Und wieder: Landestheater

VN Kommentar von Walter Fink.
Noch nie habe ich in dieser Spalte zwei aufeinanderfolgende Wochenenden einem gleichen Thema gewidmet. Immerhin schreibe ich hier ja keine Fortsetzungsromane. Aber wie in anderen Dingen gibt es auch hier ein erstes Mal. Die Diskussion um die Kündigung von Intendantin Stephanie Gräve hat inzwischen so weite Kreise gezogen, so an Intensität gewonnen, dass eine neuerliche Befassung notwendig erscheint. Es ist ja viel passiert in dieser Woche, viele Einzelpersonen und Gruppen haben ihre Stimme für Gräve erhoben, unter anderem auch die österreichische IG Autorinnen/Autoren. Nicht zuletzt sind nahezu alle österreichischen Medien mit dem einhelligen Tenor in die Diskussion eingestiegen, dass der Aufsichtsrat mit Landesrätin Barbara Schöbi-Fink jede Transparenz und Begründung für ihre Entscheidung vermissen habe lassen.
Nun will ich aber doch festhalten, dass es unter den vielen hundert Stimmen und Unterschriften für Gräve auch kritische Töne aus dem Theater gibt. Einzelne Bedienstete – nicht aus dem künstlerischen, sondern aus dem administrativen Bereich – kritisieren den Führungsstil Gräves. Das sei so weit gegangen, dass sie ihre Anstellung beim Theater gekündigt hätten. Solch „schlechte Kommunikation“ wird ja auch von Landesrätin Schöbi-Fink als Grund für die Nichtverlängerung des Vertrages angeführt. In der „Tiroler Tageszeitung“ wird das anders gesehen: „Hinter vorgehaltener Hand wird ein anderer Grund diskutiert: Gräves wiederholte Forderungen nach besserer finanzieller Ausstattung und einer ambitionierten Sanierung könnten politisch nicht gut angekommen sein. Auch von Spannungen mit der Kuges-Geschäftsführung ist die Rede. Offiziell bestätigt ist das nicht. Aber die Vermutung hält sich hartnäckig – auch weil die Kommunikation des Landes als unklar und defensiv wahrgenommen wird.“
Inzwischen gibt es auch eine Online-Petition, die sich für die Beibehaltung von Stephanie Gräve einsetzt, innerhalb einer Woche haben nahezu 700 ihre Unterschrift geleistet. Dazu kommt ein weiteres Schreiben von weit über hundert Künstlern, Theaterleuten, Regisseuren, Schauspielern, Dramaturgen (alle beiderlei Geschlechts), die den Aufsichtsrat zur Rücknahme seiner Entscheidung auffordern. Womit wir bei einem entscheidenden Punkt sind: Dem Aufsichtsrat. In diesem Aufsichtsgremium gibt es Personen, die nicht nur beaufsichtigen, sondern auch mitreden, auch künstlerisch mitreden wollen, die also beispielsweise den Spielplan des Theaters kritisieren. Eine besondere Stellung kommt dabei einem der höchsten Landesbeamten zu, der in nahezu jedem Aufsichtsrat sitzt. Ihn könnte man fast als „Intimfeind“ der Intendantin bezeichnen, der aber natürlich nie, zum Beispiel in einem Protokoll des Aufsichtsrates, aufscheint. Er weiß, so heißt es, andere, wirksamere Kanäle zu nutzen. Man könnte noch weitermachen, den Aufsichtsrat bis hin zur Vorsitzenden Landesrätin Schöbi-Fink untersuchen – und man würde kaum auf Freundinnen oder Freunde von Stephanie Gräve stoßen. Dass dieser Aufsichtsrat sein eigenes Urteil über die Intendantin umstößt, das darf nicht einmal ein eingefleischter Optimist erwarten. Da würde eher das Landesregierungsgebäude einstürzen. Und das passiert ja auch nicht.