen schauen“. Und nichts anderes versuchen auch wir heute, wenn wir an Weihnachten Krippen aufstellen.
Wer einmal in Assisi und an anderen Wirkungsstätten des Heiligen Francesco in Umbrien war, wird sich an manches erinnern. Auch wenn der derzeitige Rummel um die Reliquien eher abstoßend als erhebend wirkt.