Protest gegen Aus für Gräve verstummt nicht

Kultur / 20.03.2026 • 13:27 Uhr
Protest gegen Aus für Gräve verstummt nicht
In Vorarlbergs Kulturszene mehrt sich der Unmut über den Umgang des Landes bzw. der KUGes mit Landestheater-Intendantin Stephanie Gräve.VN

Entscheidung des Landes sorgt weiter für Irritationen und offene Fragen.

Bregenz Der Protest gegen die Entscheidung des Landes Vorarlberg, den Vertrag der Intendantin des Landestheaters, Stephanie Gräve, nach 2028 nicht zu verlängern, hält unvermindert an und sorgt in der Kulturszene weiterhin für erhebliche Irritationen. Die von Landesrätin Barbara Schöbi-Fink und der Kulturhäuser Betriebsgesellschaft (KUGes) vorgebrachten Begründungen stoßen vielerorts auf Unverständnis, da die konkreten Gründe trotz nachträglicher Erklärungen unklar bleiben.

Offiziell wird argumentiert, dass nach zwei erfolgreichen fünfjährigen Perioden ein geeigneter Zeitpunkt für neue Impulse gekommen sei. Eine frühzeitige Ausschreibung solle zudem einen geordneten Übergang ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf die anstehende Sanierung des Landestheaters. Gräve selbst habe den Wunsch nach frühzeitiger Klarheit geäußert. Die Intendantin widerspricht dieser Darstellung jedoch in wesentlichen Punkten: Sie sei von der Entscheidung überrascht worden und habe keineswegs eine weitere volle Amtszeit angestrebt, sondern lediglich die Möglichkeit, das Theater nach der anstehenden Übergangsphase ohne feste Spielstätte wieder zu stabilisieren. Ihr Wunsch, bis 2030 weiterzuarbeiten, sei gar nicht erst geprüft worden. Sie empfindet dies als mangelnden Respekt gegenüber ihrer Arbeit und dem Ensemble.

Protest gegen Aus für Gräve verstummt nicht
Für eine Fortführung des Vertrags wäre eine „außergewöhnlich positive Gesamtbeurteilung“ erforderlich gewesen, so Kultur-Landesrätin Schöbi-Fink.Foto Lerch

Besonders umstritten ist die Begründung der KUGes, wonach eine Verlängerung über zehn Jahre hinaus eine „außergewöhnlich positive Gesamtbeurteilung“ erfordert hätte, die angeblich nicht vorlag. Diese Darstellung steht im Widerspruch zu den bisherigen Geschäftsberichten, in denen Gräves Arbeit ausdrücklich gelobt wurde, unter anderem für die künstlerische Qualität, die Publikumsentwicklung, die Kinder- und Jugendarbeit sowie die regionalen Uraufführungen. Welche Kriterien konkret gefehlt haben sollen, bleibt offen. Der Hinweis auf eine grundsätzliche Erneuerung nach zehn Jahren erscheint ebenfalls inkonsequent, da andere Leitungspositionen verlängert wurden.

Offener Brief

Unterdessen widersprach die Obfrau der TheaterFreund:innen des Vorarlberger Landestheaters, Elisabeth Türk, der Aussage Schöbi-Finks in der Sendung „Vorarlberg heute“ vom 18. März. Demnach sei das Gespräch, das auf ausdrücklichen Wunsch des Landes Vorarlberg am 17. März mit dem Vorstand des Vereins im Landhaus stattgefunden habe, nicht klärend gewesen. „Die Landesrätin und ihre Abteilungsleiterin wollten unsere Fragen, die zu einer Klärung beigetragen hätten, nicht beantworten.“

In einem offenen Brief stellte sich das Ensemble hinter Gräve. “Seit der Spielzeit 2018/19 prägt sie das kulturelle Leben in Bregenz mit ihren künstlerischen Konzepten und Entscheidungen mit, hat das VLT zu dem gemacht, was es heute ist: ein gut besuchtes Theater mit eigenem Ensemble, das beim Publikum ankommt und der Stadt Bregenz ein wiedererkennbares Gesicht gibt”. Mitterweile ist der offene Brief übrigens von der Homepage des Landestheaters verschwunden. Die Entscheidung löste nicht nur intern, sondern auch bei freien Künstlerinnen und Künstlern Unverständnis aus. Daniele Fend-Strahm und Tobias Fend vom Theater Cafe Furte: “Es ist einmalig, wie sich Stephanie Gräve nicht nur für das Freie Theater, sondern für die ganze Kunst- und Kulturszene in Vorarlberg interessiert hat. Dadurch ist das Vorarlberger Landestheater keine Insel am Kornmarktplatz, es ist eng verwoben in der Region. Das ist ihr Verdienst.”

Auch die Stadt Bregenz fühlte sich übergangen, da sie als Trägerin erst aus den Medien von der Entscheidung erfahren habe.