Wunsch nach ‘neuen Impulsen’ nicht nachvollziehbar

Kultur / 11.03.2026 • 15:55 Uhr
Wunsch nach 'neuen Impulsen' nicht nachvollziehbar
Gräve kann die Entscheidung nicht verstehen: “Es gab große Zufriedenheit mit dem Spielplan und der künstlerischen Qualität”.Beate Rhomberg

Der Vertrag mit der Intendantin des Landestheaters, Stephanie Gräve, endet mit dem 31. Juli 2028.

Bregenz Der Aufsichtsrat der Vorarlberger Kulturhäuser Betriebsgesellschaft mbH hat am 5. März beschlossen, die Intendanz des Vorarlberger Landestheaters zur Spielzeit 2028/29 neu auszuschreiben. Landesrätin Schöbi-Fink: „Zehn Jahre sind eine gute Zeit, um künstlerisch nachhaltig und weiterhin erfolgreich zu wirken. In diese Zeit fällt auch die anstehende technische Sanierung des Landestheaters sowie eine Spielzeit, in der der Betrieb im sanierten Haus wieder aufgenommen wird. Danach ist ein guter Zeitpunkt für neue Impulse.“ Bernie Weber, Grüner Kultursprecher, kritisiert das Vorgehen: „Landesrätin Schöbi-Fink und der Aufsichtsrat haben ihr die Nichtverlängerung ihres Vertrags über die Medien ausgerichtet und ihr nicht einmal die Zeit gegeben, ihr Ensemble vorab selbst zu informieren.“ Mit Verwunderung reagiert SPÖ-Kultursprecher Reinhold Einwallner. „Stephanie Gräve hat das Vorarlberger Landestheater in den vergangenen Jahren mit bemerkenswertem Engagement und künstlerischer Klarheit geführt.“

Frau Gräve, Sie wurden von der Entscheidung des Aufsichtsrats, die Intendanz neu auszuschreiben, überrascht. Hatten Sie zuvor den Eindruck, man ist zufrieden mit Ihrer Arbeit?

Gräve Das hatte ich, ja. Es gab große Zufriedenheit mit dem Spielplan und der künstlerischen Qualität, in den letzten Jahren hatten wir Publikumsrekorde mit 52.000 Besuchern, es gab keine budgetären oder organisatorischen Probleme. Es waren vielleicht nicht alle einverstanden damit, dass ich mich öffentlich für eine bessere Finanzierung und die Sanierung stark gemacht habe, aber das ist die natürliche Rollenverteilung, scheint mir.

Die Neuausschreibung wird mit einem „geordneten und professionellen Übergang“ sowie mit dem Wunsch nach „neuen Impulsen“ begründet, können Sie dies nachvollziehen?

Gräve Das sind zwei Themen, der gewünschte „geordnete und professionelle Übergang“ ist die Begründung für die frühe Entscheidung, und Professionalität ist selbstverständlich wünschenswert. Den Wunsch nach ‘neuen Impulsen’ kann ich absolut nicht nachvollziehen, das entspricht nicht den Reaktionen, die wir aus der Bevölkerung und vom Publikum bekommen. Im Gegenteil: Was unsere Arbeit ausmacht, was so geschätzt und gefeiert wird, ist gerade das Lebendige, immer wieder Neue und Überraschende, die große Vielfalt. Dazu kommt ganz praktisch, dass in unserem zweiten Jahr gleich die Pandemie ausbrach, dass wir eigentlich erst 22/23 so richtig loslegen konnten. Das sind vier Jahre, und jetzt kommt schon wieder das Sanierungsjahr – wir sind weit entfernt von ausgetretenen Pfaden und haben noch viele Pläne.

Wunsch nach 'neuen Impulsen' nicht nachvollziehbar
Beate Rhomberg pauschal

Werden Sie sich für die neu ausgeschriebene Intendanz erneut bewerben – oder verstehen Sie den Beschluss als klares Signal für einen personellen Wechsel?

Gräve Darüber habe ich noch nicht nachgedacht.

Wenn Sie auf Ihre bisherigen zehn Jahre am Vorarlberger Landestheater blicken: Was ist aus Ihrer Sicht künstlerisch und strukturell erreicht worden und was hätten Sie darüber hinaus noch verwirklichen wollen?

Gräve Es sind siebeneinhalb Jahre, von denen das erste von anfänglichem Fremdeln, dann zwei von der Pandemie geprägt waren… erreicht haben wir dennoch sehr viel, das künstlerische Niveau gesteigert, das Haus für neue und jüngere Publikumsschichten geöffnet, die Zusammenarbeit mit Schulen und vielen Institutionen etabliert und vertieft. Ich habe ein Ensemble aufgebaut, das vom Publikum geliebt wird, und gewisse Theaterstrukturen, die an diesem Haus merkwürdigerweise nicht existierten, überhaupt erst entwickelt. In diesem strukturellen Bereich gibt es noch einiges zu tun. Dazu habe ich mich für die Sanierung eingesetzt, die nun kommt – wir werden trotz knapper finanzieller Mittel 26/27 ein abwechslungsreiches Programm „on tour“ bieten. Was wir uns gewünscht hätten: Nicht nur für eine einzige, auch noch verkürzte Spielzeit, in der wir sicher mit den üblichen Kinderkrankheiten der neuen Anlagen zu kämpfen haben, sondern für einige Jahre im neu sanierten Haus für Vorarlberg wirken zu können. Das wäre auch im Sinne des Theaters, dass der Wiederaufbau des Publikums durch ein künstlerisches Team geschieht, dem die Menschen vertrauen.