Hinschauen statt Wegsehen

Kultur / 09.03.2026 • 10:14 Uhr
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Auch Jutta Zudrell-Koch vom Pikler® SpielRaum Praxis Hohenems unterstützt die Initiative.
StoP

Neue Ausstellung in Zusammenarbeit mit StoP im Literaturhaus Vorarlberg.

Hohenems Jede dritte Frau in Österreich erlebt im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexuelle Gewalt. Eine Zahl, die nüchtern klingt – und doch für unzählige individuelle Schicksale steht. Um dieser Realität nicht mit Schweigen zu begegnen, lädt das Literaturhaus Vorarlberg gemeinsam mit dem ifs-Präventionsprojekt „StoP – Stadt(teile) ohne Partnergewalt“, unterstützt von der Stadt Hohenems, zu einer Ausstellung ein, die Haltung zeigt. Von 12. März bis 7. April 2026 sind im Literaturhaus Plakate zu sehen, die klare Botschaften lokaler Persönlichkeiten versammeln. Die Ausstellung wird am 12. März um 19 Uhr eröffnet.

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Der Nachwuchsleiter des VFB Hohenems, Simon Reis.StoP

Die Fakten sind erschütternd: Im Jahr 2025 wurden in Österreich 15 Femizide und 34 Mordversuche an Frauen registriert. Bereits in den ersten zwei Wochen des neuen Jahres verloren zwei Frauen ihr Leben. Zahlen wie diese markieren keine abstrakten Statistiken, sondern reale Gewalt, die vielfach hinter verschlossenen Türen geschieht. Die Plakatkampagne von StoP rückt diese Wirklichkeit ins öffentliche Bewusstsein. Im Zentrum stehen Statements von Menschen aus unterschiedlichen Lebensbereichen – Friseurinnen, Nachbarinnen, Geschäftsinhaberinnen, Vereinsobleute –, die sich unmissverständlich gegen Gewalt an Frauen und Kindern positionieren. Ihre Botschaften machen deutlich: Partnergewalt ist kein privates Problem, sondern eine gesellschaftliche Verantwortung.

Thema Zivilcourage

Die Ausstellung versteht sich jedoch nicht als reine Informationsplattform. Am Eröffnungsabend stehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von StoP sowie Fachleute des Gewaltschutzzentrums Vorarlberg und der Polizei an mehreren Stationen für Gespräche bereit. Besucherinnen und Besucher können Fragen stellen, sich informieren und in direkten Austausch treten. Thematisiert wird dabei auch die Rolle der Sprache in der medialen Berichterstattung über Femizide und wie Worte Wahrnehmung prägen. Eine Mitmach-Station setzt zudem Impulse zum Thema Zivilcourage. Ziel der Initiative ist es, das Tabu rund um häusliche Gewalt aufzubrechen, das Bewusstsein für die Situation Betroffener zu schärfen und Solidarität im unmittelbaren Lebensumfeld zu stärken. Die Botschaft ist klar: Ihr seid nicht allein.

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Frauke Kuehn

StoP wurde 2006 von Sabine Stövesand an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg entwickelt. Seit 2010 wurde das Projekt in zwölf Stadtteilen in Deutschland erfolgreich umgesetzt; die österreichischen Standorte bauen auf diesen Erfahrungen auf. Das Konzept folgt dem Ansatz des Community Organizings – einem bewährten Instrument der Sozialen Arbeit – und umfasst acht aufeinander aufbauende Handlungsschritte: von der Stadtteileinrichtung und Sozialraumanalyse über aktivierende Befragungen, den Aufbau nachbarschaftlicher Aktions- und Netzwerkgruppen bis hin zu individueller Begleitung, kontinuierlicher Beziehungsarbeit und der Entwicklung politischer Bündnisse. Derzeit ist StoP an 41 Standorten in ganz Österreich aktiv.
Derzeit bestehen 41 StoP-Standorte in ganz Österreich, in Vorarlberg gibt es Standorte in Bregenz, Lustenau, Hohenems und Feldkirch.